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«Dazu gehört die Anerkennung von sexueller Orientierung»

Katholische Jugendorganisationen aus dem deutschsprachigen Raum haben sich auf die Jugendsynode im Oktober vorbereitet und konkrete Vorstellungen von und Forderungen an die Kirche formuliert.

Südostschweiz
Montag, 10. September 2018, 10:40 Uhr Katholische Jugend fordert
Projekt Jugend@Kirche PK MK Jugendarbeit katholischen Landeskirche Graubünden Pastatalk Jugendliche
Claude Bachmann von der kirchlichen Jugendarbeit Graubünden nahm am Treffen der Kirchenjugend teil.
OLIVIA ITEM/ARCHIV

Nachdem die Katholische Kirche vergangene Woche wegen eines Schreibens des Churer Weihbischofs Marian Eleganti und der Bischofskonferenz in St. Gallen in den Schlagzeilen war, meldet sich am Montag die Jugend zu Wort. In einer gemeinsamen Erklärung fordern katholische Jugendorganisationen aus der Schweiz (und namentlich Graubünden), Deutschland, Österreich und Italien eine moderne, gesellschaftsnahe und aufgeschlossene Kirche.

Vertreter der kirchlichen Jugendarbeit haben sich im Vorfeld der Jugendsynode, die im Oktober stattfinden wird, getroffen und ein Papier mit Forderungen an die Katholische Kirche formuliert. Konkret benennen die Jungkatholiken fünf Themenfelder:

1. Akzeptanz und Integration  

  • «In der Jugend(verbands)arbeit ist es selbstverständlich, dass junge Menschen so angenommen werden, wie sie sind – verschieden und vielfältig. Dazu gehört die Anerkennung von sexueller Orientierung und Geschlechtervielfalt.»
  • «Eine Grundhaltung des Zuhörens erwarten wir uns von allen Akteur*innen der Kirche. Vorurteilsfreie Begegnungen ermöglichen einen Dialog, in dem alle voneinander lernen. Die Beteiligungsformate zur Vorbereitung der Jugendsynode waren hierzu auf weltkirchlicher Ebene ein erster Schritt. Gleichzeitig kann die Jugendsynode nur ein Auftakt für mehr Beteiligung junger Menschen in Kirche sein.»

2. Mitbestimmung und Macht

  • «Junge Menschen leben ihr Christsein bei uns selbstbestimmt und selbstorganisiert. Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen erwarten wir verbindliche Mitbestimmung in der gesamten Kirche. Bestehende Machtstrukturen des Klerikalismus müssen aufgebrochen, Entscheidungskompetenzen neu verteilt werden.»

3. Frauen in Ämtern der Kirche

  • «In der Jugend(verbands)arbeit achten wir auf die geschlechterparitätische Besetzung von Leitungsämtern. In der kirchlichen Hierarchie dagegen werden Führungspositionen vor allem von geweihten Männern besetzt, von der Ortsebene bis in den Vatikan. Wir begrüssen, dass diese Positionen zunehmend sowohl mit Laiinnen als auch Laien besetzt werden. Von der Jugendsynode erwarten wir, dazu beizutragen, dass die Zugangsvoraussetzungen für Weiheämter überdacht werden.»

4. Flüchtlingshilfe

  • «Jede*r Christ*in ist dazu aufgerufen, politisch aktiv zu sein und sich zu engagieren. Von der Jugendsynode erwarten wir, dass sie junge Menschen, die durch Gewalt, Verfolgung, Krieg, Terror und die Folgen des Klimawandels an der Gestaltung ihres Lebens gehindert werden, in den Mittelpunkt stellt.» 

5. Transparenz und Fehlerkultur

  • «Um glaubwürdig Kirche sein zu können, müssen Fehler eingestanden und Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden. Wir wollen eine Kirche mit transparenten Strukturen, die nicht in alten Mustern verharrt, sondern Wege in die Gegenwart findet.»

Zu den Verfassern dieser Erklärung gehört auch die Kirchliche Jugendarbeit der Katholischen Landeskirche Graubünden, die damit ein ganz anderes Weltbild propagiert als das Bistum Chur.

Die katholische Jugend fordert eine wichtigere Rolle innerhalb der Kirche ein. «Jungen Menschen müssen eigene Räume in Kirche zur Verfügung stehen, und es muss für sie eine Mitsprache in allen Angelegenheiten möglich sein», heisst es in der Mitteilung.

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