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Schlechtes Deutsch als Alibi

Ein Slowake steht vor Gericht, weil er trotz Hausverbot die Drogerie Müller in Näfels betrat. Er will nicht gewusst haben, dass er dort nicht mehr einkaufen darf.

Südostschweiz
Montag, 19. August 2019, 04:30 Uhr Nichts von Hausverbot verstehen
Von nichts gewusst: Dass er die Drogerie nicht mehr betreten dürfe war einem Slowaken nicht bewusst.
SYMBOL / PIXABAY

Die drei Richter schauen etwas skeptisch. Das Wort «Haus» versteht der Angeklagte. «Verbot» ebenfalls. Aber «Hausverbot»? Nein, dieses Wort habe er nicht verstanden, sagt Peter A.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-Jährigen vor, er habe trotz Hausverbot im Winter 2018 die Filiale der Drogeriekette Müller in Näfels betreten. Etwas reumütig, aber gut gelaunt beantwortet der Eisenleger aus der Slowakei die Fragen des Glarner Kantonsgerichts. Das Hausverbot sei ihm aufgebrummt worden, nachdem ein Kollege beim Stehlen erwischt wurde. Weil auch Peter A. auf den Aufnahmen der Überwachungskamera zu sehen war, sei auch bei ihm die Polizei vorbeigekommen, erzählt er in gebrochenem Deutsch. «Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort.»

Als ihm ein Polizist ein Formular der Drogeriekette vorlegte, habe er gedankenlos unterschrieben – eben ohne zu verstehen, was «Hausverbot» bedeutet. «Ich dachte, es geht um eine Busse», sagt Peter A.

In Zukunft will er genauer lesen

Als er einige Wochen später erneut in den Müller spazierte, rief das Personal wieder die Polizei. Jetzt soll Peter A. wegen Hausfriedensbruchs 600 Franken Busse und die Gerichtskosten bezahlen. Dazu kommt, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, eine bedingte Geldstrafe von 2400 Franken. «Es tut mir leid», sagt Peter A. In Zukunft wolle er alles genau lesen, bevor er unterschreibe.

Gegen Schluss der Verhandlung fragt der Gerichtspräsident: «Ihnen ist klar, dass Ihnen eine Strafe droht, wenn Sie nochmals zu Müller gehen?» Peter A. seufzt und macht eine vermutlich als Zustimmung zu deutende Geste. Das Urteil wird schriftlich eröffnet. (uw)

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