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Die «Lismergirls» stricken für Babys und Kranke

In den Wintermonaten treffen sich einmal wöchentlich Frauen in Schwändi, um zu stricken. Sie «lismen» etwa Mützen für Neugeborene im Kantonsspital Glarus. Was noch fehlt, ist ein Mann.

Paul
Hösli
Montag, 03. Februar 2020, 04:30 Uhr Flinke Hände
Fleissig: Die Schwänderinnen um Claudia Zimmermann-Gambarara (hinten rechts) treffen sich in der kalten Jahreszeit zum gemeinsamen Stricken.
PAUL HÖSLI

Die Hände bewegen sich flink und die Nadeln tanzen nur so durch die Luft. Neun Frauen im Alter von 30 bis mehr als 80 Jahren sitzen an einem Tisch und stricken, was das Zeug hält. Und dabei wird viel gelacht. So passiert es jeden Montag in der kalten Jahreszeit in Schwändi, wenn sich die «Lismergirls» treffen. «Das ist nicht unser offizieller Name, ich nenne sie einfach so», sagt Claudia Zimmermann-Gambarara.

Die 42-Jährige hatte vor bald zehn Jahren die Idee zu dem Treff. «Ich wollte mit Gleichgesinnten etwas machen, egal welchen Alters. In Schwändi sind die Winter relativ lang, da muss man sich beschäftigen. Es soll auch den Einstieg ins Dorfleben für Neuzuzüger vereinfachen.» Die Frauen treffen sich etwa 20 Abende von Oktober bis zum Frühlingsbeginn, um ihrem Hobby zu frönen.

Einen Nerv getroffen

Die Idee kam bei den Schwänderinnen sofort sehr gut an, wie Zimmermann-Gambarara erzählt: «Ich habe nicht viel Werbung gemacht, sondern lediglich einige Aushänge platziert. Aber bereits beim ersten Treff waren über zehn Frauen anwesend.»

Auch die 84-jährige Marianne Zimmermann. «Als ich davon erfuhr, musste ich einfach mitmachen», sagt die älteste Teilnehmerin an diesem Abend in Schwändi. «Eine muss die Älteste sein», schiebt die rüstige Seniorin mit einem Lachen nach.

Ein Generationentreff

Mittlerweile ist es laut Claudia Zimmermann-Gambarara weit mehr als «nur» ein Treffen zum Stricken. «Wir tauschen uns über alles mögliche aus, von Kochrezepten bis über die Geschichte von Schwändi oder einfach alltägliche Themen, welche die Leute im Dorf beschäftigen. Dadurch, dass so viele Generationen vereint sind, kann jeder etwas vom anderen lernen. Es ist quasi ein Generationentreff.» Der Kaffee und der Kuchen dürfe aber auch nicht fehlen, ergänzt Zimmermann-Gambarara.

Der Treff sei auch für Frauen wertvoll, die sonst weniger aus dem Haus kommen würden. «Ich schätze, diesen Frauen tut der soziale Kontakt gut und sie geniessen das Zusammensein», so Claudia Zimmermann-Gambarara. Nein, eine Selbsthilfegruppe seien sie aber nicht. «Vielleicht manchmal ein bisschen», ergänzt die zweifache Mutter scherzhaft.

140 Wollmützen für Neugeborene

Auch wenn über Gott und die Welt geredet wird, bei den rund zweieinhalb stündigen Treffen steht das «Lismen» im Mittelpunkt. Von Treff zu Treff sind es unterschiedlich viele Frauen, manchmal bis zu 15. Und die Frauen waren in den vergangenen Monaten sehr fleissig. Sie haben unter anderem 140 Wollchäppli für die Neugeborenen im Kantonsspital Glarus gestrickt und übergaben diese Anfang Januar.

Claudia Zimmermann-Gambarara schätzt, dass eine Wollmütze etwa drei Stunden «Lismer»-Arbeit benötigt. «Jede hat ihre Favoriten, was die Farbe oder das Muster anbelangt. Es sind viele verschiedene Mützen entstanden. So verschieden, wie auch wir sind.» Die Frauen verdienen bei solchen Aktionen nichts. «Wir machen das aus Freude und Goodwill, und um andere zu unterstützen», sagt Zimmermann-Gambarara.

Stricken gegen das Vergessen

Am 22. Januar fand schweizweit eine Aktion der Pro Senectute und von Alzheimer Schweiz statt. Die Organisationen riefen im Vorfeld zum «Stricken fürs Vergessen» auf, um auf die Krankheit Demenz und deren Folgen aufmerksam zu machen. Gestrickt wurden Cupholder, also Hüllen für Kaffeebecher, die zum Beispiel in Bäckereien abgegeben wurden.

Natürlich ein ideales Projekt für die «Lismergirls». 130 Stück haben die Schwänderinnen produziert. «Das war manchmal auch streng, aber letztlich ist es für eine gute Sache. Wir haben schon oft für karitative Zwecke gestrickt, etwa Jäckchen für herzoperierte Kinder in Afrika», erklärt Claudia Zimmermann-Gambarara. Die Wolle für ihre Projekte bekommen die Frauen laut der gebürtigen Netstalerin übrigens gespendet. «Ich habe auf Facebook einen Aufruf gestartet und es hat zu unserer Freude geklappt.»

Socken und Pullover

Die Projekte sind nun abgeschlossen und jede strickt, wozu sie gerade Lust hat. «Socken», sagt eine der Frauen. «Und ich stricke einen Pullover für mich», eine andere. Es sei ja schliesslich Winter, auch wenn man davon bis vor Kurzem nicht so viel mitbekommen habe in diesem Jahr, sagt eine der Frauen.

Was im Kreis noch fehle, ist laut Claudia Zimmermann-Gambarara ein Mann. «Bei uns sind alle willkommen, egal welchen Alters oder Geschlechts. Ein Mann dabei zu haben, wäre sicher lässig. Vielleicht wäre es für ihn aber auch nicht so einfach, mit so vielen Frauen», ergänzt sie mit einem Augenzwinkern.

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