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Zecken haben dem harten Winter getrotzt

Die Südostschweiz hat einen harten Winter hinter sich. Den Zecken machen die kalten Temperaturen und der viele Schnee nicht wirklich etwas aus. In tieferen Lagen sind die blutsaugenden Tiere schon wieder unterwegs.

Corinne
Raguth Tscharner
Mittwoch, 27. März 2019, 04:30 Uhr Zeckengefahr ist jetzt schon da
Zecken halten sich in bodennähe auf und überstehen so auch kühle Temperaturen recht gut.
PIXABAY

Frühling ist Zeckenzeit. Daran ändert auch ein harter Winter nichts. «Zecken sind sehr kälteresistent und überlebensfähig», sagt Werner Tischhauser. Er ist Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und erklärt auf Anfrage, dass eine Zecke sogar eine Nacht im Gefrierfach eines Kühlschrankes überleben würde. «Die Zecke taut einfach wieder auf, wenn man sie herausnimmt und krabbelt weiter», so Tischhauser. Erst Temperaturen von minus 14 Grad über mehrere Tage hinweg, denen die Zecke auch direkt ausgesetzt ist, würde den Tieren wirklich Unbehagen bringen. Klimaverhältnisse, zu denen es in der Südostschweiz so gut wie nie kommt.

«Eine Zecke überlebt sogar eine Nacht im Gefrierfach.»

«Wenn dazu noch eine Schneedecke den Boden abdeckt, dann sind die Orte, an denen Zecken sind, isoliert und nie kälter als null Grad», sagt Tischhauser. Die Zecken ertragen einen typischen Südostschweizer Winter also äusserst locker.

Bei 7 Grad heisst es aufwachen

Zecken ziehen sich im Winter in die Streuschicht des Waldbodens und die bodennahe Schicht von Wiesen zurück, wo es genügend feucht ist. «Dort tun sie nichts, reduzieren sich und ihren Energieverbrauch und verfallen in eine Winterstarre», erklärt Tischhauser. Im Frühling, sobald es wärmer wird, ab sieben Grad, erwachen die Tiere schliesslich.

So kann man in Graubünden und Glarus bereits jetzt über Zecken stolpern. Vor allem nach den warmen Tagen des vergangenen Wochenendes. «Die Zecken sind schon länger unterwegs», bestätigt Zeckenforscher Tischhauser.

Auch im Winter aktiv

Ganz allgemein können Zecken auch im Winter aktiv sein – jedoch sehr lokal und nicht sehr häufig. «Es kommt auf die Exposition, also die Ausrichtung, eines Ortes an», so Tischhauser. Wenn ein Ort gegen Süden zur Sonne hin exponiert sei, könne es zwar rund herum Schnee haben, aber der Boden erreicht dennoch die nötigen Temperaturen, die es Zecken erlauben, aktiv zu sein.

Der Mythos, dass Zecken einen kalten Winter nicht überleben, stimmt also nicht. Welche anderen Mythen über Zecken entsprechen nicht der Wahrheit? Unsere Bildstrecke klärt auf:

Bereits im Februar hat das Bundesamt für Gesundheit die Risikogebiete für Zeckenbisse auf die gesamte Schweiz ohne die Kantone Genf und Tessin ausgeweitet. Wo genau es besonders gefährlich werden könnte, ist hier auf der Gefahrenkarte des Bundes festgehalten.

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt ausserdem, sich gegen die Hirnentzündung FSME impfen zu lassen, wenn man häufig in der Natur unterwegs ist. Sie ist neben Borreliose eine der beiden Krankheiten, die eine Zecke auf den Menschen übertragen kann. Damit dies nicht geschieht, empfehlen Experten unter anderem folgende Vorsichtsmassnahmen:

- Feste Schuhe und Kleidung tragen, die den Körper möglichst ganz bedeckt. Hosen können auch in die Schuhe gestopft werden, damit Zecken nicht an die Haut heran kommen.
- Hohes Gras, Waldränder und Büsche meiden.
- Nach einem möglichen Kontakt immer nach Zecken absuchen und auf mögliche Symptome achten.
- Ein Zeckenschutzmittel verwenden. Hierbei sollte auf die Hautverträglichkeit geachtet werden.

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