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Hanspeter Latour: Mit sechs Pfeilern das Leben meistern

Die Lebensstrategie der Trainerlegende heisst «Träume wahr werden lassen». An einer Podiumsveranstaltung verrät er den Glarnern, wie das auch ihnen gelingen kann.

Lisa
Leonardy
Donnerstag, 29. November 2018, 04:30 Uhr Lebensstrategien
Wortgewaltig: Zwischen (von links) Olgi Jutzeler und Chantal Cavin spricht Kulttrainer Hanspeter Latour (Mitte) unterhaltsam von seiner Lebensstrategie.
FRIDOLIN RAST

Es sind sechs grosse Pfeiler, die dazu geführt haben, dass die Träume von Fussballtrainer Hanspeter Latour wahr geworden sind. Welche das sind, hat er den Glarnern am Dienstagabend in einem Vortrag verraten. Eingeladen hatte Pro Senectute Glarus, die mit Pro Infirmis Glarus, Alzheimer Glarnerland und dem Roten Kreuz eine Podiumsveranstaltung zum Thema «Lebensstrategien» veranstalteten.

Parat sein, wenn das Glück vorbeikommt

Der erste Pfeiler für Latour heisse Begabung und Fleiss. Dem rund 300-köpfigen Publikum erzählte er von seinem Traum, sich vom Balljungen zum Nationalliga A-Spieler zu entwickeln. Von seinem Ziel, Profitrainer zu werden, und seiner Vision vom internationalen Fussball. Er habe immer eine klare Vorstellung davon gehabt, was er möchte und das auf einem Blatt mit Skizzen festgehalten.

«Versuchen Sie, die Möglichkeiten zu sehen, nicht die Schwierigkeiten.»

«Doch Begabung und Fleiss allein reichen nicht aus, um Träume wahr werden zu lassen», sagt Latour. Dafür brauche es einen weiteren wichtigen Pfeiler: Mut. Dieser müsse mit Fleiss kombiniert werden, was oft nicht einfach sei. Denn fleissigen Menschen würde häufig der Mut fehlen, etwas zu wagen, beispielsweise eine gute Arbeitsstelle aufzugeben, wenn der dritte wichtige Pfeiler vorbeikommt – das Glück. Wer dagegen fleissig und mutig ist, der sei parat, wenn das Glück vorbeischaue.

Träume nicht vorschnell aufgeben

Neben den drei Pfeilern braucht es vor allem auch Leidenschaft und Beharrlichkeit: «Nicht jeder ist ein Senkrechtstarter. Deshalb sollte man seine Träume nicht zu schnell aufgeben», so Latour.

Zu seiner Lebensstrategie gehörte auch immer, die Möglichkeiten zu sehen – nicht die Schwierigkeiten. «Letztere kommen dann schon von allein», fügte er an.

Nicht nur für sich, sondern auch für seine Teams galten dann drei weitere Pfeiler: «Wir müssen uns ganz klar werden, was wir wollen, uns orientieren», so Latour. Dann müsse man sich oder die Mannschaft motivieren können und letztlich auch organisieren. «Damit meine ich, dass man dran bleibt. Dass man überlegt, wie kann man das Erreichte beibehalten.»

Abhaken und vorwärtsschauen

Was Niederlagen angeht, so rät Hanspeter Latour dem Publikum, sich nicht zu lange damit aufzuhalten. «Man sollte sie nicht überanalysieren, sondern rasch abhaken, zurücklassen und nach vorne schauen. Dazu erzählt er seine Waschanlagen-Anekdote: «Nach einer schweren Niederlage des FC Thun gingen wir eine Runde laufen. Als wir an einer Waschanlage vorbeikamen, liess ich die Spieler spontan da durchlaufen. Sie sollten das Vergangene abspülen, zurücklassen und wieder vorwärtsblicken.»

Auch er selbst habe vor nicht allzu langer Zeit etwas zurückgelassen. Mit 67 Jahren entschied er sich, in Rente zu gehen – verschwand sang- und klanglos von der Bildfläche. Denn: «Ich hatte noch einen anderen Traum. Meinen Traum für die Rentnerzeit», erzählt der heute 71-jährige Berner.

Er träumte von einem naturnahen Garten mit grosser Biodiversität. «Wieder hatte ich genaue Vorstellungen davon – samt Skizze», erzählt Latour. Und er hatte auch ein damit verbundenes Ziel: «Ich wollte alle Tiere, die im Garten und in dessen Umkreis leben, vor die Linse bekommen.» Er hat sich eine Fotokamera gekauft und verbringt heute teils Stunden damit, auf die Gartenbewohner zu warten.

Er berichtet den Glarnern vom «grossen Glücksgefühl», das sich einstellt, wenn sich das Mauswiesel nach zwei Stunden still sitzen endlich wieder vor seinen Bau traut und er den Kameraknopf drücken kann. «Da fühle ich mich dann fast wie in der Champions League der Fotografen», sagt er. In seinem alten Job sei er irgendwann nicht mehr besser geworden. «Im Garten dagegen habe ich noch jeden Tag die Chance, besser zu werden. Das ist unheimlich motivierend.»

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