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Erste Bilder zeigen unerwartete Strukturen

Im Kloster St. Johann in Müstair ist die unterirdische Umgebung untersucht worden. Erste Daten zeigen eine Fülle an neuen und zum Teil überraschenden Informationen, die nun detailliert ausgewertet werden.

Philipp
Wyss
Montag, 04. November 2019, 04:30 Uhr Archäologie ohne Kelle und Schaufel
Im Friedhof von Müstair kam ein kleineres Bodenradarsystem mit einem Echtzeit-Satellitenpositionierungssystem zum Einsatz.
PRESSEBILD

«Ziel der Untersuchungen ist es, ohne Grabungen archäologische Strukturen aufzufinden», sagte Thomas Reitmaier. Wie der Bündner Kantonsarchäologe auf Anfrage weiter erklärte, kamen seit Mitte Oktober ausserhalb der Klostermauern innovative motorisierte und handbetriebene Geräte für Bodenradar- und Geomagnetikmessungen zum Einsatz. Dies zwar nicht zum ersten Mal im Kanton, aber doch erstmals beim Kloster Müstair.

Beim Bodenradar werden Radarwellen in den Boden geschickt. Treffen sie auf Hindernisse, werden sie reflektiert, so Reitmaier. Dadurch lassen sich Mauern, Gräben, Wege, Gräber und andere bauliche Strukturen nachweisen.

Ohne teure und lange Grabarbeiten

In der Geomagnetik werden Unregelmässigkeiten im Magnetfeld der Erde gemessen, die durch im Boden verborgene Strukturen und Objekte verursacht werden. Die Kombination beider Methoden ermöglicht es, eine grösstmögliche Menge an Informationen darüber zu sammeln, was sich im Boden befindet, schreibt das Kloster in einer Mitteilung dazu.

In den Wiesen östlich des Klosters St. Johann fanden mit Sonden auch die Messung des Erdmagnetfeldes statt. PRESSEBILD

Durch die Geräte konnte in nur zwei Tagen eine Fläche von vier Hektaren bis zu einer Tiefe von zwei Metern erkundet werden, heisst es weiter. Laut Reitmaier ist der grosse Vorteil dabei, dass keine teuren und langwierigen Grabarbeiten nötig sind. Hinzu kommt, dass Mauern oder Gräber durch Grabungen auch beschädigt werden können. Diese Gefahr bestehe bei Bodenradar- und Geomagnetikmessungen nicht, erklärt der Kantonsarchäologe weiter.

Eine Fülle an neuen Informationen

Geleitet wurden die Untersuchungen in Müstair von Wolfgang Neubauer, Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Wien, der unter anderem durch die Entdeckung bisher unbekannter Monumente rund um Stonehenge in Grossbritannien Bekanntheit erlangte. In der Schweiz hat er unter anderem die Klosterwiese vor der St. Galler Stiftskirche untersucht.

Eine erste Auswertung der gesammelten Daten zeigt bereits eine Fülle an neuen und zum Teil überraschenden Informationen, die im Laufe der nächsten Monate detailliert ausgewertet werden. Laut Reitmaier wurden im Boden ausserhalb der Klostermauern Gebäudeteile erwartet. «Gefunden wurden erwartete, aber auch unerwartete Entdeckungen. Mehr möchte Reitmaier dazu aber noch nicht verraten. Nur so viel: Im kommenden Jahr dürfte sich der Archäologische Dienst rund um das Kloster in Stellung bringen und – insbesondere bei den entdeckten unerwarteten Strukturen - Grabungen durchführen.

Mit einem motorisierten Bodenradarsystem wurde der Untergrund um das Kloster St. Johann in Müstair durchleuchtet. PRESSEBILD

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