×

Organspende: Erste Glarner registrieren sich elektronisch

Bisher haben sich 113 Glarnerinnen und Glarner im neuen nationalen Organspenderegister eingetragen. Dies entspricht einer noch tiefen Quote von 0,3 Prozent. Die Tendenz ist schweizweit steigend.

Südostschweiz
Dienstag, 05. Februar 2019, 04:30 Uhr 113 Personen bereits eingetragen
Entscheiden, so lange man noch kann: Auch im Kantonsspital Glarus sensibilisieren die Verantwortlichen Patienten und Angehörige, sich über das Thema Organspende Gedanken zu machen. Und einen Entscheid zu treffen, egal wie er ausfällt.
ARCHIV

Von Andri Nay und Claudia Kock Marti

Fernsehspots erinnern einen derzeit immer wieder mal daran, die Frage für sich zu klären, ob man seine Organe bei einem plötzlichen Tod spenden und damit Leben retten möchte. Der Entscheid wird indes oft verschoben. Dabei sind die fehlende Willensäusserung und die Unkenntnis über den Wunsch verstorbener Personen zur Organspende Hauptgründe dafür, dass mögliche Organspenden nicht durchgeführt werden, wie die Stiftung Swissplant für Organspende und Transplantation in einer kürzlichen Medienmitteilung festhält.

Seit mittlerweile fünf Jahren versuchen Bund und Kantone mit einem Aktionsplan die Organspenderate in der Schweiz zu erhöhen. Als Teil dieses Aktionsplans können sich in der Schweiz lebende Personen ab 16 Jahren seit dem 1. Oktober 2018 auf einfache Weise als Spender direkt auf der Webseite organspenderegister.ch eintragen respektive ihren Willen für oder gegen eine Organspende dokumentieren.

Elektronisch Klarheit schaffen

Der Eintrag in dem Register soll dem Spender wie seinen Angehörigen sicherstellen, dass es nur zu einer Organspende kommt, wenn der Entscheid auch so festgehalten wurde. Stehe die Frage nach einer Spende im Raum, könnten die zuständigen Ärzte nach beschlossenem Therapieabbruch den Registereintrag von Swisstransplant konsultieren, so Swisstransplant in ihrer Medienmitteilung.

Aus dem Glarnerland haben sich gemäss Swisstransplant bis Ende Dezember 2018 113 Personen eingetragen. Dies entspricht einer Registrierungsquote von 0,3 Prozent der Bevölkerung, der Schweizer Durchschnitt liegt derzeit bei 0,5 Prozent. Rund fünf Prozent der registrierten Glarnerinnen und Glarner haben im Onlineregister vermerkt, dass sie keine Organe spenden möchten (Schweiz: 3,8 Prozent).

Die Alternative zur Organspendekarte fand insgesamt bereits bei über 44 000 Personen Anklang, besonders in der Romandie, wie die Karte zeigt.

Spender-Ziel noch nicht erreicht

Das Ziel von Bund und Kanton, bis Ende 2018 eine Rate von 20 Organspendern pro Million Einwohner zu erreichen, wurde 2018 knapp verpasst, wie bei Swissplant weiter nachzulesen ist. Doch konnte diese Zahl von 13,7 im Jahr 2013 auf 18,6 Organspender pro Million Einwohner gesteigert werden.

2018 wurden Organe von 158 Spendern nach deren Tod transplantiert. 440 Patientinnen und Patienten konnten davon profitieren. Zugleich standen 1412 Patienten auf der nationalen Organwarteliste, zwölf davon stammten aus dem Kanton Glarus.

Volksinitiative ist lanciert

Um die Spenderate in der Schweiz weiter zu erhöhen, hat die Stiftung Junior Chamber International (YCI) 2017 die Volksinitiative zur Förderung der Organspende lanciert. Das Ziel ist eine Verfassungsänderung, die jeden Erwachsenen im Todesfall zum potenziellen Organspender macht – es sei denn, er hat seinen Widerspruch zu Lebzeiten in ein offizielles Register eingetragen.

Das Prinzip, das auch als Widerspruchslösung bezeichnet wird, wird bereits in vielen europäischen Staaten praktiziert. Ein Blick auf die Statistik des internationalen Registers für Organspende und Transplantationen von 2014 (irodat.org) zeigt, dass Länder wie Spanien, Kroatien oder Belgien, welche alle die Widerspruchslösung praktizieren, eine deutlich höhere Spenderrate als die Schweiz aufweisen. Spanien hatte 2014 mit über 35 Organspender pro Million Einwohner weltweit sogar die höchste Spenderrate und damit eine mehr als doppelt so hohe Rate wie die Schweiz. Swisstransplant unterstützt die Volksinitiative der JCI offiziell auf ihrer Webseite.

Kommentar schreiben

Kommentar senden