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«Wir brauchen keinen Reiseführer»

Hansjörg Goldener ist Stadtschreiber von Rapperswil-Jona. Als Chef der Verwaltung ist er über die Geschäfte der Stadt bestens informiert. Privat zieht es ihn oft ins Himalaja-Gebirge zum Trekking. Dort hat er auch sein Schmuckstück gefunden.

Jérôme
Stern
Sonntag, 14. Oktober 2018, 04:30 Uhr Serie Schmuckstück
Mit Leidenschaft und Glück: Das Amulett von Hansjörg Goldener bringt ihn sicher durch Trekkingtouren.
MARKUS TIMO RÜEGG

Hansjörg Goldener, was ist Ihr Schmuckstück?
Es ist ein buddhistisches Amulett aus Nepal. Ich habe es etwa vor vier Jahren gekauft, als wir um den Manaslu gelaufen sind. Das ist eine Trekkingtour, die noch relativ ursprünglich ist und auf der kaum Touristen unterwegs sind. Es ist eine wunderschöne Gegend. Unsere Trekkinggruppe kam sehr nahe an den über 8000 Meter hohen Manaslu heran.

Und wo genau haben Sie das Amulett erstanden?
Bei einer Familie am Anfang der Tour: Wir kamen in viele kleine Dörfer. Wo immer möglich, haben wir in diesen Dörfern etwas gegessen. Da kamen natürlich die Kinder vorbei und wollten etwas verkaufen. Und sie haben uns nach Medikamenten beispielsweise gegen Halsschmerzen gefragt.

Hatten Sie viele Kontakte?
Ja. Die Menschen im Himalaja sind generell sehr kontaktfreudig. Ich war neben Nepal schon in Tibet, Ladakh, Sikkim, Nordindien und Kaschmir – und habe überall dieselbe Erfahrung gemacht. In den Höhenlagen leben vor allem Buddhisten, es gibt viele Klöster, und es ist extrem schön, mit diesen Leuten Kontakt aufzunehmen.

Der Preis des Amuletts war wohl eher Nebensache ...
Der Preis ist bei solchen Dingen nie das Wichtigste. Für mich ist der Kauf ein Zeichen, dass man ihre Kultur schätzt. Ich kaufe sonst keine Souvenirs.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für Bergtouren entdeckt?
Zum Wandern im Gebirge kam ich durch meine Eltern: Wir waren in einem Alpenclub, in dem auch einige berühmte Bergsteiger dabei waren. Als Kind und Jugendlicher habe ich Bücher über Berge verschlungen. Schriften wie Heinrich Harrers «Sieben Jahre in Tibet» haben mich einfach fasziniert. Für mich war immer klar, dass ich Länder mit ihren schönen Bergen anschauen will.

Steigen Sie auch auf die Achttausender, wenn Sie im Himalaja trekken?
Nein. Wir gehen zu den Basislagern der Achttausender oder manchmal ein bisschen höher. Aber bei allen diesen Ländern sind zwei Dinge am schönsten: die Menschen und das lange Unterwegssein. Manchmal laufen wir drei Wochen, kommen in abgelegene Regionen.

Wie lange laufen Sie da täglich?
Im Schnitt ist man sieben Stunden unterwegs. Am Morgen steht man auf, dann kommen die Männer, die alles tragen. Man ist nur mit einem Tagesrucksack unterwegs. Was mir wichtig ist: Man geht in einem schönen Tempo und hetzt nicht durch die Landschaft, hat Gelegenheit, um unterwegs zu fotografieren. Man hat Zeit, die Landschaft aufzunehmen.

Wie passen Sie sich der Höhe an?
Wir schauen, dass wir mit der notwendigen Vorsicht unterwegs sind.

Was bedeutet das konkret?
Meine Regel ist, nicht mehr als 400 Höhenmeter zwischen zwei Nachtlagern zurückzulegen. Und wir schalten Ruhetage ein. Tagsüber steigen wir vielleicht auf einen Gipfel, aber kehren zum Übernachten zum Ausgangslager zurück. Wenn ich zweimal auf derselben Höhe übernachtet habe, habe ich mich daran gewöhnt.

Organisieren Sie die Reisen?
Ja, zumindest zum Teil. Wir gehen nicht mit einem Reiseführer aus der Schweiz, sondern suchen uns vor Ort einen Bergführer.

Jedes Wochenende stellen hier mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten aus der Region ihren Lieblingsgegenstand – sozusagen ihr Schmuckstück – vor.

Karriere in der Verwaltung
Hansjörg Goldener wurde 1963 geboren und wuchs in St. Gallen auf. Bei der dortigen Stadtverwaltung machte er eine Lehre und arbeitete danach als Grundbuchverwalter. Goldener war zwölf Jahre lang Stadtschreiber von Rorschach. Seit 2003 amtet er als Stadtschreiber von Rapperswil, respektive Rapperwil-Jona. Hansjörg Goldener ist verheiratet, ist kinderlos und wohnt in Rapperswil-Jona.

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