×

Klimawandel lässt die Zeckengefahr grösser werden

Glarnerland und Linthgebiet gehören zum Risikogebiet für den Zecken-Enzephalitis-Virus. Das Risiko für Zeckenbisse nimmt weiter zu.

Südostschweiz
Sonntag, 01. September 2019, 04:30 Uhr So gefährlich ist ein Zeckenbiss
Vögel können Zecken über Gebietsgrenzen hinaustragen.
ARCHIV

von Vanessa Mistric

Ein winziges Tier erreicht dieses Jahr viel Echo in den Medien. «Die ganze Schweiz wird zum Zecken-Risikogebiet», titelte der «Tages-Anzeiger» – andere Zeitungen stimmten ein. Der Grund für die Aufregung: Alle Kantone, bis auf Genf und Tessin, gelten neu als Risikogebiete für den Zecken-Enzephalitis (FSME), einen Virus, der zu Hirnhautentzündungen und selten bis zum Tod führen kann.

Damit gehören jetzt alle Gemeinden im Glarnerland und im Linthgebiet zu den Gebieten, für die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Impfempfehlung ausspricht.

Apotheken profitieren

Seit der Bund seine Warnung ausgeweitet hat, geht die Angst vor Zeckenbissen um: Das Geschäft mit Impfungen blüht, wie eine Umfrage zeigt. So spricht etwa Patrick Fehlmann von der Galenica Gruppe, die mehrere Amavita- und Coop-Vitality-Apotheken in der Region betreibt, von einem klaren Trend zu mehr FSME-Impfungen. «In unseren Apotheken haben sich in diesem Jahr viel mehr Menschen impfen lassen als in den Vorjahren.»

Fehlmann erklärt diese Entwicklung mit der Ausweitung der Impfempfehlung. «Zeckenbisse sind inzwischen ein sehr präsentes Thema. Das spüren wir immer stärker», sagt auch Pawel Suwala von der Amavita-Apotheke in Uznach.

Auch die Apotheker Anna Foletti von der Dropa Apotheke in Rapperswil-Jona und Philippe Stoffel von der Apotheke Dr. Stoffel beim Bahnhof Rapperswil berichten von einer deutlichen Zunahme der FSME-Impfungen. Ein wichtiger Beweggrund sind laut Stoffel zudem Erfahrungen mit FSME im eigenen Umfeld. «Wenn sich einer ansteckt, kommt die ganze Familie zu uns und lässt sich impfen.» 2019 haben sich schweizweit bis Anfang August bereits 163 Personen angesteckt, wie die Statistik des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt, davon einer in Schänis. 2018 sind drei Personen im Linthgebiet erkrankt, im Jahr zuvor zwei. In den letzten Jahren nahm die Zahl der Erkrankten immer weiter zu. Möglicherweise hat das Jahr 2019 eine Trendwende eingeleitet. Nach der Auskunft der St. Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz ist die Zahl der gemeldeten Fälle schweizweit bisher kleiner als in derselben Periode im Vorjahr.

Zecken sind aktiver

Die gesunkene Zahl der Ansteckungen hänge wohl damit zusammen, dass der Frühling kühl gewesen sei und sich die Menschen weniger draussen aufgehalten hätten, sagt Daniel Koch vom BAG. Eine weitere mögliche Erklärung sei die Zunahme von Impfungen. Doch Kantonsärztin Reinholz bleibt skeptisch. «Ob es sich um eine dauerhafte Trendwende handelt, werden wir in den kommenden Jahren sehen.»

Es bleibe abzuwarten, welchen Effekt die neue gesamtschweizerische Impfempfehlung habe, sagt Reinholz. Wegen des Klimawandels nehme das Risiko für Zeckenbisse zu. «Wenn die Temperaturen steigen, steigt auch das Risiko für Zeckenbisse.» In einem warmen Klima fühlen sich Zecken am wohlsten.

«Wegen der milden Temperaturen in den Übergangsjahreszeiten sind Zecken länger aktiv. Inzwischen erhalten wir Meldungen von Zeckenbissen sogar bis in die Wintermonate.» Das Freizeitverhalten der Bevölkerung sei zudem heute stärker auf Aktivitäten in freier Natur ausgerichtet.

So gefährlich ist ein Zeckenbiss

Nur ein bis drei Prozent der Zecken tragen das FSME-Virus in sich. Wer gebissen wird, erkrankt nicht zwangsläufig. Doch der Biss kann zu einer Hirnhautentzündung führen. Etwa ein Prozent der Patienten mit neurologischen Symptomen stirbt an FSME. Zecken können auch Borreliose übertragen. Das Glarnerland befindet sich, wie grosse Teile der Schweiz, unter den Risikogebieten für diese Krankheit. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Dabei kommt sie viel häufiger vor als FSME.

tragen je nach Gebiet zwischen 5 und 50 Prozent der Zecken in sich. Die Krankheit ist oft mit grippeähnlichen Beschwerden verbunden, kann aber auch zu zahlreichen weiteren Problemen wie beispielsweise Herzbeschwerden, Lähmungserscheinungen oder psychischen Problemen führen. Während es für FSME-Patienten keine Behandlung gibt, können Borreliose-Patienten Antibiotika nehmen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden