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Krisen können abhängig machen: Der richtige Umgang mit Suchtmitteln

Die Coronakrise macht vielen Angst. Das Virus fordert von uns, zu Hause zu bleiben und Abstand zu nehmen. Diese soziale Isolation macht einsam und kann in die Sucht treiben. Dabei sind die Abhängigkeiten vielfältig: Mediensucht, Spielsucht, Alkohol- oder Drogensucht. Lassen Sie es besser gar nicht so weit kommen!

Südostschweiz
Mittwoch, 22. April 2020, 00:00 Uhr Sponsored Content
Gesundheitsamt Graubünden

Aktuelle Informationen
www.gr.ch/coronavirus

«Wichtig ist der Ausgleich und regelmässige Austausch innerhalb der Familie», sagt Antonia Bundi vom Gesundheitsamt Graubünden. Die Sucht-Fachfrau empfiehlt, den Tagesablauf innerhalb der Familie zu strukturieren und die Kinder gezielt einzubeziehen. «Beteiligen Sie die Jugendlichen im Haushalt, nehmen Sie die Mahlzeiten gemeinsam ein, seien Sie kreativ und suchen Sie nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten.»

Erhöhte Medienzeit

Viele Jugendliche sind mit der neuen Situation stark gefordert. Die Lehrpersonen übermitteln den Schulstoff digital und richten den Unterricht auch stark auf digitales Lernen aus. Dies führt dazu, dass Computer, Smartphone und Tablet in den eigenen vier Wänden omnipräsent sind. Abgesehen vom Schulstoff haben die Jugendlichen auch ein starkes Bedürfnis, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen: chatten, flirten, herumalbern oder über Lehrpersonen und Eltern lästern. «Dieses Bedürfnis wird in der aussergewöhnlichen Situation noch stärker über soziale Medien wie Snapchat, TikTok oder Instagram gestillt», weiss Bundi aus Erfahrung. Zudem führe die Tatsache, dass die Jugendlichen zu Hause bleiben müssen, zwangsläufig zu Langeweile. «Die Zeit wird mit YouTube, Gamen, Netflix oder Online-Shopping überbrückt.» Das Resultat: Die Jugendlichen verbringen aktuell deutlich mehr Zeit in der virtuellen Welt.

Internet birgt Gefahren

Die Weiten und Untiefen des World Wide Web erleichtern uns in vielen Punkten das Leben. Es lauern aber auch einige Gefahren. Die Internet- oder Cyber-Kriminalität hat in den letzten Jahren markant zugenommen und die sozialen Medien bergen das Risiko, abhängig und süchtig zu werden. «Übermässiger Medienkonsum, Gamen, Glückspiele, Online-Shopping oder Pornographie weisen ein mittleres bis hohes Suchtpotenzial auf», erklärt Antonia Bundi. Gefährdet seien insbesondere auch Jugendliche. Besonders offensiv ist die Werbung für Online-Casinos. Dabei wird überall und jederzeit der schnelle Gewinn versprochen. «Im Gegensatz zu nicht virtuellen Casinos machen Online-Casinos besonders schnell süchtig», so Bundi, «da der Bezug zum realen Geld wegfällt.»

Alkohol ist kein Beruhigungsmittel

Sucht entwickle sich nicht von heute auf morgen, erklärt Antonia Bundi, das sei ein schleichender Prozess. «Für suchtgefährdete Menschen besteht aktuell aber in der Tat ein höheres Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln.» Dies gelte sowohl für Verhaltenssüchte, als auch für den Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum. Suchtexperten gehen von einer krisenbedingten Zunahme aus. «Um die Langeweile und Einsamkeit zu vertreiben und die Sorgen zu vergessen, kann aus einem Glas Wein schnell eine ganze Flasche, aus der Zigarette ein Päckchen und aus dem kurzen Spiel im Internet eine durchzockte Nacht werden», erklärt Bundi das Risiko, in eine Abhängigkeit zu geraten. Die Gefahr sei insbesondere erhöht, da momentan die soziale Kontrolle durch Lehrpersonen, Arbeitgeber oder Mitschülerinnen und Mitschüler wegfalle. Die Empfehlungen zum Alkoholkonsum sind in der Ausnahmesituation die gleichen wie sonst auch:

  • Pro Tag nicht mehr als zwei Standardgläser* für Männer und nicht mehr als ein Standardglas* für Frauen;
  • Mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche;
  • Alkohol sollte nicht aus Langeweile oder für die Stressbewältigung getrunken werden.
* Unter einem Standardglas versteht man die normalerweise in einem Restaurant ausgeschenkte Menge wie drei Deziliter Bier, ein Deziliter Wein oder drei Zentiliter Schnaps.

 

Verhalten überprüfen und hinterfragen

Diese aussergewöhnliche Situation bringt eine Verhaltensänderung mit sich, jede und jeder ist eingeschränkt und muss sein Verhalten dementsprechend anpassen. «Nutzen Sie diese Gelegenheit und reflektieren Sie festeingesessene Verhaltensmuster, um diese ins Positive zu verändern», empfiehlt die Sucht-Fachfrau. Mögliche Fragen dazu sind:
Wie habe ich bis jetzt auf Stress oder Sorgen reagiert? Ist dies eine gute Strategie oder schadet mir dieses Verhalten eher? Kann ich mir ein anderes Verhalten aneignen, damit ich besser mit diesen Gefühlen umgehen kann? Bei Stress und Sorgen helfen unter anderem Entspannungsübungen, Yoga und das Gespräch mit einer Vertrauensperson.

Nützliche Links

Thema Medienkonsum

Jugend und Medien
Informationsportal zur Förderung von Medienkompetenzen
www.jugendundmedien.ch

Pro Juventute
Bildschirmzeiten im Corona-Lockdown: Welche Regeln gelten jetzt eigentlich und worauf sollten Eltern achten?
www.projuventute.ch

feel-ok.ch
Ratgeber zum Thema Onlinesucht 
www.feel-ok.ch

Thema Alkohol

Sucht Schweiz
Informationsplattform mit Tipps für Eltern, um ihre Kinder vor Suchtproblemen zu schützen.
www.suchtschweiz.ch/eltern

Blaues Kreuz Schweiz
Alkoholsucht in Zeiten des Coronavirus: Telefon- und Onlineberatung
www.blaueskreuz.ch