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Aller Anfang ist schwer

Corina Gerster bereist die Welt und berichtet darüber jeden Freitag auf linthzeitung.ch. Heute über die Planungen für die Reise ans «Ende der Welt» und ihren Do-it-yourself-Camper.

Linth-Zeitung
Freitag, 15. März 2019, 11:10 Uhr Quer durch die Welt
Der Vulkan Osorno thront mächtig über dem Lago Llanquihue. Im Sommer lockt er Wanderer und Kletterer an, im Winter gar die Skibegeisterten.
CORINA GERSTER

von Corina Gerster*

Der südlichste Zipfel Südamerikas. Teils Chile, teils Argentinien. Nur spärlich von Menschen besiedelt, dafür reich an Naturspektakeln. Das ist Patagonien. Zahlreiche Reportagen haben mich gluschtig gemacht, und endlich ists so weit: Mit (m)einem altbekannten Reisepartner breche ich auf in die nahezu unendlichen Weiten. Immerhin ist Patagonien über 25-mal grösser als die Schweiz.

Doch so ein Trippli ist nicht ganz ohne. Nicht ohne Vorbereitung und nicht ohne die eine oder andere Hürde. Die Region ist nämlich bekannt für ein hohes Preisniveau, wechselhaftes, raues Wetter und eingeschränkte Infrastruktur. Es isch ja schliesslich sEndi vo dä Wält. Wie vereinen sich also ein kleines Budget und der Drang nach maximaler Freiheit? Bei 120 km/h Wind und 4 Grad im Zelt campen? Nei danke. Beim Autostöpplen stundenlang im Regen ausharren? Ehhm, nope. Schnell wird klar: Ein fahrbarer Untersatz muss her. Inklusive Schlafmöglichkeit. Einen Camper mieten? Vill ztüür. In Santiago blüht der Auto- und Camperhandel für Kauflustige. Doch kaufen? Nääh. Geschätzt 384 Stunden, 100 Browsertabs und zig Excelsheets später kommt die glorreiche Idee: Ein hundskommunes Auto mieten, Luftmatratze und Campingkocher kaufen. Fertig ist der Do-it-yourself-Camper. Online kurz ein Auto-Schnäppli reservieren, das gemäss Google-Recherche gerade gross genug ist, um mit runtergeklappten Rücksitzen im Kofferraum zu schlafen. Los gehts!

«Bei 120 km/h Wind und 4 Grad im Zelt campen? Nei danke.»

Es folgen dann 24 Stunden Busfahrt und der eine oder andere Albtraum, dass unser Auto in Wahrheit eine winzige Nussschale sei. Glücklicherweise Fehlalarm. In Puerto Montt nehmen wir unser bescheidenes Zuhause für die nächsten sechs Wochen in Empfang. Und düsen gleich los nach Puerto Varas. Das Städtchen am Lago Llanquihue ist wahnsinnig europäisch. Wieso? Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Region rund um den See von deutschen Einwanderern besiedelt. Doch wir sind (noch) nicht zum Spass hier. Es folgt das grosse Einkaufen: Matratze, Gaskocher, Koch- und Putzutensilien sowie Lebensmittel. Mein Ziel: Mit so wenig wie möglich auskommen. Ich mag ja bekanntlich Minimalismus und so.

Die erste Testnacht lässt nicht lange auf sich warten, und wir Wildcamping-Jungfrauen lernen auf die harte Tour: Äs brucht leider ächli meh, als mer dänkt. Wir sind wirklich fast erfroren. Das kleine, scheinheilige Gefährt ist nachts zu einem monströsen Kühlschrank mutiert. Zudem ist die Luftmatratze einen Fuss zu lang für das Auto, das Auto wiederum einen Fuss zu kurz für den langen Holländer. Am Morgen muss eine Kriegsstrategie im Kampf gegen die Kälte her: Wir brauchen dicke Schlafsäcke, eine weitere Decke und Isomaterial für die Fenster. Die Löcher und Wärme-Schwachstellen gehören gestopft. Zudem werden die Sitze, das Reisegepäck und die Luftmatratze neu arrangiert. Okay, läuft. Die Startschwierigkeiten scheinen besiegt, der Roadtrip kann starten!

*Corina Gerster, Weltreisende, ist in Benken aufgewachsen und lebte in der Schweiz zuletzt in Rapperswil-Jona.

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