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«Eines der grössten Vogelschutzprobleme überhaupt»

Die grossen Glasfronten des Kunsthauses Glarus sind eine Gefahr für Vögel. Das sagt Vogelexperte Hans Schmid im Interview.

Ueli
Weber
02.03.20 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Plastikwelt, Ausstellung

Herr Schmid, Sie haben als Experte der Vogelwarte Sempach mehrmals die Vogelschlaggefahr beim Kunsthaus in Glarus begutachtet. Was für eine Situation haben Sie angetroffen?

Zur Problematik gilt es generell festzuhalten: Der Tod an Scheiben ist heute eines der grössten Vogelschutzprobleme überhaupt. Hunderttausende von Vögeln kommen allein in unserem Land jedes Jahr um, weil sie mit Glas kollidieren. Viele Gebäude könnten vogelfreundlicher gebaut, viele Fallen entschärft werden. Da bildet das Kunsthaus keine Ausnahme.

Ist das Kunsthaus in Glarus denn eine Gefahr für Vögel?

Ja, leider. Es gibt am Kunsthaus zwei verschiedene Situationen, die für Vögel gefährlich sind. Da ist einerseits der Eingangsbereich, bei dem die Vögel durch die Glasfronten hindurchsehen und die Vegetation dahinter erblicken – eine klassische Vogelfalle. Und andererseits ist da der Seitenlichtsaal, an dessen Fenstern sich die Bäume und Büsche des Volksgartens spiegeln. Wir haben Kenntnis davon, dass es schon vor der Renovation öfters zu Kollisionen gekommen ist. Systematisch erhoben wurde dies allerdings nie.

Reichen die Massnahmen aus Ihrer Sicht aus, welche das Kunsthaus von sich aus ergriffen hat?

Zwar haben die Architekten erfreulicherweise möglichst reflexionsarmes Glas verbaut. Wie ein Augenschein zeigte, reicht dies jedoch nicht, denn auch auf diesen Scheiben spiegelt sich die Parklandschaft noch zu deutlich. Wir haben denn auch auf den neuen Scheiben Spuren gefunden, die von Vogelopfern stammten.

Welche Massnahmen empfehlen Sie?

Die Vogelwarte Sempach wurde früh einbezogen und hat den Architekten und dem Kunstverein Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ziel war auch, eine ästhetisch befriedigende Lösung zu finden, die den berechtigten Ansprüchen der Denkmalpflege genügen würde. Hier war man eigentlich nahe am Ziel, denn mit den neu eingezogenen hellen Vorhängen, die es früher schon einmal ähnlich gegeben hat, lässt sich die Spiegelung wirkungsvoll dämpfen. Die Vorhänge wirken jedoch nur, wenn sie gezogen sind. Auf eine entsprechende Fixierung dieser Vorhänge wurde jedoch leider verzichtet. Gut denkbare, vogelfreundliche Lösungen wären auch aufgeklebte Streifen aus Kristallfolien oder vorgespannte feine Chromstahlseile gewesen. (uw)

Ueli Weber ist stellvertretender Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ absolviert und berichtet seit über zehn Jahren über das Glarnerland. Mehr Infos

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