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Gebärden lernen ist fast wie Chinesisch lernen

Der erste Bündner Tag der Gebärdensprache findet heute Samstag im Restaurant «B12» in Chur statt. Dies haben wir als Anlass genommen, mit Oceana Galmarini zu sprechen. Sie ist als Hörende mit der Gebärdensprache aufgewachsen und gibt uns einen «Crash-Kurs» in Gebärdensprache.

Seraina
Zinsli
Samstag, 27. Oktober 2018, 04:30 Uhr Bündner Tag der Gebärdensprache
Oceana Galmarini zeigt uns ein Paar Gebärden.
SERAINA ZINSLI

Laut einer Medienmitteilung wird der Bündner Tag der Gebärdensprache von der Bildungsstätte für Gehörlose, Taube und Schwerhörige «Genossenschaft Fontana Passugg» organisiert, die gleichzeitig ihr 25-Jahr-Jubiläum feiert. Mit dabei wird auch der Snowboarder Nevin Galmarini sein. Er ist als Sohn gehörloser Eltern aufgewachsen und wird im Churer Restaurant «B12» eine Autogrammstunde geben.

Oceana Galmarini ist auch mit Gebärdensprache aufgewachsen. «Ich habe sie gelernt, wie alle anderen auch eine Sprache lernen», erklärt sie. Ihre Eltern haben mit ihr von Klein an Gebärdensprache gesprochen. Da sie mit älteren Geschwistern aufgewachsen ist, konnte sie Deutsch und Gebärdensprache parallel lernen.

Fast wie Chinesisch

Einerseits sei es eine komplett andere Sprache. «Wahrscheinlich ist es so, wie beispielsweise Chinesisch zu lernen». Es ist keine lateinische Sprache, die man ableiten kann. Aber andererseits gebe es viele Zeichen als Gebärde, die einfach Sinn machen. Trotzdem sei die Sprache ganz anders aufgebaut. Satzstellungen und Satzbau sind völlig anders, als wir sie kennen.

Lippenlesen ist oft die einzige Chance

Wenn man Gebärdensprache spricht, ist besonders die Mimik wichtig. Galmarini sagt: «Die Mimik ist wie der Ton. Man drückt alles aus, was wir mit der Stimme machen. Also zum Beispiel Ironie, Wut, Witz und Freude.» Die Betonungen mit dem Mund unterstützen dann das Ganze.

Für Menschen, die keine Gebärdensprache beherrschen und sich mit einer gehörlosen Person unterhalten, sei es wichtig, Hochdeutsch zu sprechen. Denn auch die Gebärdensprache basiert auf Hochdeutsch. Ausserdem müsse man sehr deutlich sprechen, da Lippenlesen die einzige Chance der Gehörlosen ist, die anderen zu verstehen.

Ein kleiner «Crash-Kurs»

«Ich höre selber sehr oft, dass Leute die Gebärdensprache erlernen wollen. Das finde ich herzig», sagt Galmarini. Es sei wahrscheinlich etwas, das man nicht alltäglich auf der Strasse sehe. Und wenn man es sehe, dann fasziniere es wahrscheinlich einfach.

Deshalb hat sie uns einen kleinen «Crash-Kurs» in Gebärdensprache gegeben und übersetzt einige Sätze:

Hallo, mein Name ist Oceana.
Hallo, wie geht es dir?
Ich verstehe dich leider nicht. Kannst du mir das aufschreiben?
Vielen Dank!
suedostschweiz.ch

Der  Bündner Tag der Gebärdensprache findet im Brandissaal in Restaurant B12 von 10.30 bis 13.30 Uhr in Chur statt. Der Eintritt ist frei.

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