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Romanzenschwindler klaut die Fotos eines Ex-Staatssekretärs

Dreister gehts nicht mehr: Der Betrüger verspricht der Glarnerin die ewige Liebe. Dabei liebt er nur ihr Geld. Um an sein Ziel zu kommen, fälscht er alles. Er missbraucht sogar die Bilder eines bekannten Ex-Politikers.

Martin
Meier
Montag, 20. Juli 2020, 06:38 Uhr Glarnerin wird die Liebe vorgespielt
Stinkfrech, dieses Dokument, das Foto zeigt den Ex-Politiker, soll der Glarnerin beweisen, dass es Anacleto Pirozzi tatsächlich gibt.
SCREENSHOT

Er nennt sich Anacleto Pirozzi, der Romanzenschwindler, der eine Glarner Rentnerin um ihr Geld bringen wollte. Der Schwindler schwindelt nicht nur beim angeblichen Namen, sondern auch bei der Berufsbezeichnung: Bauingenieur mit Millionenprojekten. Frei erfunden ist demnach auch sein Wohnsitz – Meilen.

Das wundert den Glarner Kripo-Chef Rudolf Gubser nicht: «Zusammengefasst fangen sie ihre gutgläubige ‘Beute’ mit virtuellen Liebesschwüren, erfundenen Lebensläufen und mit dem Missbrauch von Bildern von realen Personen», sagt er im Interview mit den «Glarner Nachrichten». Solche Bilder erhielt auch die Glarner Rentnerin.

Erstaunlich ist allerdings, wer die reale Person, der Mann auf den Fotos, ist. Ein Google-Programm ermöglicht es nämlich, im globalen Netz nach ähnlichen Bildern zu suchen. Im Fall Pirozzi ist das Ergebnis nicht nur vergleichbar, sondern eindeutig. Im Netz finden sich eins zu eins die Fotos, welche der Betrüger der Glarnerin von «sich» zusandte.

Der Mann auf den Fotos ist alles andere als ein Verbrecher

Beheimatet ist der Mann, der Pirozzi das Gesicht «gibt», in einem weltweit angesehenen Staat. Sein Leumund ist makellos. Einen Namen macht sich der Mann als Gewerkschafter, bevor er in die Politik einsteigt – zuerst als Sondermitarbeiter des Verteidigungsministers. Danach arbeitet er im Stab des Kultur- und Sportministers. Der Mann wird Rektor eines renommierten Instituts, dann Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Kultur. Zudem ist er auch noch Stadtrat der Landeshauptstadt. Heute leitet er eine renommierte Stiftung.

Die «Glarner Nachrichten» machten den Ehrenmann darauf aufmerksam, dass Betrüger mit falschen Identitäten operieren: «Mit Bildern also, die Ihre Person zeigen, welche die Kriminellen – wohl ohne Ihr Wissen – aus dem Netz gestohlen haben.» Die «Glarner Nachrichten» hätte interessiert, «ob Sie erstmals mit solchen Tatsachen konfrontiert werden – und ob Sie dagegen etwas unternehmen werden.» Eine Antwort blieb bis jetzt allerdings aus.

Und Pirozzi fälscht mit Fotos des Ehrenmanns auch seine Ausweise und Reisedokumente, wie weitere Recherchen zeigen. Darauf heisst er einmal Anacleto Pirozzi, ein anderes Mal Marcello Angelo.

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