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Glarnerland statt Badestrand

Lexi, eine 20-Jähriger Molliserin schreibt in ihrem Internet-Blog über die Vorurteile und Vorzüge des Glarnerlands.

Südostschweiz
Sonntag, 17. Mai 2020, 04:30 Uhr Lexi like...
Rathaus, Stadtkirche, Glarus, Fahne, Fridolin
Lexi meint: «Alle Stadtmenschen, denen momentan die Decke auf den Kopf fällt und denen die ach so coolen Trams auf den Geist gehen, kommen jetzt zuhauf ins Glarnerland.»
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In Zürich lästern ja immer alle über die Glarner. Obwohl nicht allen bewusst ist, wo Glarus überhaupt liegt. Hier für alle Züricher, Luzerner, Zuger und Sonstige, die im Geografieunterricht geschlafen haben: Nein, Glarus liegt nicht im Thurgau am Bodensee und ist auch kein Teil vom Kanton Uri. Und ja, das habe ich alles schon gehört; und ja, das waren alles Studenten.

Egal ob Städter wissen, wo Glarus liegt oder nicht, sie haben eine Meinung davon. Glarner reden komisch, sie sind komisch und haben Angst vor Trams. Die Glarner haben keine Ahnung von nichts, weil Glarus ja am anderen Ende der Welt liegt. Glarner essen ihr Leben lang nur Zigerhörnli, haben immer ein Glarner Tüechli um den Hals gebunden und mehr Kühe als Nachbarn wie Menschen. Sowieso gibt es nur Berge, ein paar Ziegen und in etwa sieben menschliche Lebewesen. Und vielleicht noch ein paar mehr auf den Alpen. Im Winter trinken wir Glarner dann nach den Zigerhörnli noch es Kafi am Pisterand. In den Sommerferien geht niemand nach Mallorca, sondern gehen alle in die Berge. Vamos a la Klöntalersee! Zwischendurch haben wir noch so was wie die Landsgemeinde, bei der die hochvertruute liebe Mitlandlüüt im Ring schwören. Glarner sind für viele Zürcher einfach der Inbegriff der Bünzlis.

All die märlihaft anmutenden Legenden und Sagen sind da nicht gerade hilfreich. Die Schlacht von Näfels, bei der eine Handvoll Glarner gegen die bösen Habsburger gekämpft haben, erinnert zwar jetzt im Moment ein bisschen an den (friedlichen) Ansturm der Zürcher, mutet aber schon ziemlich märlimässig an. Genau wie die Sonne, die durch das Martinsloch auf die Elmer Kirche scheint.

Aber obwohl sogar unser lieber Fridolin regelmässig Spott über sich ergehen lassen muss, scheint das Glarnerland doch irgendwie eine magische Anziehung zu haben. Alle Stadtmenschen, denen momentan die Decke auf den Kopf fällt und denen die ach so coolen Trams auf den Geist gehen, kommen jetzt zuhauf ins Glarnerland. Wie Bienen, die den Nektar riechen, strömen sie über die A3 direkt ins Klöntal und an den Obersee. Kalifornien während der Mandelblüte in etwa. Soll übrigens für Ferien auch noch hübsch sein, aber momentan nicht gerade das Top-Reiseziel in Coronazeiten. Also zurück zum Thema.

Zugegeben, vielleicht ist Glarus ein Märlital. Ein bisschen verträumt. Kühe stehen auf den Wiesen. Die Berge lachen einen an. Aber das macht das Glarnerland ja gerade aus. Zürich ist nämlich vielleicht cool, ein globaler Finanzplatz, und es gibt tolle Hipster-Cafés. Dafür sind die Busse überfüllt, die Cafés waren die letzten sechs Wochen eh geschlossen, und an den meisten Wohnorten mitten im Chaos ist es einfach laut, man hat keinen Platz, und die Wohnungen sind schweineteuer. Wenigstens lohnt sich jetzt während dem Homeoffice mal die Miete, das ist aber auch das Einzige.

Die Berge hingegen sind vom Coronavirus noch unverseucht, und auch wenn zwei Meter Sicherheitsabstand auf gewissen Wanderwegen vielleicht schwierig sind, ist Wandern etwas vom wenigen, das man ohne verächtliche Blicke und sozialem Selbstmord in jedem Freundeskreis noch machen kann.

Vielleicht sind wir Glarner ja trotz unserem Bünzliruf innovativ. Und mit den Bergferien der neue Trendsetter. So ganz ohne Influenzerarmee. Vujo organisiert die Sonnenuntergänge, und wir Glarner organisieren die Berge. Die Zürcher bringen noch ein bisschen Schampus, und dann können alle zusammen auf das wunderschöne Märlital anstossen. Ach, wie kitschig ist das denn bitte.

Lexi ist das Pseudonym einer 20-jährigen Molliserin, die einen Internet-Blog in Jugendsprache führt: http://lexilike.blogspot.ch.

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Es gibt sicher Bünzli im Glarnerland ,ich 78 Rentner bin leider keiner .Die sogenannten Bünzlis ,sind auch nicht anzutreffen am Sound of Glarus oder bei Musikdarbietungen im Volksgareten+Gütterschuppen. Aber trotzdem nicht schlecht geschrieben über den Zigerschlitz.

Hoppla, das ist wieder ein gröberer "Bock" geschossen worden! Auf den Bild ist keine echte Glarner-Fahne! Der Fridolin geht in die falsche Richtung. (Das dürfte ein Foto der ersetzten, falschen Ennendaner-Fahnen sein.)