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Vom «Wolfsdruck» und alten Eseln

In der Nacht auf Montag wurde auf der Alp Durnan oberhalb von Andeer ein Esel von Wölfen gerissen. Während der Kanton den steigenden «Wolfsdruck» beschwört, erzählt ein Eselbauer, was der Wolf für seine Tiere bedeutet.

Südostschweiz
Mittwoch, 23. September 2020, 04:30 Uhr Wölfe reissen Esel
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Bauer Markus Balzer kennt sich mit Eseln aus.
OLIVIA ITEM-AEBLI

Der Riss eines Esels oberhalb von Andeer macht seit Montag in der ganzen Schweiz Schlagzeilen. «Wir spüren den Wolfsdruck», sagt Jagdinspektor Adrian Arquint gegenüber TV Südostschweiz. «Es bereitet uns Sorgen, dass wir Wölfe haben, die sich an grössere Tiere wagen.» Gemäss dem Amt für Jagd und Fischerei ist es das erste Mal, dass ein Esel Opfer von Wölfen geworden ist.

Gerissen wurde das Tier im Streifgebiet des Beverin-Rudels. Arquint sagt, es könne sich beim Wolf um das Vatertier des Beverin-Rudels gehandelt haben. Dieses habe schon in der Vergangenheit Probleme bereitet. Vorerst handelt es sich dabei um Mutmassungen: Eine DNA-Probe soll den Fall klären.

Alter des Esels spielte auch eine Rolle

Während sich der Kanton ungewohnt klar zum neuesten Riss äussert, wirft Radio Südostschweiz einen Blick auf das Alter des Tieres. Der gerissene Esel war mit 32 Jahren relativ alt – ein Grund, weshalb er sich vielleicht nicht mehr energisch genug wehren konnte? Auf jeden Fall, sagt Markus Balzer im Interview. Er ist Eselbauer und kennt die Tiere gut. Sie seien normalerweise sehr widerstandsfähig und kräftig, sagt er. «Das Alter des Tieres spielt eine Rolle, wenn es den Wölfen nicht mehr Meister werden kann.» Er vermutet auch, dass der Esel es nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Wölfen zu tun gehabt hatte. 

Esel werden unter anderem als Herdenschutztiere eingesetzt. «Wenn man das tut, muss man sich bewusst sein, dass der Esel der erste ist, der stirbt», sagt Balzer. Dies, weil der Esel kein Fluchttier ist. «Der Esel stellt sich einer schwierigen Situation, überlegt zuerst und agiert dann.» Schon früher setzte man den Esel als Schutz für Wanderherden ein. Balzer weiss aus eigener Erfahrung, wie gut sich Esel für diese Aufgabe eignen. «Mein Stall ist etwa 150 Meter entfernt. Wenn mein alter Esel einmal brüllt, ist jemand in der Gegend. Brüllt er zwei Mal, stimmt etwas nicht. Wenn er drei Mal brüllt, muss ich nachschauen gehen, was nicht in Ordnung ist.» (jas)

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