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Wer bezahlt den Preis für unsere Smartphones?

Die ökumenische Kampagne von «Brot für alle» und Fastenopfer setzt sich seit 50 Jahren für mehr Gerechtigkeit in der Welt ein. Warum es dieses Jahr um die allgegenwärtigen Smartphones geht.

Südostschweiz
Dienstag, 12. Februar 2019, 04:30 Uhr «Brot für alle»
Trifft einen Nerv: Karin Mader erklärt den Zuhörern, welche Nachteile die Produktion von Smartphones mit sich bringt.
PRESSEBILD

Durch den Abend führte Karin Mader, Mitarbeiterin bei «Brot für alle» im Bereich Menschenrecht und Elektronik. Mader stellte gleich zu Anfang die Frage des Abends: «Wer besitzt hier im Raum ein Smartphone?» Einige wenige meldeten sich nicht an der Veranstaltung in Glarus, zu der das katholische Dekanat und die reformierte Landeskirche Glarus eingeladen hatten.

Dass ein Smartphone kein nachhaltiges Produkt ist, das war den meisten vorher schon klar. Karin Mader verdeutlichte dann, wie genau die Strukturen um den Handel mit dem technischen Gerät unserer Zeit aussehen. Zunächst konnten einige kurzzeitig aufatmen, die sich für eine bestimmte Handy-Marke entschieden hatten. Sahen sie doch diese im Ranking zur Nachhaltigkeit ganz oben. Leider hielt diese Freude nur kurz, denn ein Blick auf die Hintergründe zeigte, dass Angaben fast ausschliesslich von den Konzernen selbst stammen.

Frauen sind besonders verletzlich

Schwierig ist es laut Mader, hinter die Kulissen zu blicken. Das gelinge meist nur undercover, wie etwa in China. Hier herrsche eine enorme Diskrepanz zwischen der Realität und dem, was von offizieller Seite erzählt würde. Harte Arbeitsbedingungen, fehlendes Versammlungsrecht und militärischer Drill garantierten für ein schlechtes Arbeitsklima.

Frauen, auf die bei der diesjährigen ökumenischen Kampagne besonders geschaut wird, seien besonders verletzlich. Sind sie einziges Kind ihrer Familie, so liege es bei Ihnen, für die Altersvorsorge der Eltern zu sorgen. Oft bleibe ihnen keine Wahl, als sich als billige Arbeitskraft in der Stadt zu verpflichten.

Neben Asien ist Afrika ein Standort für die Herstellung von Smartphones. Hier seien es die Rohstoffe wie Coltan, Zinn, Wolfram und Gold, die in unzureichend gesicherten Minen oft von Kindern abgebaut würden, erläuterte Mader weiter. In Ländern wie dem Kongo würden mit diesen Konfliktrohstoffen Kriege finanziert. Hunderttaussende von Vertriebenen, unzählige Tote sind traurige Realität.

Was ist zu tun? Das war die grösste Frage der Zuhörerinnen und Zuhörer, die fast alle Handynutzerinnen und Nutzer sind. Auf verschiedenen Ebenen könne das Problem angegangen werden, so Karin Mader.

Im Minimum der Existenzlohn

Zunächst gehe es um die Einhaltung der Gesetze und Menschenrechtskonventionen, die nicht neu erfunden werden müssten. Arbeiterinnen und Arbeiter sollten ihr Recht zuerkannt erhalten, einen Existenzlohn und nicht einen Mindestlohn zu erhalten. Markenfirmen müssten zu mehr Transparenz aufgefordert werden.

Und letztlich hänge es an uns selbst. Das Motto «schnell, flexibel, billig» dürfe nicht weiter eine Rolle spielen. Für die Produzenten bedeute dies, dass sie noch mehr unter Preis- und Zeitdruck stünden und das gehe letztlich zulasten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Eigentlich sei eine gute Haltung: «Behalte dein Smartphone so lange wie möglich. Lass es reparieren oder gib es in Secondhand. Entsorge dein altes Gerät fachgerecht, damit die enthaltenen Rohstoffe erneut verwendet werden können.» Letztlich liege es eben auch in der Hand eines jeden. Dazu zähle auch, die politischen Rechte wahrzunehmen, an die Urne zu gehen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen.

Im Anschluss an den Vortrag wurde noch rege diskutiert, und man erhielt den Eindruck, dass Karin Mader den richtigen Nerv getroffen hatte. Fastenopfer-Regionalleiter Beat Züger blickte zum Schluss auf die 50-jährige Zusammenarbeit von «Brot für Alle» und Fastenopfer zurück.

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