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Erster richtiger Hitzetag im Glarner Winter und Sommer

Das war ein Hammer-Sonntag: Die Glarner Bevölkerung geniesst den Hitzetag im kühlen Nass – die einen unten im Wasser, nicht wenige aber auch immer noch oben im Schnee.

Martin
Meier
Montag, 03. Juni 2019, 04:30 Uhr Kühlung gesucht

Die Sonne überschwemmt Linthal schon morgens um 8 Uhr mit ihren Strahlen. Für den südlichsten Ort im Glarnerland ist das früh. Einen Tag nach dem meteorologischen Sommerbeginn taucht das Dorf zuhinterst im Grosstal in ein Wetter ein, das wie für Kaiser geschaffen ist. Auf einer Holzbank trinkt «Taxi-Edi» warme Schokolade. Auf Kundschaft wartet auch Heiri, um die Gäste in Braunwald schon unten im Tal willkommen zu heissen. «Achtung, Achtung – Extrafahrt» tönt es aus den Lautsprechern der Standseilbahn Talstation.

Heisses Pflaster – 29 Grad in Niederurnen

Das Bergdorf Linthal präsentiert sich am Sonntag so, wie es wirklich ausstrahlt: majestätisch, und nicht wie es vom SRF in «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» gezeigt wurde – mit wenig Inhalt, schludrig abgedrehten und schlecht geschnittenen Winterbildern. «Um es auf den Punkt zu bringen», schliesst ein Gast seine Kritik zur Machart der Sendung ab: «Note ungenügend.»

Eine glanzvolle Sechs bekommt Linthal dafür für den gestrigen Prachtstag, der 2019 – bis anhin – der mit Abstand wärmste ist. Heisse 24 Grad misst am Nachmittag das Thermometer in Linthal, 26 sind es in Glarus und stolze 29 in Niederurnen. Da kommen die Hundertschaften von Velofahrern ins Schwitzen, welche dünnbekleidet den Klausen hinaufpusten.

Um 5 Uhr losmarschiert – wegen der Lawinengefahr

Dick eingepackt sind hingegen die Skifahrer, die von der Tour vom Clariden zurückkehren. In der Chlus trifft der Winter dann auf den Sommer, dort bei der geschlossenen Barriere, 1700 Meter über Meer. Von hier aus ist der Pass noch nicht freigefräst.

Einer dieser Wintersportler heisst This Leisinger. Der in Ennenda aufgewachsene Weesner ist, die Felle an die Bretter geschnallt, um 5 Uhr losmarschiert. «Damit ich um 10 Uhr beim Auto zurück bin. Wegen der steigenden Lawinengefahr.» Ausgerutscht, zum Glück nicht abgerutscht, sei er nur einmal. «Aber ausgerechnet am Iswändli.» Dieses gilt als Schlüsselstelle der Gletschertour. Kollege Reto Andreoli aus Horgen findet einzig schade, dass so viele Wintersportler den 3267 Meter hohen Halbglarner zum Ziel hatten. «Es waren weit über hundert.»

Während da oben, wo der Schnee weg ist, der Enzian blau blüht, sind es unten gelbweiss die Margeriten. Hinter dem Bahnhof von Leuggelbach sind es Tausende. Also ja nicht beginen mit dem Blätterzupfen, dem Kinderspiel, «ich liebe dich, ich liebe dich nicht ...». Das dauert wohl, bis der Tod euch scheidet.

Die kühlste Versuchung, seit es Wasser gibt – das Gäsi

Im Glarnerland wird an einem solchen Sommertag lieber gelebt – und genossen. Herrlich ist es, auf der aufgeheizten Haut die perlenden Wassertropfen des Diesbachfalls zu spüren – oder sich in einer der Badis abzukühlen. Die kühlste Versuchung aber, seit es im Glarnerland das Wasser gibt, ist der – von weiss Gott wem erschaffene – Walensee, genauer gesagt das Gäsi. Viel mehr an Sonnenhungrigen als gestern kann der Sandbadestrand nicht mehr aufnehmen. Wer sich ins Wasser wagt, muss abgehärtet sein. «Der See ist saukalt», erzählt Iris Becher. «So zwischen 12 und 14 Grad», ergänzt ihr Partner David Knobel. Dann küsst sich das Paar. Margeritenblätter brauchen die beiden keine mehr abzuzupfen. Sie wissen, dass sie einander gern haben.

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