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Eine gute Nacht fürs Publikum

Eine gute Nacht wird im Theater Glarus nicht nur dem Publikum gewünscht. Im Schützenhaus inszeniert es das Stück «Gute Nacht, Frau Engel».

Südostschweiz
28.10.18 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Jaqueline Hänggi und Franz Schönwiese (Noemi und Maurizio Piva)
Jaqueline Hänggi und Franz Schönwiese (Noemi und Maurizio Piva)
NATASHA LANZ

von Natasha Lanz

«Gute Nacht, Frau Engel!», verkündet Emma Hänggi entnervt und versucht, genannte Frau Engel aus ihrem Haus zu verbannen. Das Haus, welches eigentlich ein minimalistisches Bühnenbild ist, steht im Inneren des Schützenhauses in Glarus, wo das Theater Glarus jedes Jahr ein Theaterstück vorträgt. Das diesjährige Stück heisst «Gute Nacht, Frau Engel». Die Komödie feiert heute Samstagabend ihre Premiere – nach etlichen auch kostümierten Proben.

Angelehnt an einen Schwarz-weiss-Film, steht, in der Mode der Zwanziger gekleidet, das zehnköpfige Ensemble auf der Bühne und spielt die Geschichte der Familie Hänggi und einem verhängnisvollen Besuch von Frau Engel.

Hochzeit als Rettung

«Kannst du bei deiner Verbeugung bitte nicht den Rock anheben? Das passt nicht zum Kleid», erklärt Eva Mann beim Üben der Verbeugungen. Es ist 22 Uhr, und die Probe am Mittwochabend geht langsam zu Ende. «Morgen müssen wir noch einmal den Text auf Seite 62 anschauen», fügt sie hinzu. Mann ist die Regisseurin des Stückes. Es ist die erste Zusammenarbeit mit dem Theater Glarus und der professionellen Regisseurin.

Das Stück ist eine Adaption des englischen Theaterstücks «Good Night Mrs. Puffin», welches hier auch als «Gute Nacht Frau Seeholzer» bekannt ist. Die romantische Komödie spielt in der Inszenierung des Theaters Glarus in den Goldenen Zwanzigern. In Glarus lebt die Familie Hänggi, mit einer Firma nahe am Konkurs. Vater Heini versucht darum, seine Tochter Jacqueline mit dem Sohn des erfolgreichen Stefan Habertür zu verheiraten und so eine Firmenfusion zu erreichen. Der Plan wird aber vereitelt, als Frau Engel das Haus der Familie Hänggi betritt.

Die extravagante Frau Engel wird von Rosemarie Hegner gespielt, die eigentlich keine Schauspielerin ist. «Ihre Tochter ist bei uns», erzählt Wilma Klauser, Mitglied des Theaters Glarus, die aber nicht im Stück mitspielt. «Rosemarie war bei einem Probesamstag dabei und bekam die Rolle.» Frau Engel, die von der 79-jährigen Hegner gespielt wird, hat einen hellseherischen Traum, in dem die Hochzeit der Hänggis nicht stattfindet, und will die Familie davor warnen. Die Hänggis wollen davon aber nichts wissen, die Eltern, Heini und Emma, gespielt von Hanspeter Toggenburger und Rita Schnyder, versuchen, sie aus dem Haus zu werfen.

Eine technische Vielfalt

Die Komödie erzeugt durch den Charme der hellseherischen Frau Engel und die fast cholerischen Reaktionen der Eltern Hänggi viele Lacher. Diese werden durch den ebenso aufbrausenden Stefan Habertür und den eher zurückhaltenden Sohn, gespielt von Rolf Blumer und Marco Lan-dolt, noch verstärkt. Ein Gegenpol sind die Geschwister Jacqueline und Denise (Noëmi Mann und Sarah Engler), die während der ganzen Situation ruhig bleiben, obwohl Jacqueline einer zerstörten Hochzeit entgegenblickt. Abgerundet wird das Ensemble vom vorlauten Bruder Nicki Hänggi (Fabian Züger), der französischen Magd Marie (Corinne Heer) und Franz Schönwies (Maurizio Piva), dessen Auftauchen im wahrsten Sinn Farbe in die schwarz-weisse Welt der Hänggis bringt.

Das Stück zeigt technische Vielfalt: Der Übergang zwischen den Akten verläuft mithilfe von projizierten Stummfilmen, auch Schattenspiele werden verwendet, um die Geschichte zu erzählen. Begleitet wird das Stück vom Pianisten David Kobelt aus Obstalden, für den es die erste Theaterbegleitung ist.

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