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«Was wäre, wenn» Nachhaltigkeit ganz einfach wäre?

Das «easynachhaltig» Team der Studierenden der Fachhochschule Graubünden (FHGR) hat am Dienstagabend den Nachhaltigkeits-Event «Was wäre, wenn» organisiert. Damit wollten sie einerseits auf die Thematik aufmerksam machen, aber auch Lösungsansätze für Mobilität, Kleider, Essen und Plastik in Unternehmen und in unserem täglichen Leben entwickeln.

Nadine
Hinder
Donnerstag, 21. November 2019, 04:30 Uhr «easynachhaltig»

Eröffnet wurde der Event von «easynachhaltig» mit einem kleinen Apéro. Durchwegs nachhaltig versteht sich. Die Getränke beispielsweise kamen aus Glaskanistern und wurden in Gläser abgefüllt, die mit einem Klebeband angeschrieben wurden, damit man sie auch bis am Schluss behalten kann.

Nach einer kurzen Begrüssungsansprache ging es in die verschiedenen Sessions. In diesen haben die Besucherinnen und Besucher zusammen mit Partnern aus der jeweiligen Branche über Nachhaltigkeit und den aktuellen Umgang damit diskutiert. Dabei wurden nicht nur Fehler und Probleme entlarvt, sondern auch Lösungsansätze entwickelt.

Die SBB ist nur zu knapp 30 Prozent ausgelastet

Dies lässt sich kaum glauben, wenn man im sechs Uhr Zug nach Zürich sitzt. Über den ganzen Tag gerechnet, ergibt sich aber diese Bilanz. «Zu Stosszeiten sind die Züge überfüllt und den Rest des Tages fahren sie mehr oder weniger leer durch die Schweiz», erklärte Reto Luescher von der SBB.

Es galt also dieses Problem zu beheben oder zumindest Ansätze dafür zu finden. Wir bringt man die Menschen auf die Züge ausserhalb der Stosszeiten? Beispielsweise sollten die Stosszeiten grundsätzlich abgeschafft werden. Weniger acht-bis-fünf Arbeitszeiten, mehr Home-Office und Co-Working Spaces, wo unterschiedliche Personen aus unterschiedlichen Unternehmen sich ein Büro in der Nähe teilen.

Gelobt wurden die Sparbillette für solche «Leer-Zeiten», die Online und auf der App erhältlich sind. Wieso allerdings nicht auch an den Automaten oder den Schaltern? Das Sparbillett-Angebot komme auf jeden Fall bei den SBB-Kunden sehr gut an und werde in Zukunft auch noch weiter ausgebaut, wie Luescher verrät.

Mikroplastik ist überall

Aber woher kommt es eigentlich? «Aus Pet-Flaschen, Kosmetikprodukten, Plastikgeschirr, Waschmaschine, etc.», zählt Natacha Espirito Santo vom ersten Unverpackt-Laden in Chur «Oba Aba» auf. Die Nutzung von Plastik sollte also weit möglichst minimiert werden. Dieser Ansatz wurde auf die Fachhochschule Graubünden übertragen und dort nach Verbesserungspotential gesucht.

«Beispielsweise könnte die Schule einen Kühlschrank zu tun, damit die Studierenden ihr eigenes Essen mitnehmen und so aufbewahren können am besten im Glasgeschirr. So müssen wir nicht mehr in den Tankstellenshop gehen und in Plastik verpackte Fertigprodukte kaufen», erklärt eine Studentin.

Ein weiterer Ansatz ist die Hinterfragung des Selecta-Automaten. Vielleicht braucht es den gar nicht mehr und man würde ihn besser durch einen Automaten von einem Bauern aus der Region ersetzen, aus dem frische und unverpackte Snacks und Getränke bezogen werden können.

Wir sind eine Konsumgesellschaft

Ein Kleidungsstück wird in der Schweiz im Schnitt nur vier Mal getragen, bevor es weggeworfen wird. Grund genug auch die Textilindustrie zu hinterfragen und auf den Kopf zu stellen. Wer macht unsere Kleider? Unter welchen Bedingungen und aus welchen Materialien? Ein Pullover für 20 Franken kann nicht nachhaltig sein. Aber bin ich bereit das drei-, vier- oder gar fünffache dafür zu zahlen? Und wo erhalte ich überhaupt wirklich nachhaltige Kleider?

«In dieser Session stellte sich einmal mehr heraus, dass Fair Fashion ein sehr schwieriges Thema ist, das nicht so einfach zu lösen ist», fassten zwei Mitgliederinnen von Student Hub Chur die Diskussion zusammen.

Klar ist auf jeden Fall, dass die Kleider länger getragen werden sollen. Wenn man Kleider Zuhause hat, die nicht mehr getragen werden, soll man sie weitergeben, verschenken oder auf einem Flohmarkt verkaufen. Ein weiterer Punkt ist sich bereits vor dem Kauf zu überlegen, ob man das wirklich braucht oder ob man nicht auch gut darauf verzichten kann.

Die Sekunde der Wahrheit vor dem Kühlregal

Jeder weiss, dass Bio-Fleisch direkt vom Bauern um die Ecke die beste und nachhaltigste Wahl beim Fleischeinkauf ist. Da aber nicht jeder so einen Bauern um die Ecke hat, geht man eben in einen Coop, Migros, Aldi, Lidl etc. und wenn man dort vor dem Kühlregal steht, hat man die Wahl. Das ganze Bio Poulet aus der Region für 24 Franken oder die vorgeschnittene Pouletbrust für vielleicht 10 Franken? Oft entscheidet sich die Wahrheit in diesem Moment. «Wir sind ja nur zu zweit, haben keine Zeit zu kochen und haben kein Geld», könnte es dann im Kopf heissen und schon ist die 10 Franken Pouletbrust im Einkaufswagen.

Nicht selten sträubt man sich danach aber wieder gegen die schlechten Bedingungen denen Tiere und Bauern ausgeliefert sind und fühlt sich aber oft trotzdem nicht dafür verantwortlich. «Der Einkauf ist wie eine Bestellung. Mit dem, was wir einkaufen, bestellen wir das ganze Paket. Neben der Qualität des Fleisches gehört dazu eben auch die Lebensqualität der Tiere, der Lohn der Bauern und die Umweltverschmutzung, die durch allfällige Transporte ausgelöst wird», erklärt Martin Roth vom Plantahof in Landquart. «Solange wir diese Angebote nachfragen, werden sie auch produziert.»

Der Start einer neuen Eventreihe

«Was wäre, wenn» soll in eine nächste und noch viele weitere Runden gehen. 80 Teilnehmer durfte das easynachhaltig Team am diesjährigen Event begrüssen. Alles Studierende der Fachhochschule Graubünden. Nächstes Jahr soll der Event erneut stattfinden. Dann aber als Teil der «Sustainability Week», der Nachhaltigkeitswoche der FHGR, und für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

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