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Der Zwicker denkt über das «Weltwoche»-Editorial nach

Roger Köppel habe halt viel zu tun und deshalb nicht viel Zeit, über seine Aussagen nachzudenken, mutmasst Frédéric Zwicker.

Linth-Zeitung
Dienstag, 05. Februar 2019, 11:06 Uhr Der Zwicker
Frédéric Zwicker hält nicht viel von Roger Köppels aktuellem Editorial.
PRESSEBILD

von Frédéric Zwicker

Er sei so intelligent, heisst es von Roger Köppel immer wieder. Ich bin absolut überzeugt, dass er das ist. Aber vielleicht macht der Verleger und Journalist und Nationalrat und Redner und Ständeratskandidat ein bisschen zu viele Sachen gleichzeitig. Drum bleibt ihm manchmal nicht so viel Zeit für seine Gedanken und Aussagen. Und dann denkt jemand plötzlich fälschlicherweise, Roger Köppel sei gar nicht so intelligent, wie es immer wieder heisst.

Ich habe schon einmal über sein «Weltwoche»-Editorial geschrieben. Damals, als er forderte, in der Fussballnationalmannschaft müssten weniger «Balkan-Söldner» und «eingeschweizerte Afrikaner» spielen, bevor er sich zum Schluss empörte, weil Trainer Petkovic Albian Ajeti und Kevin Mbabu – einen Kosovaren und einen halben Kongolesen – noch immer nicht in die Mannschaft geholt hatte. Wenn er bei der Sache gewesen wäre, hat man sich gedacht, dann hätte sein gewaltiger Intellekt den Widerspruch bestimmt erkannt.

Jetzt habe ich wieder einmal ein Editorial von ihm gelesen. Und siehe da: Wieder hätte ich keinen besonders klugen Federführenden vermutet, wenn der Artikel nicht mit Roger Köppel unterschrieben gewesen wäre. Diesmal hat er sich den Feminismus vorgenommen. Wenig überraschend: Er ist dagegen.

«‘Frauen leben ihre Rivalitäten giftiger, ja tödlicher aus als Männer.’»

Als Aufhänger nimmt er das Model Emily Ratajkowski. Ein Satz lautet: «Die 27-jährige England-Polin sieht tatsächlich umwerfend aus, extrem sexy, und man merkt ihr an, dass sie jedes Bild, das irgendwo von ihr erscheint, durch speziell aufreizende Posen noch aufregender macht, als es ohnehin schon wäre.»

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Sie mache jedes Bild noch aufregender, «als es ohnehin schon wäre». Tatsächlich bemerkenswert. Da wollte ein Fotograf doch nur ein hübsches Bild fürs Familienalbum schiessen, und das Model hat so schnell die Kleider fallen lassen und sich in eine erotische Pose geworfen, dass das Bild am Ende viel aufregender war als eigentlich geplant.

Es finden sich viele Perlen im Text. Aus Platzgründen die schönste: «Frauen leben ihre Rivalitäten giftiger, ja tödlicher aus als Männer. Wer daran zweifelt, soll das Machtgerangel zwischen Maria Stuart und Königin Elisabeth studieren.» Also, verehrte Leserin, verehrter Leser: Frauen sind für mehr Gewalt verantwortlich als Männer. Das Beispiel von Maria Stuart und Elisabeth aus dem 16. Jahrhundert sollte Ihnen als Beweis genügen.

Sie und ich, wir denken uns: Was ist mit Hannibal, Alexander oder Karl dem Grossen, Hitler, Stalin, Putin, Netanjahu, Hussein, Bush, Trump, Xi Jingping, Ahmadinedschad, Rohani, Assad und vielen anderen, die für vergangene und aktuelle Gräueltaten verantwortlich waren?

Wenn Ihnen und mir aber fast ausschliesslich Männer in den Sinn kommen, die Kriege angezettelt haben, liegt das vielleicht schlicht daran, dass wir einfach keine Köppels sind. Denn der ist wahnsinnig intelligent.

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