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«Blockierte Klimapolitik» in Graubünden

Der WWF veröffentlichte jüngst ein Rating zu der Klimafreundlichkeit bei Gebäudesanierungen der Schweizer Kantone. Diese fällt für den Kanton wenig schmeichelhaft aus: Graubünden fällt in die Kategorie «Blockierte Klimapolitik».

Mara
Michel
Donnerstag, 15. August 2019, 04:30 Uhr WWF-Rating
Einzig bei der finanziellen Förderung erreicht der Kanton Graubünden die Höchstpunktzahl
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    Auf einer Skala von 1,0 bis 5,0 Punkten erreicht der Kanton Graubünden lediglich deren 2,4 und liegt damit auf der untersten der vier Bewertungsstufen. Insgesamt wurden sechs Faktoren bewertet. Bei der finanziellen Förderung erreicht Graubünden die Höchstpunktzahl. Abgesehen davon lässt die Klimafreundlicheit bei Gebäudesanierungen anscheinend zu wünschen übrig.

    Das Ranking besteht aus folgenden sechs Kriterien:

    • Kantonale Klima-Ziele
    • Vorschriften zur Energieeffizienz
    • Vorschriften erneuerbare Energien
    • Vorschriften Elektroheizungen
    • Finanzielle Förderung
    • Energieplanung der Gemeinden

      Nimmt man klimapolitische Themen in Graubünden auf die leichte Schulter? Wie lässt sich das schlechte Fazit des WWF erklären? Erich Büsser, Amtsleiter Energie und Verkehr nimmt Stellung dazu:

      Kennen Sie die Zahlen des WWF-Ratings? Was sagen Sie dazu?

      Wir kennen diese Zahlen, wir haben die Studie erhalten und studiert. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Studie vielmehr auf Indikatoren als auf Zahlen basiert. Diese Indikatoren beurteilen die gesetzlichen Anforderungen. Einzig beim Förderprogramm wird mit effektiven Zahlen gerechnet. Deshalb sind wir der Meinung, dass nur ein Teil der Aktivitäten abgebildet wurde. Einzelne Indikatoren sollten durchaus hinterfragt werden. Man kann aber klar feststellen, dass Handlungsbedarf besteht, damit der Kanton die Energie- und Klimaziele erreicht.

      Warum hinkt Graubünden in Sachen klimafreundliche Gebäudesanierungen den anderen Kantonen hinterher?

      Wenn man das Rating des WWF betrachtet, finden sich auf den vordersten Positionen mehrheitlich jene Kantone, die das Energiegesetz bereits revidiert haben. Der Kanton Graubünden arbeitet zurzeit an dieser Umsetzung, und es kommt nächstens ins Parlament. Sobald das umgesetzt ist, wird sich das Rating wieder ändern.

      Welche konkreten Ziele hat sich Graubünden betreffend klimafreundliche Gebäudesanierungen gesetzt?

      Wie bereits erwähnt ist der nächste wichtige Schritt die Teilrevision des Bündner Energiegesetzes. Wir haben im aktuellen Energiegesetz bereits konkrete Reduktions- und Substitutionsziele für fossile Energien. Wir sind laufend bemüht, unsere Programme zu hinterfragen und Verbesserungen anzustreben. Ein Teil davon ist beispielsweise der Auftrag «Green Deal», der dem Grossen Rat überwiesen wurde. Wenn das Energiegesetz umgesetzt wird, wie geplant, haben wir einen grossen Schritt erreicht.

      Gemäss dem Rating macht der Kanton den Hausbesitzern vor allem dann Vorschriften, wenn sowieso grössere Umbauten anstehen. Plant man, dort Änderungen vorzunehmen?

      Eine effektive Sanierungspflicht würden ein grosser Eingriff ins Eigentumsrecht darstellen. Das ist im Kanton Graubünden, aber auch in anderen Kantonen, nicht mehrheitsfähig. Wir möchten andere Wege bestreiten und dann unterstützen und fördern, wenn ein Umbau oder eine Sanierung ansteht.

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