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Zwischen Kim Jong Un und dem Glarner Steueramt

Ein Glarner Offizier überwacht den Waffenstillstand in Korea – in der Heimat kämpft er mit der Steuerbehörde.

Südostschweiz
Samstag, 23. November 2019, 04:30 Uhr Offizier in Korea
Angespannte Lage: Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea wird auch von Schweizer Offizieren überwacht; ihr hauptsächlicher Arbeitsort ist die gemeinsame Sicherheitszone Panmunjeom mit ihren blauen Baracken.
US AIR FORCE

Seit 1953 überwachen Schweizer Offiziere als neutrale Beobachter den Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea. Sie inspizieren Wachtposten entlang der Grenze, nehmen als Beobachter an Militärübungen teil.

Auch Mirko A.* aus Glarus Nord dient von 2016 bis 2018 in Korea. Der Offizier wohnt auf einer grossen US-Militärbasis mitten in Seoul. Er löst eine Dauerkarte für den öffentlichen Verkehr, ist Mitglied in einem Fitnessklub und besitzt ein Handy-Abo bei einem koreanischen Mobilfunkanbieter. Seine Freizeit verbringt er mit Freunden ausserhalb der Basis, wie er sagt. Seiner Meinung nach hat sich damit seine Steuerpflicht im Glarnerland erledigt. In seiner Heimatgemeinde hat er sich abgemeldet.

Gericht stützt Steuerbehörde

Doch während Mirko A. auf Friedensmission in Korea weilt, wird er in einen Konflikt an der Heimatfront verwickelt: Die Glarner Steuerbehörden wollen ihn weiterhin voll besteuern. Auch den Lohn, welchen er für seinen Einsatz in Korea bekommt. Es reiche nicht, den alten Wohnsitz aufzugeben, argumentiert das Steueramt – entscheidend sei, dass ein neuer Wohnsitz begründet wird. Das habe Mirko A. bei seinem zeitlich begrenzten Einsatz in Korea nicht getan – Fitnessabo hin oder her.

Der Streit zwischen Mirko A. und der Steuerbehörde wird ein Fall für das Verwaltungsgericht. Dieses stellt sich jetzt in einem Urteil gegen den Offizier. In den Augen der Richter ist der Einsatz in Korea steuertechnisch mit dem von Swisscoy-Soldaten im Kosovo vergleichbar. Diese müssen weiter Steuern in der Schweiz bezahlen, da sie auf einer Militärbasis leben und nach ihrem Einsatz zurückkehren. Ein neuer Lebensmittelpunkt sei das nicht.

Mirko A. verteidigt sich vergeblich, er habe aus «rein wirtschaftlichen Gründen» auf der Militärbasis gewohnt.

Kreditkarte spricht gegen Offizier

Das Gericht legt besonders seine Kreditkartenabrechnungen gegen ihn aus: Diese zeigten zum einen, dass er einen grossen Teil seiner Ferien im Glarnerland verbrachte, wo er Mitbesitzer eines Hauses ist.

Zum anderen, dass sich sein Leben in Südkorea vor allem auf der Militärbasis abspielte. Seine Ausgaben in Korea entsprächen etwa dem, was bei einem längeren Aufenthalt als Tourist zu erwarten wären.

Für das Jahr 2016 muss Mirko A. nun sein volles Einkommen von knapp 140 000 Franken versteuern.

* Hinweis:

Der Name wurde von der Redaktion geändert.

 

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