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Freud und Leid der Randregionen-Taxis

Furna bietet ab Mitte Dezember einen Ruftaxi-Dienst für Einheimische, Feriengäste und Tagestouristen an. Wo der ÖV in Randregionen nicht auszureichen vermag, sind solche Angebote gefragt – und sie sind gleichzeitig überlebenswichtig für lokale Taxiunternehmen.

David
Eichler
Mittwoch, 27. November 2019, 04:30 Uhr Zusatzaufträge sind überlebenswichtig
Taxi
Das Leben der Taxiunternehmen in Randregionen ist nicht nur einfach (Symbolbild).
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Die Gemeinde Furna liegt auf rund 1350 Metern über Meer über dem mittleren Prättigau. Auf ihrer Facebook-Seite hat die Gemeinde vor kurzem den Ruftaxi-Dienst angekündigt – als Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr. Das Konzept des Ruftaxis sieht vor, dass ein Taxi auf Abruf verfügbar ist, jedoch nicht in der Region an bestimmten Standorten fix auf Fahrgäste wartet. Daher ist für das Ruftaxi in Furna auch eine Wartezeit von rund einer Stunde angekündigt. So hat das Taxi genügend Zeit für die Anfahrt und kann dazwischen Spontanfahrten in seiner angestammten Region übernehmen.

Die Nachfrage besteht

Wie Petra Wyss, Vorstandsmitglied der Gemeinde Furna, auf Anfrage erklärt, ist die Idee aufgrund von Anfragen aus der Bevölkerung, von Feriengästen und Tagestouristen entstanden. «Tagsüber sind die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr unserer Ansicht nach genügend. Wochentags war es der Bevölkerung ein Anliegen, abends spätere Verbindungen zu haben. Die Zeiten am Wochenende wurden ebenfalls auf Wunsch von Einwohnern angedacht.» erklärt Wyss weiter. Ausserdem sei es am Wochenende attraktiv für Touristen, wenn sie am Morgen früh, beispielsweise für Wanderungen oder Skitouren, nach Furna kommen können oder wenn jemand abends nach Veranstaltungen von Furna ins Tal reisen möchte.

Ein Pilotprojekt…

Im Moment sei das Ganze noch als Pilotprojekt zu betrachten, das Mitte Dezember starten und vorerst bis August 2020 laufen werde, führt Wyss weiter aus. «Anschliessend werden wir entschieden, ob das Ruftaxi langfristig als Ergänzung des öffentlichen Verkehrs angeboten wird.»

…in Kooperation mit lokalem Taxiunternehmen

Durchgeführt werden die Fahrten durch die Firma «Gotschna Taxi» aus Klosters. Deren CEO, Johann Bardill, hat bereits Erfahrung mit Fahrten in Randregionen: «Die Linie nach St. Antönien beispielsweise fahren wir im Auftrag der Post, sozusagen als Postauto. Die letzte Fahrt am Abend findet aber nur statt, wenn es auch Fahrgäste hat. Entsprechend muss man sich anmelden, damit es keine Leerfahrten gibt.» Bei dem Angebot für Furna sei die Gemeinde selbst der Auftraggeber an sein Unternehmen. Für die Fahrgäste koste eine Fahrt 15 Franken. Den Rest übernimmt die Gemeinde Furna. Ausserdem unterstützt Furna-Tourismus das Ruftaxi mit einem finanziellen Beitrag.

Die Aufträge sind wichtig – für beide Seiten

Solche Zusatzaufträge seien für sein Unternehmen sehr wichtig, erklärt Bardill. «Wir fahren für Schulen und haben gewisse Kooperationen mit der Post, in deren Auftrag wir Fahrten machen können.» Ausserdem gebe es auch bei Kongressen in Davos immer wieder Fahraufträge. Dennoch sei das Taxigeschäft in Randregionen schwierig. «Im Winter geht das. Aber wenn man Angestellte hat, ist man auf solche zusätzlichen Kooperationen mit Gemeinden und Tourismus-Organisationen angewiesen.» so Bardill weiter. In Davos/Klosters gebe es ausserdem ein Taxigesetz das unter anderem den Marktzugang regelt und die lokalen Taxiunternehmen so vor auswärtigen Unternehmen schützt. Ohne diesen Schutz könnte er seinen Betrieb wohl nicht weiter erfolgreich führen, erklärt Bardill.

Die Rahmenbedingungen entscheiden

Die Unterstützung der Gemeinde und der Tourismusorganisation zu haben, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Davon weiss Martin Kipp von «Surselva Taxi» aus Flims ein Liedlein zu singen. Seit rund zwei Jahren ist er mit seinem Taxi-Unternehmen in der Region Flims, Laax, Falera tätig. Vor kurzem hat Surselva Taxi auf seiner Facebook-Seite jedoch mitgeteilt, während der kommenden Wintersaison zu pausieren. Auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» erklärt Kipp, dass die fehlende Unterstützung seitens Gemeinden und Tourismusorganisationen das grösste Problem sei. «Es gibt in der Region kein Taxi-Gesetz» So seien in der Hauptsaison und an Wochenenden in der Region viele Fahrzeuge auswärtiger Taxiunternehmen zu sehen. Mit dieser Konkurrenz in der Hauptsaison und der geringen Nachfrage in der Zwischensaison sei ein einträgliches Taxigeschäft nicht möglich, erklärt Kipp. Er werde Unternehmen und Konzept nun anpassen müssen. So ist auf der Facebook-Seite von «Surselva Taxi» seit einigen Tagen zu lesen: «Wir bedanken uns bei allen, die zu uns standen ganz herzlich und freuen uns auf einen Neuanfang im neuen Kleid nächstes Jahr. Türen sind schließlich nicht nur dazu da, geschlossen zu werden, sondern auch dazu, sie wieder zu öffnen.»

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