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Auch ohne Arme immer noch ein Grittibänz

Die Grittibänze in den Glarner Bäckereien haben heute keine Arme. Mit der Aktion machen die Glarner Bäcker, die Pro Infirmis und die Glarner Kantonalbank auf den Tag der Behinderten aufmerksam.

Daniel
Fischli
Dienstag, 03. Dezember 2019, 04:30 Uhr Aktion von Pro Infirmis

Die Botschaft ist einfach: Menschen mit und ohne Behinderung sind «usem gliichä Teig gmacht». Mit diesem Slogan begehen die Glarner Bäcker, die Pro Infirmis und die Kantonalbank heute den Tag der Behinderten.

Aber selbstverständlich ist diese einfache Botschaft noch nicht. Auch 16 Jahre nach dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes bestehen noch viele Barrieren, auch bei öffentlichen Gebäuden. So sind zum Beispiel das Rathaus in Glarus oder die Braunwaldbahn nicht rollstuhlgängig. Die im Gesetz festgesetzte Frist zur Umsetzung der Barrierefreiheit läuft nur noch vier Jahre.

«Aus dem gleichen Teig» wie immer sind auch die Grittibänze, die heute in den Glarner Bäckereien verkauft werden. Sie sind gleich schwer wie immer und kosten gleich viel wie immer, aber sie haben keine Arme. Wer einen Grittibänz kauft, bekommt dazu einen Flyer, der über die Aktion aufklärt. Es heisst darin: «Eine moderne Gesellschaft anerkennt die Vielfalt der Menschen als Stärke.» Das Ziel sei, dass Menschen mit einer Behinderung ohne Barrieren an allen Lebensbereichen teilhaben könnten.

Die Idee, armlose Grittibänze zu verkaufen, ist bei der Glarner Pro Infirmis entstanden. Sie sammelt damit nicht etwa Geld, sondern will die Kunden in den Bäckereien zum Nachdenken anregen. «Wir erhoffen uns, dass man wieder einmal über die Hindernisse für das selbstständige alltägliche Leben von Behinderten spricht», sagt Markus Böni. Der Projektleiter von Pro Infirmis ist selber seit zwölf Jahren auf den Rollstuhl angewiesen; eine Spätfolge eines Geburtsgebrechens.

Integration ermöglichen

«Die Gesellschaft erwartet von uns, dass wir uns integrieren. Sie soll also auch dafür sorgen, dass möglichst wenige Barrieren bestehen», sagt Böni. In Glarus gebe es viele ältere Gebäude. Die Zugänglichkeit für Behinderte sei oft schwierig zu bewerkstelligen. Unverständlich sei aber, wenn sogar Neubauten nicht barrierefrei geplant würden.

Markus Böni ist mit seiner Idee der armlosen Grittibänze zu Hans Jenny gegangen. Jenny ist Inhaber der Bäckerei «Cornetto» und Präsident von «Glarner Begg Confisör», dem Verband der Glarner Bäcker. «Ich selber hätte mich nicht getraut, zum Tag der Behinderten Grittibänze ohne Arme zu backen», sagt Jenny. «Es könnte ja wie ein schlechter Scherz aussehen.» Jenny hat seine Kollegen der Bäckereien Gabriel, Märchy, Villiger, Gallati und Müller ins Boot geholt.

Markus Böni von Pro Infirmis beobachtet auch positive Entwicklungen. «Die Bereitschaft, etwa einem Rollstuhlfahrer über ein Hindernis zu helfen, steigt», sagt Böni. Vor allem für die jüngeren Menschen sei Hilfsbereitschaft alltäglicher: «Sie gehen unbefangener auf Behinderte zu.» Und bei öffentlichen Bauten gebe es gute Beispiele aus jüngerer Zeit, etwa das Hotel «Mettmen».

Es muss für alle Platz haben

Bäcker Hans Jenny weiss aber auch von bösen Blicken von Gästen zu berichten, wenn Gruppen von Behinderten das Café betreten. «Das darf nicht sein», sagt Jenny. «Es muss für alle Platz haben.»

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