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Graubünden bekommt ein Geburtshaus

In Ruhe gebären. Ganz ohne Hektik, die man aus dem Spital kennt. Eine Hebamme, keine Schichtwechsel. Vertrautheit also. Das alles verspricht das neue Geburtshaus in Untervaz. Einziger Nachteil: Im Notfall gibt es keinen Arzt.

Kristina
Schmid
Samstag, 07. September 2019, 13:00 Uhr Ab Januar 2020

Ein eigenes Geburtshaus. Das war schon lange ihr Traum. Nun hat Graziella Montalta ihren Traum verwirklicht. Gemeinsam mit ihren Geschäftspartnerinnen Regula Russi und Tamara Müller Langenegger eröffnet sie im Januar 2020 ein Geburtshaus in Untervaz – das einzige im Kanton Graubünden. Darin: ein Gebärzimmer, zwei Wochenbettzimmer und viel Platz für Erholung – inklusive Wellness-Bereich.

In diesem Haus können Frauen künftig ihr Kind zur Welt bringen – und wenn sie möchten, dort auch übernachten. Hört sich nach Spital an? Das findet Montalta ganz und gar nicht. Wie die gelernte Hebamme erklärt, können Frauen im Geburtshaus in Ruhe gebären. Also fernab von der Hektik eines Spitals, das automatisch mehr Leute, mehr Geläuf, mehr Geräusche und Stress bedeute. «Frauen unter Stress können schlecht gebären. Je entspannter eine Frau also ist, desto leichter fällt es ihr, das Kind auf die Welt zu bringen. Eine Geburt hat also sehr viel mit Ruhe zu tun», erklärt Montalta. Zudem herrsche im Geburtshaus Untervaz eine familiäre Atmosphäre. 

Übernachtung möglich aber nicht Pflicht

Montalta betreibt zurzeit noch eine Hebammenpraxis in Chur. Und das schon seit 2015. Dort, in ihrem Zuhause, hat sie inzwischen über 60 Geburten begleitet. Dabei ist Montalta aufgefallen, dass sich so manch eine Frau gewünscht hätte, nach der Geburt nicht gleich wieder nach Hause gehen zu müssen. «Sie wären gerne noch eine oder zwei Nächte geblieben», sagt sie. Mit anderen Worten: Die Frauen wünschten sich ein Geburtshaus.

Mehr Informationen zum Geburtshaus erhält Ihr im Video.

Und genau ein solches eröffnet im Januar 2020. Dort können die Frauen nach der Geburt gleich wieder nach Hause gehen – oder übernachten. «Und genau das finde ich so schön. Dass die Frauen nun wählen können.» Die Geburt – also die Arbeit der Hebamme und die Räumlichkeiten während der Geburt – werden von den Versicherungen bezahlt. Wenn eine Frau übernachten möchte, muss sie das Zimmer jedoch selber bezahlen.

Im Fall eines Notfalls

Einziges Manko am Geburtshaus ist eben auch der grosse Unterschied zum Spital: Es gibt im Geburtshaus Untervaz keine Ärzte. Die Geburt wird ausschliesslich von einer Hebamme begleitet. Sollte es zu einem Notfall kommen, ist also kein Arzt vor Ort. «Deshalb arbeiten wir mit dem Spital Fontana in Chur zusammen», erklärt Montalta. Im Fall eines Notfalls würde sofort die Ambulanz gerufen. Hilfe wäre keine zehn Minuten entfernt.

Wie Carolin Blume, Chefärztin am Spital Fontana, erklärt, ist ein Geburtshaus kein Problem. «Es obliegt der Hebamme einzuschätzen, ob die Situation geeignet ist für eine ausserklinische Geburt.» Konkret bedeutet dies: Nicht jede Frau kann im Geburtshaus Untervaz gebären. Wenn es sich etwa um eine Frühgeburt handelt. Oder wenn das Kind in Beckenend- oder Steisslage liegt. «Das können wir nicht verantworten», sagt Montalta. «Liegt das Kind aber richtig und sind Mutter und Kind gesund, spricht nichts gegen eine Geburt in einem Geburtshaus.» Zwar gebe es immer ein Restrisiko. Doch das gebe es eben auch im Spital. Und bisher waren Notfälle auch kein grosses Thema bei der Hebamme: Von den bisher mehr als 60 Geburten, die Montalta begleitet hat, musste sie nur in drei Fällen die Frauen ins Spital verlegen lassen. Es kam zum im Verlauf der Geburt zum Kaiserschnitt.

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