Reparieren: Für die Umwelt und für das Miteinander
Einmal im Monat wird in Davos im Namen des Umweltschutzes repariert. Neben dem Flicken steht auch das soziale Miteinander im Vordergrund. Und: In der ReparierBar kommt ungeahntes Können zum Vorschein.
Einmal im Monat wird in Davos im Namen des Umweltschutzes repariert. Neben dem Flicken steht auch das soziale Miteinander im Vordergrund. Und: In der ReparierBar kommt ungeahntes Können zum Vorschein.
Vor etwa eineinhalb Jahren sei es gewesen, erzählt der Davoser Jürg Grassl, als er sich mit Freunden und Bekannten im Rahmen der Umweltplattform Gedanken über nachhaltige Projekte gemacht habe. «Die Idee eines Reparatur Cafés haben wir dann weiterverfolgt.» Und schliesslich auch umgesetzt. ReparierBar nennt sich der Anlass, der jeweils am ersten Samstag im Monat durchgeführt wird.
Kaffee trinken und Staub saugen – des Davosers häufigstes Tun
Dort im Livingroom, in den Räumlichkeiten des Jugendtreffs der Gemeinde Davos, wird jeweils von 14 bis 17 Uhr geflickt, was das Zeug hält. Kaffeemaschinen und Staubsauger, diese beiden Haushaltsgeräte werden gemäss Grassl am häufigsten vorbeigebracht. «Aber unsere ‘Flickcoaches’ decken viele Bereiche ab», erzählt er. «Von Elektronikgeräten über Kleider, Uhren bis zu Holzsachen.» Jeder «Flickcoach» sei ein Profi in seinem Gebiet, bringe seine eigenen Werkzeuge und andere Reparaturutensilien mit.
20 Personen würden mittlerweile zum ReparierBar-Team gehören, sagt Grassl. Wobei pro Reparaturtag etwa zehn «Flickcoaches» im Einsatz stehen. Diese bringen Grass immer wieder zum Staunen. «Sie haben für alles Mögliche und Unmögliche ein Werkzeug, sie haben ein riesiges Wissen und ein grosses Repertoire an Flick-Fertigkeiten. Teilweise nehmen sie kaputte Dinge mit nach Hause, weil sie dort die noch passenderen Werkzeuge und mehr Zeit haben, um richtig reparieren zu können.» Unter den «Flickcoaches» seien einige Pensionäre, die dank der Reparaturtage ihr Berufswissen weiterhin anwenden können – nicht nur für sich selbst, sondern auch im Dienste anderer.
Reparieren verbindet und füllt das Spendenkässeli
Und dieser soziale Gedanke sei es, der ReparierBar zu dem mache, was der Anlass mittlerweile bedeute, sagt Grassl. «Unser Anlass ist ein sozialer Treffpunkt geworden. Man hält bei Kaffee und Kuchen ein Schwätzchen, und manch einer kommt auch vorbei, ohne etwas Kaputtes mitzubringen.» Einfach, um beim Reparieren zuzuschauen und etwas zu lernen. Und um sich mit anderen auszutauschen.
So kann Grassl mit Blick auf die ersten eineinhalb Jahre denn auch stolz festhalten, dass sich der Anlass mittlerweile etabliert hat. «Auch wenn es Aufs und Abs mit den Besucherzahlen gibt.» Aber wer einmal dort war, komme irgendwann wieder, so Grassl. Durchschnittlich werden etwa 30 Dinge pro Reparaturtag geflickt, rund drei Viertel der kaputten Dinge lassen sich reparieren. «Unsere ‘Flickcoaches’ leisten gute Arbeit, die von den Besuchern sehr geschätzt wird.» Dies zeigt sich beim Spendenkässeli: Obwohl das Reparieren grundsätzlich kostenlos sei, werde es jeweils fleissig gefüllt. «Löhne können wir natürlich keine auszahlen», sagt Grassl. «Wir investieren dieses Geld in Werkzeug, Verschleissartikel und in die Infrastruktur. Und nach dem ersten Jahr haben wir uns ein Helferessen gegönnt.»
Man wolle dranbleiben am Unterfangen ReparierBar, sagt Grassl. Um dem Wegwerf-Trend entgegenzuwirken und um das Miteinander zu fördern. Und vielleicht auch, um ungeplanten Entwicklungen Platz zum Entstehen zu geben. Denn: «Jemand von uns hat eine Art Nebengeschäft aufgebaut: Er schaut sich nach kaputten Kaffeemaschinen um, repariert diese und verkauft sie weiter.» Jemand anderer habe sich darauf spezialisiert, schwer erhältliche Ersatzteile zu besorgen. Wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis weitere ungeahnte Fertigkeiten und Projekte auftauchen.
Vier Tonnen geflickt
Repair Cafés gibt es auf der ganzen Welt. Am 19. Oktober fand der internationale Repairday statt. Die Schweiz führte zeitgleich den vierten Schweizer Reparaturtag durch. In den 39 beteiligten Schweizer Repair Cafés sind gemäss einer Mitteilung rund 1700 Gegenstände geflickt worden. Das entspreche einem Gesamtgewicht von rund vier Tonnen Material, das vor dem Abfall bewahrt wurde, heisst es weiter.
Simone Zwinggi ist Redaktorin bei Zeitung und Online. Nach einem Sportstudium wendete sie sich dem Journalismus zu. Sie ist hauptberuflich Mutter, arbeitet in einem Teilzeitpensum bei der «Südostschweiz» und hält Anekdoten aus ihrem Familienleben in regelmässigen Abständen im Blog Breistift fest. Mehr Infos
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