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«The Great Döner Kebab»

Kolumnist Luca Brunner schreibt aus New York über New-Jersey-Witze und wahnwitzige Gebäude.

Linth-Zeitung
Mittwoch, 15. Mai 2019, 19:39 Uhr New York, New York
Die Türme der Hudson-Yards-Überbauung thronen über «The Vessel» und den Abstellgeleisen der «Long Island Rail Road». Dahinter steht das Empire State Building, eines der «alten» Wahrzeichen der Stadt und von 1931 bis 1972 das höchste Gebäude der Welt.
LUCA BRUNNER

von Luca Brunner*

The sky is the limit»: So lässt sich das Leitprinzip der New Yorker Stadtentwicklung zusammenfassen. In seiner Geschichte setzte der «Big Apple» regelmässig architektonische Massstäbe. Doch selbst für die hiesigen Verhältnisse ist das neueste Leuchtturmprojekt Hudson Yards präzedenzlos. Am voraussichtlichen Ende der Bauzeit dieses Megaprojekts im Jahre 2024 soll der Gebäudekomplex am Hudson River im Westen Manhattans elf Hektare umfassen. Er wird damit sowohl den UNO-Hauptsitz als auch den World-Trade-Center-Komplex übertreffen. Um die Tourismusströme bereits richtig zu lenken, führt die weltbekannte «High Line», eine zur Fussgängerzone umfunktionierte ehemalige Eisenbahnbrücke, neuerdings ebenfalls bis zu den Hudson Yards.

Kürzlich wurde eines der Wahrzeichen des neuen Stadtteils eröffnet. «The Vessel», frei übersetzt «das Schiff» oder «der Behälter», ist eine futuristisch anmutende Aussichtsplattform. Gewissermassen das optische Herzstück der Überbauung. Da die Kritiker der Hudson Yards insbesondere kritisieren, dass beim Bau die lokale Bevölkerung nicht genügend einbezogen wurde, sendet die zuständige Immobilienfirma nun ein Zeichen der Versöhnung. Online kann man nämlich einen neuen Namen für das bienenwabenartige Konstrukt vorschlagen – auf den sozialen Medien hat bisher der Namensvorschlag «The Great Döner Kebab» am meisten für Aufsehen gesorgt. Urteilen Sie selbst (siehe Bild rechts).

Hudson Yards wird die Stadt nachhaltig verändern. Entweder man liebt es oder man hasst es. Bei einem Negativpunkt sind sich jedoch fast alle Einheimischen einig. Symbolisch sagt es der Hot-Dog-Verkäufer an der W 34th Street: «Leider sehen wir nun noch mehr New Jersey!» Zur Klärung: Der Nachbarstaat New Jersey sorgt in New York für ähnliches Gespött wie der Aargau in Zürich oder Basel. Dass tatsächlich der grösste Teil der New Yorker Abfallberge nach New Jersey verfrachtet wird, ist nur einer der typischen «Jersey Bashing»-Sprüche. Die Moral der Geschichte: Jeder braucht seinen Sündenbock und New York ist halt doch immer noch der Nabel der Welt. Punkt.

*Luca Brunner aus Rapperswil-Jona ist Generalist, Journalist und Querdenker. Er lebt und arbeitet in New York.

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