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«Ich musste etwas tun»

Vandalen haben das Wartehaus am Bahnhof Mitlödi versprayt. Lokführer Marian Schulz hat sich so sehr darüber aufgeregt, dass er sich Farbrolle und Farbe kaufte und das «Kunstwerk» in Eigenregie übermalte.

Paul
Hösli
Donnerstag, 02. Mai 2019, 04:30 Uhr Vandalenakt beim Bahnhof Mitlödi
Zwei Stunden malt Marian Schulz in seiner Freizeit, um das Wartehäuschen in Mitlödi von den obszönen und geschmacklosen Schmierereien zu befreien.
SCREENSHOT VIDEO MARIAN SCHULZ

Als Lokomotivführer hält Marian Schulz täglich an Bahnhöfen im Glarnerland und der Region. An den Anblick in Mitlödi kann er sich aber nicht gewöhnen. Ende April verschmieren Vandalen das Wartehäuschen mit geschmacklosen Sprüchen und Penissen. «Ich musste einfach etwas tun», sagt Schulz. So fährt er in den nächsten Baumarkt, kauft sich Farbrolle und Farbe für 16 Franken und übermalt das «Kunstwerk» in Eigenregie. «Ach, das ist doch eine Kleinigkeit. Das war es mir wert», gibt sich der der 33-Jährige aus Ziegelbrücke bescheiden.

«Ich musste zwei Anstriche machen, damit die Schmierereien nicht mehr zu sehen waren.»

«Etwa zwei Stunden habe ich benötigt. Ich musste zwei Anstriche machen, damit die Schmierereien nicht mehr zu sehen waren.» Zwischen dem ersten und dem zweiten Anstrich gönnt er sich einen Kaffee.

Wohl ein Lausbubenstreich

Marian Schulz erzählt die Geschichte so, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre. Die Malaktion filmte der gebürtige Potsdamer und stellte das Video auf Facebook. Die Reaktionen in seinem Umfeld oder auf den sozialen Medien zeigen ein anderes Bild. «Ich bin schon sehr überrascht über die Resonanz. Und jetzt ruft sogar noch die Zeitung an», zeigt er sich über die Reaktionen erfreut.

Nicht nur die Schmierereien als solche hätten ihn gestört, sondern die Sprüche wie «Keine Obdachlossen», «Da waren Aussländer» oder «Fuch the Police» nervten ihn. «Die Schreibfehler mussten einfach weg. Da könnte man meinen, der Kanton erfülle seinen Bildungsauftrag nicht», sagt Marian Schulz scherzhaft. Und für die Penisse würde es für ihn nur eine Erklärung geben: «Die Jugend spürt wohl den Frühling.» Es sei zwar lediglich eine Vermutung, aber das Ganze würde für ihn schon wie ein Lausbubenstreich aussehen.

Andere motivieren

Seit 2005 wohnt der Ostdeutsche im Glarnerland. «Wir leben an einem so schönen Ort, es gibt kaum etwas Schöneres. Da muss man doch Sorge tragen.» Als Lokomotivführer liegen ihm die Wartehäuschen am Herzen. «Immer mehr müssen wegen Vandalismus schliessen. Das kann es doch nicht sein.» Idioten würden leider nie aussterben, sagt Schulz.

Mit Putzaktionen kennt er sich aus. Marian Schulz hat schon am kantonalen Clean-Up-Day mit dem Gummiboot die Linth gesäubert. «Vielleicht motiviert es andere Leute, auch etwas zu unternehmen.» Das sei auch der Grund, weshalb er sein Video in den Sozialen Medien zeigte. Schulterklopfer will er keine, aber etwas bewegen. «Wenn jeder etwas dazu beiträgt, wird die Welt ein besserer Ort», ist Schulz überzeugt.

Ihm falle aber auch auf, dass die Menschen langsam umdenken würden. Marian Schulz geht jedenfalls als leuchtendes Beispiel voran – dafür hat er lediglich 16 Franken und zwei Stunden Arbeit investiert.

Das sagt die Polizei dazu
Bis Mittwoch ging bei der Kantonspolizei Glarus wegen den Sprayereien im Wartehäuschen in Mitlödi keine Strafanzeige ein. Die Polizei wusste nichts vom Vandalenakt. Wegen der Malaktion muss Marian Schulz keine Konsequenzen befürchten. «Alle Achtung, das ist nicht alltäglich», sagt Kripochef Rudolf Gubser. (pli)

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