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Wie man im Glarnerland über Ostern hoppelte

Schöner und wärmer hätten die diesjährigen Ostern fast nicht sein können. Die Qual der Wahl für die Freizeit: Auswählen konnten die Glarner zwischen einem Sonnenbad an einem See oder im Schnee.

Martin
Meier
Dienstag, 23. April 2019, 04:30 Uhr Reportage
Geniessen für Könner: Hampi Nübel (von links), Bruno Luchsinger, Roger Asal und Jost Trümpi bevölkern über die freien Tage das Camping-Restaurant Güntlenau.
MARTIN MEIER

Nicht einmal der Volksgarten lockt an Ostern, dem Fest der Auferstehung Christi, viel Volk an. Obwohl der Brunnen sein Wasser wie ein Geysir in den Himmel spuckt und die Bäume ihre Blattspitzen zeigen. Glarus zeigt sich ausgestorben. Die Roll-Bar ist noch nicht angerollt. Wer ein offenes Restaurant sucht, entdeckt stattdessen am Strassenrand den frisch gepflanzten Schilderwald, der blüht oder die Gebührensäcke, die, wie beispielsweise an der Kirchstrasse, stinken.

Auf der Suche nach Touristen, vor allem Glarnern, wird man im Restaurant «Uschenriet» fündig. «Viel Arbeit», bestätigt Koch Sivasamy Selvaraja. Die Gartenterrasse ist voll besetzt. Wie auch der Sandstrand im Gäsi, wo der Himmel und Walensee blau, dazwischen die Bergspitzen weiss leuchten. Wie die Markierung eines Alpinwanderweges.

Betrieb, vor allem Verkehr, herrscht am Klöntalersee, wo vor allem die Zufahrt für Diskussionen sorgt: die Umleitung wegen den Bauarbeiten am Staudamm. Jenes Strässchen, wo man nicht richtig kreuzen kann und, so Einheimische, Staus vorprogrammiert sind.

Der Hoteldirektor hat sich den Ausgang verspielt

Ausflug ins autofreie Braunwald, wo sich auf der Sonnenterrasse des ausgebuchten «Märchenhotels» im UV-Licht die Haut gebräunt wird. Wo für einmal Lukas Meyer als Chef ad interim die Gäste begrüsst, da sich Hoteldirektor Patrik Vogel beim Spiel mit einem neuen Spielzeug den Ausgang «verspielt» und sich ein Bein gebrochen hat.

Um einiges sportlicher ist Fritz Trümpi unterwegs – nicht in Braunwald und nicht mit seinen Sportbahnen: Der Bauunternehmer fährt Fahrrad. Abstrampeln tut er sich zuhinterst im Glarnerland, in der Abgeschiedenheit im Tierfehd. An dem Ort, wo Schweiz Tourismus die Gäste mit «Grüezi, Bonjour, Buongiorno und Allegra» willkommen heisst.

Allerdings zeigt sich der Schreyenbachfall verstummt, weil ihm die Axpo 1964 das Wasser abgegraben hat. Dafür sollte sich die Linthschlucht wieder in ihrer urtümlichen Schönheit präsentieren. Das Wehr ist zurückgebaut, als Gegenleistung für die Realisierung des Milliarden-Projekts Linthal 2015. Doch was für ein Schock für die Pfadfinder aus dem Aargau, welche sich den Weg zum Schluchteingang suchten. Der Zugang ist neu verwehrt. Massive Eisengitter halten die Besucher jetzt weit vor dem Einblick in die Schlucht ab. Ein tonnenschwerer Felsblock liegt auf dem Fussweg.

Nicht zu Fuss, sondern mit der Bahn gehts aufwärts – zu einem weiteren Glarner Ausflugsziel. Es ist eine Fahrt in eine andere Jahreszeit. Auf Mettmen ist noch tiefer Winter. Nur der Weg zum Garichtisee ist ausgefräst. Weiter gehts von hier aus nur noch mit Schneeschuhen oder Tourenski. Zwei Deutsche kommen von der Fridolinshütte. «Zeitweise sind wir hüfttief eingesunken. Wahnsinn – aber wahnsinnig schön wars.»

Die Fahrt mit der Seilbahn nach Mettmen ist eine Fahrt in eine andere Jahreszeit. Auf Mettmen ist noch tiefer Winter.

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