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Wiedersehen nach sechs langen Jahren

Wiedersehen nach sechs langen Jahren

Sechs Jahre lang hat die kleine Joyce ihren in Kanada lebenden Götti nicht mehr gesehen. Wie gut gibt es das Südostschweiz-Christkind, denn als Weihnachtsgeschenk haben wir ihn extra in die Schweiz eingeflogen.

Südostschweiz
vor 2 Jahren in
Aus dem Leben

Text von Daria Joos

«Was würdest du dir wünschen, wenn jetzt ein Stern vom Himmel fiele?» Das fragte Mirta Hagmayer ihre achtjährige Enkelin Joyce Anfang Dezember auf einem Abendspaziergang, als die beiden in den Sternenhimmel schauten. «Das funktioniert nicht», antwortete Joyce, «sonst wäre mein Götti hier.»

Plötzlich im Scheinwerferlicht

Und dann, wenige Tage später, steht Götti Evan Brothers tatsächlich vor Joyce. 48 Stunden lang ist er von Calgary nach Andeer gereist, um sein Göttichind zu besuchen, das er sechs Jahre nicht gesehen hat. Doch Joyce erkennt ihren Götti vorerst nicht.

Joyce hat nämlich ganz andere Dinge im Kopf. Kaum von der Schule nach Hause gekommen, klingelt es, und ein sechsköpfiges Fernsehteam steht vor ihrer Tür. «Wir ziehen von Haus zu Haus und fragen Kinder nach ihren Weihnachtswünschen», sagt die Frau mit dem Mikrofon. «Dürfen wir reinkommen?»

Kurz darauf sitzt Joyce mit ihrer Mutter Ursina Parent am Wohnzimmertisch, sechs fremde Gesichter betrachten sie. Joyce ist nervös, immerhin sind zwei Kameras und ein Scheinwerfer auf sie gerichtet. Doch ihre Mutter ermuntert sie, mitzumachen.

Die Moderatorin fragt sie, wie sie das Weihnachtsfest feiere, wer alles zu Besuch komme und was sie sich wünsche. Zögerlich beantwortet Joyce die Fragen. Die ganze Familie feiere jeweils zusammen. «Hast du auch Gotte und Götti? Und wo wohnen sie?», fragt die Moderatorin.

Zwei Überraschungen aus Kanada

Ihr Götti wohne in Calgary, in Kanada, erklärt Joyce. «Ich sehe ihn nicht viel.» Das finde sie schade. Auf die Frage, was sie sich von ihm wünsche, antwortet Joyce: «Ein Hemd.» Sie macht grosse Augen, als das Fernsehteam ihr schon drei Wochen vor Weihnachten ein Geschenk überreicht – von ihrem Götti aus Kanada.

Begeistert reisst Joyce das Päckli auf: eine rot-schwarz karierte Jacke kommt zum Vorschein. «Uuuuh», macht das Mädchen glücklich. Joyce wird aufgefordert, eine Dankesbotschaft in die Kamera zu sagen. «Danke, danke, danke», sagt sie strahlend.

Die Überraschung scheint geglückt. Sie ist aber nur Tarnung für die zweite, noch viel grössere Überraschung.
«Das ist aber noch nicht alles», verkündet die Moderatorin. «Dein Götti ist nämlich hier. Siehst du ihn?» Mit weit aufgerissenen Augen sucht Joyce nach dem bekannten Gesicht. Sie sieht lauter Menschen, die sie nicht kennt. Bis sich der Mann hinter dem Scheinwerfer die Brille und die Perücke vom Kopf reisst. Da endlich erkennt Joyce ihren Götti und fällt ihm um den Hals.

Alles nur Tarnung

Joyce ist überwältigt. Nach und nach wird ihr erklärt, wie es zu dieser Überraschung gekommen ist. Das Fernsehteam ist das «Südostschweiz»-Christkind und wollte den Wunsch von Joyce erfüllen. Dazu hat das Christkind Evan Brothers einfliegen lassen und ihn als Teammitglied verkleidet. Der TV-Beitrag über die Weihnachtswünsche war also nur gestellt, damit die Überraschung gelingt.

Ursina Parent hatte den Wunsch ihrer Tochter an das «Südostschweiz»-Christkind geschickt. «Joyce hat jeden Abend gebetet, dass ihr Götti sie besuchen kommt», erzählt die Mutter. Nun ist ihr Traum wahr geworden.

Wünsche werden wahr

Ihr sei schon «das Herz in die Hose gefallen», gibt Joyce im Nachhinein zu. Und auch ihr Götti war aufgeregt. «I was both nervous and excited», beschreibt der Kanadier seinen Gefühlszustand.

Vier Tage lang bleibt Evan Brothers in Andeer. Neben dem Wiedersehen mit Joyce habe seine Reise noch einen Bonus: «I love Switzerland!», sagt er. Joyce strahlt und hält ihren Götti fest. Sie weiss jetzt: Manchmal brauchen Sternschnuppen nur etwas Zeit.

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