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Das Glück des Wintersportlers liegt auf gemieteten Brettern

Mieten statt kaufen: Weil es viele Schneesportler nur hin und wieder auf die Piste zieht, ist der Verkauf von Ski- und Snowboardausrüstung rückläufig. Gefragt ist Material für die Trends «Freestyle» und «Freeride».

Ramona
Nock
Montag, 04. Februar 2019, 17:31 Uhr Statt kaufen
Abseits der Piste: Freeriden liegt im Trend.
BILD SKISCHULE FLUMSERBERG

Totgeglaubte leben länger. Dem Snowboard, Trendsportgerät der 90er-Jahre, wird schon seit geraumer Zeit der Untergang prophezeit. Doch das Brett, dem ursprünglich der Ruf des Rebellensports anhaftete, lässt sich auf der Piste nicht durch Ski verdrängen – jedenfalls nicht komplett. Dies sagen Fachleute aus Wintersportgeschäften und umliegenden Skigebieten.

Snowboard als Nischenprodukt

Im Geschäft mit den Brettern für die weisse Pracht hat sich einiges verändert in den letzten Jahren: Ski, Stöcke und Snowboards gehen längst nicht mehr «en masse» über die Ladentheke. Grund: Die meisten mieten ihre Ausrüstung lieber, als dass sie das teuere Material kaufen. «Der Anteil jener, die Ski oder Snowboards ausleihen, ist deutlich gestiegen», heisst es etwa im Sportgeschäft Tower Sports in Rapperswil. Die Erklärung liefert Markus Laimbacher gleich nach: Sogenannte «Vielfahrer» seien seltener geworden. Jene also, die das Hobby Ski oder Snowboard intensiv betreiben und die es fast jedes Wochenende auf die Piste zieht. Stattdessen seien viele Wintersportler zu «Gelegenheitsfahrern» geworden. Die Bretter, welcher Art auch immer, zu mieten, sei für jene Personen attraktiver.

Was Snowboards angeht, gehört Tower Sports Rapperswil zu den wenigen Sportgeschäften der Region, die noch immer ein breites Sortiment anbieten. «Snowboards sind bei uns immer noch ein wichtiges und attraktives Segment», sagt Laimbacher. Im Trend sind derzeit etwa sogenannte Split-Boards: Snowboards, die für den Aufstieg auf den Berg in zwei Hälften geteilt und für die Abfahrt wieder zusammengebaut werden.

Ein Brett auf Talfahrt

Das Snowboard sei zum Nischenprodukt geworden, sagt Laimbacher. Viele Grossverteiler wie Ochsner Sport, Manor oder Athleticum hätten aufgegeben und würden nur noch wenige Modelle verkaufen. «Der Anteil an Mitbewerbern ist geschrumpft.» Davon würden kleine Anbieter profitieren, die dennoch in das Produkt investierten. «Der Kuchen ist zwar kleiner geworden, aber weil weniger Anbieter etwas davon wollen, ist der Rückgang bei den Snowboards für uns weniger dramatisch als auf dem allgemeinen Markt», fasst Laimbacher zusammen.

Schweizweit sind die Snowboard-Verkäufe in den letzten Jahren drastisch eingebrochen: Rund 120 000 Stück verkauften Boardshops um die Jahrtausendwende pro Jahr – danach ging es abwärts. Dies zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK. In der letzten Saison gingen noch knapp 20 000 Bretter über die Ladentheke – ein Sechstel des einstigen Spitzenwerts.

Für Kinder nur mieten

Im Sportgeschäft Gmür in Amden, das unweit vom Skigebiet Arvenbüel liegt, erlebt das Snowboard entgegen dem nationalen Trend ein kleines Revival: Inhaber Niklaus Gmür, selber «überzeugter Snowboarder seit 25 Jahren», beobachtet, dass dieses Jahr wieder mehr Kinder und auch Erwachsene nach dem Sportgerät fragen. «Vielleicht ist es denen auf den Ski wieder zu langweilig geworden?», frotzelt er. Zehn verschiedene Board-Modelle bietet er aktuell in seinem Laden an.

«Snowboards haben wir schon seit einigen Jahren nicht mehr im Sortiment»
Peter Kuster, Sportgeschäft Gmür, Amden

Anders klingt es im Sportgeschäft Kuster in Schmerikon. «Snowboards haben wir schon seit einigen Jahren nicht mehr im Sortiment», sagt Inhaber Peter Kuster. Lediglich zum Vermieten seien noch einige wenige Modelle vorhanden. Viel mehr gefragt seien stattdessen Allround Carver, einfach zu beherrschende Carving-Ski, die sich sowohl für Einsteiger als auch für sportliche Skifahrer eignen. Auch Kuster macht die Erfahrung, dass die meisten Kunden ihre Ausrüstung lieber mieten statt kaufen. Bei ihren Kindern setzen gar 99 Prozent der Kunden auf geliehene Bretter.

Trend zum «Freestyle»

Im Skigebiet Flumserberg werden Snowboardkurse zwar nach wie vor gebucht, sagt Schulleiter Vali Gadient, jedoch kaum mehr von Erwachsenen. «Erwachsene sitzen ungern lange auf dem Boden», erklärt er. Der aktuelle Trend lasse sich mit dem Schlagwort «Freestyle» beschreiben: coole Kniffs wie Drehungen und Sprünge auf einem oder zwei Brettern, zum Beispiel im Snowpark. Der Trend sei erst von den Ski zum Snowboard und nun wieder auf Ski übergeschwappt, beschreibt er die Entwicklung. Aktuell seien etwa «Twintips» sehr beliebt: Ski, bei denen sowohl das Vorder- als auch das Hinterende nach oben gebogen ist.

Lawinengefahr einschätzen

Ein grosser Trend der letzten Jahre ist auch das «Freeriden», also das Fahren durch unberührten Schnee abseits der Piste, mit Sprüngen über natürliche Hindernisse. Bereits für Jugendliche gibt es entsprechende Kurse in der Swiss Snow Academy in den Flumserbergen. Dort werden die Teilnehmer unter anderem auf das Thema Gefahr durch Lawinen sensibilisiert.

«Wer sich abseits der Piste begibt, muss in jedem Fall grösste Vorsicht walten lassen sowie über eine entsprechende Ausbildung und Erfahrung verfügen», betont Schulleiter Vali Gadient. Entsprechendes Wissen könnten sich Erwachsene in der Ausbildung zum Ski- oder Snowboardlehrer, zum Tourenleiter SAC oder zum Bergführer aneignen.

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