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Jetzt wird die Puurä-Metzg in Engi gebaut

Grosses Etappenziel erreicht: Am Donnerstag hat der Vorstand der Fleischgenossenschaft Sernftal den Spatenstich in Engi gefeiert.

Südostschweiz
Sonntag, 20. Oktober 2019, 04:30 Uhr Etappenziel erreicht
Von den Bauarbeitern bis zu den Vorstandsmitgliedern und Metzger Kevin Moser (ganz rechts) freut man sich über die Realisation des Projektes.
BARBARA BÄUERLE-RHYNER

von Barbara Bäuerle-Rhyner

Das vor rund neun Jahren erstmals zur Sprache gestandene Projekt erforderte einiges an Überzeugungsarbeit und Durchhaltewillen. «Ich habe immer an das Projekt geglaubt. Durch den starken Strukturwandel bin ich überzeugt, dass die Puurä-Metzg ein zukunftsorientiertes und wichtiges Projekt ist», sagt Präsident Ruedi Elmer. Bei der Gründung der Genossenschaft im Jahr 1998 habe es noch vier Metzgereien in der Umgebung gegeben. Heute ist der Schlachtbetrieb der Fleischgenossenschaft in Matt die letzte Anlaufstelle in Glarus Süd für Landwirte und Jäger, welche ihre Tiere ohne weite Transportwege schlachten lassen wollen.

Privat finanziertes Projekt

Das der in die Jahre gekommene und mitten im Dorf gelegene Betrieb unzulänglich ist und auf Dauer die immer strengeren Lebensmittel- und Tierschutzvorschriften nicht mehr erfüllt, stellte die Genossenschaft mit den damals rund achtzig Mitgliedern – hauptsächlich aus dem Tal – vor eine grosse Herausforderung.

Nebst den Standort- und Finanzierungsfragen stellte sich auch die Überzeugungsarbeit unter den Landwirten als Aufgabe heraus. «Der Respekt vor einem Neubau dieser Grössenordnung und den damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen war spürbar», sagt Vorstandsmitglied Christian Beglinger aus Mollis.

Nach dem Finden des idealen Standortes in der Gewerbezone von Engi galt es die Finanzierung des 2,7 Millionen Franken Projektes sicher zu stellen. Interessant dabei ist, dass die Puurä-Metzg mit der Fleischgenossenschaft Sernftal als Trägerschaft vollumfänglich von Privaten – darunter die Schweizer Berghilfe und die Glarner Regionalbank – ohne jegliche Beiträge von Kanton und Bund finanziert wird.

Bereits über 180 Teilhaber

Durch das zukunftsorientierte Projekt zählen neu über 180 Genossenschafter zu den Teilhabern. Ab Sommer 2020 werden in der Puurä-Metzg Produkte aus Glarner Fleisch mit und ohne Bio-Label entstehen. Kombiniert mit der Direktvermarktung sollen damit Akzente für die lokale Wertschöpfung bei der Fleischproduktion mit authentischer Note und von hoher Qualität gesetzt werden. Das den neusten Anforderungen entsprechende künftige Schlachthaus sorgt bereits dafür, dass sich auch Landwirte bis ins Glarner Unterland oder dem Kerenzerberg an einer Zusammenarbeit interessiert zeigen.

Keine Massenschlachtung

Die Betriebsgrösse, welche maximal Platz für die Schlachtung von 25 Grossvieheinheiten an einem Tag bietet, schliesst Massenschlachtungen aus. Grundlegend zeigen sich die Verantwortlichen für einem würdevollen Schlachtbetrieb und Umgang mit den Tieren besorgt: «Wir werden vor der Metzgerei einen Stall erstellen, in dem man die Tiere beispielsweise auch am Abend vorher anliefern und gut versorgt unterbringen kann, sollten aus zeitlichen Gründen Stresssituationen entstehen», sagt der seit 2002 amtierende Präsident Elmer.

Gemeinderat Kaspar Luchsinger gratulierte den Initianten zu ihrem Durchhaltevermögen und dankte im Namen der Gemeinde Glarus Süd, für die jeder Betrieb wichtig sei und eine Stärkung und Gewinn für das Tal bedeute. Besonders für die 40 Alpen mit hoher Fleischproduktion sei die Metzgerei von grosser Bedeutung.

Mehr Infos am 2. November

Seit April und bis zur Eröffnung der Puurä-Metzg ist der 22-jährige Metzger Kevin Moser aus Cazis noch in der alten Metzgerei in Matt tätig. Die dort in die Jahre gekommen Maschinen, aber auch die Räumlichkeiten dürfen aufgrund der Vorschriften lediglich noch auf absehbare Zeit, also bis zum Bezug des Neubaus benutzt werden, ansonsten wäre auch die letzte Metzgerei im Glarner Hinterland geschlossen worden.

Am 2. November findet von 10 bis 12 Uhr am neuen Standort der Puurä-Metzg ein öffentlicher Anlass statt, bei dem die Pläne und Absichten der Genossenschaft eingesehen und erfragt werden können.

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