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Eigenständiges Wohnen ist keine Selbstverständlichkeit

Am Montag stehen Menschen mit Behinderung und ihre Anliegen im Fokus der Öffentlichkeit. Denn es ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Wir haben bei der Argo Stiftung nachgefragt, wie die Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung dort aussehen.

Südostschweiz
Montag, 03. Dezember 2018, 04:30 Uhr Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung
Chur
So könnte ein Zimmer im Wohnheim der Argo in Chur aussehen.
ARCHIVBILD

Am 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Unter dem Motto «Mein Leben, meine Wahl» geht es um das Recht von Menschen mit Behinderungen, ein autonomes und selbstbestimmtes Leben mit Dienstleistungen und Hilfsangeboten nach individuellem Bedarf zu führen, wie die Pro Infirmis, Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, auf ihrer Homepage schreibt.

Wohnsituation ist schwierig selber zu bestimmen

Selber über sein Leben zu bestimmen, selber zu entscheiden, wo und wie man wohnt. Für Viele ist das selbstverständlich. Aber für viele Menschen mit Behinderungen bleibt das oft ein Wunsch. Gemäss einer Mitteilung von Insieme Schweiz ist es für Menschen, die eine IV-Rente beziehen, schwierig überhaupt einen Mietvertrag für eine eigene Wohnung zu erhalten. Zudem mangle es an Angeboten für eine Wohnbegleitung. Es gebe Hürden, die es Menschen mit geistiger Behinderung schwierig machen würden, selbst zu wählen, wie und mit wem sie wohnen wollen. Auch Pro Infirmis schreibt, dass einige Menschen mit Behinderungen in einem Heim von grossen Teilen von der Gesellschaft ausgeschlossen seien und sich keine ihren Bedürfnissen angepasste  Wohnung leisten können.

Wir haben bei der Bündner Institution Argo nachgefragt, wie das Wohnen von Menschen mit Behinderungen dort gehandhabt wird.

«Bei der Argo gibt es zum Beispiel Aussenwohngruppen in der Stadt», sagt Reto Parpan, Leiter Marketing und PR bei der Argo. Dort hätten die Klientinnen und Klienten in einem Wohnblock eine ganz normale Wohnung gemietet. In dieser Wohnung würden sie zu viert oder zu fünft in einer Wohngemeinschaft wohnen und seien im Wohnblock selber voll integriert.

«Wie in einer Familie»

In einem Wohnheim dagegen wohnen oft jene Klienten, die stärker beeinträchtigt sind und mehr Betreuung brauchen, wie Parpan erklärt. Sie seien im Wohnheim der Argo auch Teil in verschiedenen Wohnungen oder Wohngruppen und würden in einer Gemeinschaft wohnen. Die Freizeitaktivitäten würden immer aktiv gestaltet. Beispielsweise gehe man auf Märkte. «Es ist wie in einer Familie auch. Am Morgen und am Abend ist man in der Wohnung und die Freizeit gestaltet man nach aussen, mit anderen zusammen», so Parpan.

In der Wohnschule selbständig Wohnen lernen

Wenn man nicht miteinander auskomme oder es Reibereien gebe, dann werde das ausdiskutiert. «Es kann auch sein, dass jemand sagt, er wolle hier nicht wohnen, dann wechselt man die Wohngruppe oder schaut dass es irgendwie aufgeht», erklärt Parpan weiter. «Es ist nicht so, dass sie da sein müssen». Alles sei natürlich freiwillig. Auch wenn jemand lieber alleine wohnen wolle. Bei der Argo gibt es dafür die Form der Wohnschule. Dort lerne man selbstständig zu wohnen mit dem Ziel, selber eine Ein- oder Zweizimmerwohnung haben zu können, die ebenfalls betreut werde.

Eine weitere Wohnform sei das begleitete Wohnen. Dort leben die Klienten total selbstständig und werden ein bis zwei Mal in der Woche von einer Betreuungsperson begleitet, wenn es beispielsweise um finanzielle Dinge oder die Steuererklärung geht, wie Parpan sagt.

Ein Fond für die Freizeitaktivitäten

Es werde immer versucht, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen, diese zu fördern und stärken. «Die Argo hat einen Freizeitfond. Das ist ein Fond aus Spendengelder und Unterstützungsbeiträgen», so Parpan. Dieser sei nur für die Freizeit der Klientinnen und Klienten gedacht. «Wenn ein Klient selber nicht die Gelder hat, sich beispielsweise Ferien zu leisten, dann wird das mit dem Freizeitfond möglich gemacht», erklärt Parpan.

Auch wenn jemand beispielsweise das Bedürfnis habe, ein Instrument zu spielen, könne das aus diesem Fond finanziert werden. Ob Frühlings-, Herbst- oder Sommerferien, die Freizeitgestaltung werde soweit möglich gemacht  unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten, die der einzelne Klient habe.

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SO schreibt:
"Selber über sein Leben zu bestimmen, selber zu entscheiden, wo und wie man wohnt. Für Viele ist das selbstverständlich."
«Mein Leben, meine Wahl» es gehe um das Recht von Menschen mit Behinderungen, ein selbstbestimmtes Leben nach individuellem Bedarf zu führen, wie die Pro Infirmis, Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, auf ihrer Homepage schreibt.
"Ich schreibe:
WER beantwortet mir die Frage (und warum erlebe ich bei allen angeblich "sozialen" Institutionen nur Schulterzucken, inklusive Pro Infirmis):
Welcher Gesunde (Nichtmillionär) kann entscheiden, ob er ohne Dauerlärm wohnt, erst recht welcher Kranke/Schwache kann das? Den obigen Artikel finde ich falsch, weil er einen wesentlichen Teil der Behinderten AUSGRENZT, diskriminiert, nichtinkludiert, im Stich lässt!
https://wohnengesundheit.webnode.com/
Wenn in Mieterumfragen (z.B. Comparis.ch und Migrosmagazin) Lärm zuoberst auf der Sorgenliste steht, wenn gemäss DIE WELT jährlich 10 Millionen Europäer nur wegen Nachbarnlärm umziehen (eine hohe Dunkelziffer bleibt und leidet; zudem: welcher der Umziehenden kommt nicht vom Regen in die Traufe, ein User schreibt, am neuen Ort sei es noch lauter, es sei Russisches Roulette, es bleibe nur die Einöde, während ich frage, "wo ist das?" und als einzige - und sehr einfach zu verwirklichende - Lösung Fraktionierung/Melioration vorschlage: Häuser/Siedlung ausschliesslich für Ruhige, null Laubbläser - so war es in meinem Quartier früher, Quod erat demonstrandum, aber inzwischen das ganze Jahr täglich oft bis neun Stunden Laubbläser "Beschäftigungstherapie " gegen Gesundheit Dritter), um wie viel mehr benötigen das dann Chronischkranke wie Hirnschlag, Herzkranke, Dauerkopfschmerzen etc., warum sehe ich NIEMAND in GR bzw. CH der hilft?
"Auf Grabsteinen steht: "Ruhe in Frieden" - Warum nicht bereits zu Lebzeiten?"
(Aus meinem Leserbrief im Ktipp.)
"See how nature - trees, flowers, grass - grows in silence?
See the stars, the moon, and the sun, how they move in silence?
We need silence to be able to touch souls."
Mother Teresa