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Das Pestizid-Problem im Trinkwasser haben nur die andern

Für die hervorragende Trinkwasserqualität ist die Schweiz berühmt. Doch an diesem Bild entstehen Risse. Zumindest in einzelnen Regionen. Grund dafür ist das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil. Für die Südostschweiz gibt es Entwarnung.

Nadine
Hinder
Dienstag, 11. Februar 2020, 04:30 Uhr Wasserschloss Südostschweiz bleibt bestehen
Das Wasserschloss bleibt in der Südostschweiz bestehen: «Wir können uns hier ab einer sehr guten, wenn nicht gar hervorragenden Wasserqualität erfreuen», so Matthias Beckmann, Kantonschemiker von Graubünden.
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Seit etwa 50 Jahren wird das Pestizid mit dem komplizierten Namen auf Schweizer Feldern genutzt, um Getreide und Gemüse vor Pilzbefall zu schützen. Das Mittel gelangte so in das Grundwasser, woher viele Regionen der Schweiz ihr Trinkwasser beziehen. Mittlerweile ist auch bekannt, dass das Pestizid Krebs verursachen kann, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb.

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Nutzung von Chlorothalonil in der Schweiz verboten. Doch die Folgen verschwinden nicht von heute auf morgen. «Es gibt Altlasten. Im Falle von Chlorothalonil werden sie noch Jahre nach dem Verbot im Wasser nachweisbar sein», wird der Bündner Otmar Deflorin, Kantonschemiker von Bern, zitiert.

In Graubünden und Glarus keine Probleme bekannt

Betroffen von diesem Chlorothalonil-Problem ist aktuell vor allem der Kanton Bern. «In Graubünden und Glarus ist bisher nicht bekannt, dass Trinkwasserfassungen Probleme mit diesem Pestizid haben», erklärt Matthias Beckmann, Kantonschemiker von Graubünden, der auch für Glarus zuständig ist. «Wir nehmen regelmässig am Grundwasseruntersuchungsprogramm des Bundesamtes für Umwelt teil. Da ist Chlorothalonil auch Bestandteil der Untersuchung. Hier konnte dieses Pestizid bisher aber nie nachgewiesen werden.»

Insofern könne man Entwarnung geben. Grund dafür sei vermutlich auch, dass in der Südostschweiz der ökologische Landbau sehr grossgeschrieben wird. Dieser verbiete die Nutzung des Pestizids ohnehin seit langem, erklärt Beckmann.

Anforderungen an Trinkwasser werden nicht immer erfüllt

Bei den Wasserkontrollen sind es in der Südostschweiz jährlich ein bis drei Prozent der Proben, die den Anforderungen an Trinkwasser nicht genügen. Problematisch seien bisher aber nie Pestizidrückstände, sondern es gehe um die mikrobiologische Qualität. «Unser Problem hier in Graubünden und Glarus ist ein wenig der Geografie und Topografie geschuldet. Wir haben viele Quellfassungen und nur wenige Grundwasserfassungen», erklärt Beckmann.

Die meisten Quellfassungen befinden sich am Hang oder im Wald, weshalb es selten zu Konflikten mit der Landwirtschaft kommt. Deshalb hat die Pestizidproblematik hier kaum Einfluss auf die Trinkwasserqualität. Es könne aber sein, dass Fäkalkeime ins Wasser eindringen, wenn Flächen für Landwirtschaft und die Gewinnung von Quellwasser genutzt werden. So kommt es zu den wenigen beanstandeten Proben jedes Jahr. Das sei aber eine ganz andere Problematik als die der Pestizide, so der Kantonschemiker.

«Hervorragende Wasserqualität»

Problematisch seien diese beanstandeten Proben nicht. Trotzdem muss jedem Fall einzeln nachgegangen werden. Der Wert von ein bis drei Prozent Beanstandungen jährlich sei aber im Vergleich zu den Quoten von anderen Gebieten sehr geringfügig, sagt Beckmann. «Wir können uns hier ab einer sehr guten, wenn nicht gar hervorragenden Wasserqualität erfreuen.»

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Bitte das Problem der Verschmutzung des Trinkwassers in den Berggebieten nicht verharmlosen! In 7404 Feldis konnten wir in den vergangenen Jahren mehrmals das Quellwasser nicht trinken aufgrund von Kolibakterien Verschmutzung. (Gülle und Kuhmist). Und Resultate von Proben werden nur einmal im Jahr veröffentlicht. Wer garantiert mir, dass nicht gerade jetzt Kolibakterien im Trinkwasser sind?