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Sterbenden auf ihrem letzten Weg die Hand reichen

Die Gewissheit zu sterben verursacht auch bei vielen betroffenen Mitmenschen ein Gefühl der Hilflosigkeit. Die Reformierte Landeskirche bot deshalb einen «Letzte-Hilfe-Kurs» an. 20 Interessierte waren mit dabei, weitere 40 stehen auf der Warteliste.

Südostschweiz
Mittwoch, 05. Februar 2020, 04:30 Uhr «Letzte-Hilfe-Kurs»
Einfühlsam: Andrea Schneider und Daniel Zubler vermitteln den Kursteilnehmern das Einmaleins der Sterbebegleitung.
MADELEINE KUHN-BAER

Von Madeleine Kuhn-Baer

Die Bereitschaft, einem Menschen in Not helfen zu wollen, ist bei fast jedem da. Es gibt viele Kurse und Angebote, um Erste Hilfe in Notsituationen leisten zu können.

Doch wie hilft man einem Menschen, der nicht mehr lange zu leben hat? In beiden Situationen ist die humane Haltung die Gleiche: Man will jemandem in Not beistehen und aktive Hilfe leisten. Nur das Ziel ist ein anderes: Im einen Fall soll das Überleben gesichert, im anderen Fall das Leiden gelindert werden und die Lebensqualität erhalten bleiben.

Am Samstag wurde dieses Thema im Kantonsspital Glarus behandelt. «Menschen in schweren Tagen beziehungsweise im Sterben nicht allein zu lassen, steht im Zentrum einer christlich verantworteten Ethik», sagte Spitalpfarrer Daniel Zubler. Mit der Pflegefachfrau Andrea Schneider führte der Leiter des Care Teams die Besucher durch den «Letzte-Hilfe-Kurs». Dieser wurde in Österreich und Deutschland entwickelt und nun von der Evangelisch-reformierte Landeskirche in Glarus angeboten.

Stirbt ein geliebter Mensch, tauchen viele Fragen bei den Hinterbliebenen auf. Diese Fragen können sich um Ängste drehen, Hoffnungen äussern oder auch spiritueller Natur sein. Andrea Schneider und Daniel Zubler versuchten deshalb, ein Basiswissen zu vermitteln, wie ein schwer erkrankter und sterbender Mensch gut umsorgt werden kann. Der Abschied vom Leben ist ein schwerer Schritt. Deshalb brauchen die Betroffenen jemanden, der ihnen in dieser Zeit die Hand reicht.

Trauer ist individuell

Im ganztägigen Kurs ging es darum, Sterben als normalen, unvermeidbaren Teil des Lebens anzuschauen. Entscheidend sind die Möglichkeiten, wie Leiden gelindert werden kann. Die Teilnehmenden konnten sich aktiv einbringen und von persönlichen Erfahrungen berichten. Dabei kamen auch Tabuthemen wie «mit Kindern über sterben sprechen» zur Sprache.

Abschied nehmen ist mit vielen Gefühlen verbunden. Jeder äussert und empfindet seine Trauer anders. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es kein Richtig oder Falsch oder zu kurz oder zu lang gibt. Ein Ritual kann helfen, der Trauer einen Rahmen zu verleihen. Zudem sind Rituale hilfreich, weil sie Menschen auf vielen Ebenen ansprechen. Eine Kerze anzünden, ist eine Möglichkeit, da sie Licht und Wärme spendet. «Die Rituale müssen nicht religiöser Natur sein», sagten die Kursleiter.

Eine der Teilnehmerinnen resümierte: «Der Kurs war sehr interessant und spannend. Das Thema wurde von verschiedenen Seiten beleuchtet. Es kam klar zum Ausdruck: Jeder Mensch und jeder Tod ist anders.»

Für einen anderen Teilnehmer wiederum war es hilfreich zu erfahren, wie sich Leiden mit praktischer Hilfe lindern lässt. Für ihn ist klar: «Der Kurs hat die Angst vor dem Letzten genommen. Er war lebensnah trotz dem Thema Tod.» Für ihn sei nur zu kurz gekommen, wie man auf Fragen eines Patienten zum Leben nach dem Tod antworten könne.

«Das kann in einem weiteren Kurs vertieft werden», sagt Daniel Zubler dazu. Vorerst gebe es noch einmal zwei Basiskurse im März und Oktober für die 40 Interessenten, die auf der Warteliste stehen. Den jetzigen Kurs erlebten alle Beteiligten als eine positive Erfahrung. «Es war sehr wertvoll, dass Daniel Zubler als Seelsorger mit dabei war. Es war ein spannender und bereichernder Tag», sagt Andrea Schneider. Eine ebenso gute Erfahrung war es für Daniel Zubler. «Es war eine angenehme Runde. Die Teilnehmer haben sehr lebendig, schnell, persönlich und zum Teil auch kritisch mitgewirkt.»

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