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Kommentar

Socken-Wechsel

Sebastian
Dürst
Montag, 06. Mai 2019, 04:30 Uhr
SCHWEIZ GLARUS LANDSGEMEINDE
Ein erster Stimmberechtigter wartet auf den Beginn der Glarner Landsgemeinde.
KEYSTONE

Wem die Glarner Traditionsanlässe im Frühling etwas bedeuten, der musste in diesem Jahr die Winterkleider bereithalten: Es schneite an der Fahrt, es schneite an der Landsgemeinde. Bei beiden Anlässen gibt es solche, die bei jedem Wetter dabei sind und solche, die bei jedem Wetter dabei sein müssen. Müssen tun zum Beispiel die Regierungsräte. Aber auch die Mitglieder einer Harmoniemusik. Oder Journalisten.

In diesem Jahr war ich sowohl an der Näfelser Fahrt als auch an der Landsgemeinde in meiner Funktion als Journalist mittendrin. Vor allem bei der Fahrt hegte ich so meine Zweifel, ob ich für den Fussmarsch vom Glarner Zeughaus bis nach Näfels jemanden finden würde, mit dem ich plaudern kann. Ganz ehrlich: Bei diesem Wetter wäre ich niemals freiwillig mitgelaufen.

Ich habe dann doch einen guten Kollegen angetroffen, der dick eingepackt, mit Regenjacke und Wanderschuhen ausgerüstet, beim Zeughaus Glarus am frühen Morgen bereitstand. Erstaunlich, denn es wäre eigentlich sein «freies Jahr». Jedes zweite Jahr muss er nämlich als Mitglied der Harmoniemusik Glarus so oder so mitlaufen. Auf jeden Fall wurde es dann trotz dem ungemütlichen Wetter eine unterhaltsame Wanderung nach Näfels. Dort habe ich mich dann (mit Leidensmiene wegen durchnässter Socken) auf in die Redaktion gemacht, um über die Fahrt zu schreiben. Mein Kollege hat mich eben wegen dieser Leidensmiene ausgelacht, da müsse man halt mit richtiger Ausrüstung vorsorgen. Mein Argument, dass es so schlechtes Wetter ja eh nur alle 100 Jahre gebe, hat er nicht akzeptiert.

Ich habe den Kollegen gestern an der Landsgemeinde wieder getroffen. Er lachend in der Uniform der Harmoniemusik Glarus. Ich in durchnässten Socken. Ich überlege mir, ob ich trotz fehlender Musikalität einer Harmoniemusik beitreten sollte – zwecks Vorbereitung auf Glarner Traditionsanlässe.

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