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Glarner Zivilschutz-Aufgebote sind spurlos verschwunden

Wo sind sie geblieben – die rund 50 Aufgebote der Glarner Zivilschutz-Organisation für den September-WK? Ihre Spur endet nach dem Drucker.

Martin
Meier
Sonntag, 09. September 2018, 04:30 Uhr Spurensuche
Verschollene Aufgebote – ein Einzelfall: Der Glarner Zivilschutz ist sonst, wie hier am Sound of Glarus, immer zur Stelle.
SASI SUBRAMANIAM

Es ist eine pazifistische Parole, die 1981 der Hamburger Designer Johannes Hartmann bekannt gemacht hat. Wie die weisse Taube auf blauem Grund gehört sein damals an die Wand gesprayter Satz längst fest zur Friedensbewegung: «Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.» Schön wärs – zu schön, um wahr zu sein.

«Wir wissen nur, dass wir die Aufgebote ausgedruckt haben.»

Dafür ist die Geschichte wahr, die sich dieser Tage in Glarus abgespielt hat: keinesfalls in einem gottverlassenen Hinterhof, irgendwo im «Getto» draussen, vielmehr im zentral gelegenen Zeughaus. Ausgerechnet am Ort, an dem militärische Ordnung zelebriert wird, spielt das erste und zugleich auch letzte verbriefte Kapitel dieser Novelle, an der Gottfried Keller seine helle Freude haben würde.

Und jetzt – «Achtung»: Stell dir vor, Zivilschützer müssen einrücken, und keiner geht hin. Um ein Haar wäre dies diese Woche passiert. Was ist geschehen?

Gerücht wird zur Wahrheit

Während eines zweitägigen Kader-Vorkurses (KVK) ist das Gerücht in Umlauf geraten, dass die Glarner Zivilschützer für den anschliessenden Wiederholungskurs (WK) kein Aufgebot erhalten hätten. So zumindest erklärt Pierre Weidmann, Zivilschutzkommandant ad interim, auf Anfrage den Ablauf der Ereignisse. «Wir haben daraufhin die Dienstleistenden kontaktiert und nachgefragt, ob sie ihr Aufgebot erhalten haben. Dem war leider nicht so», erklärt Weidmann weiter.

Den meisten Zivilschützern sei allerdings bewusst gewesen, dass sie Anfang September einrücken müssten. Denn: «Die Vorankündigung des Dienstplans haben wir wie immer Ende des vorangegangenen Jahres verschickt.» Und dieses scheint auch tatsächlich angekommen zu sein. Denn 90 Prozent der Dienstleistenden hätten den WK dann auch angetreten, sagen die Zivilschutzverantwortlichen.

Aufgebote bleiben verschollen

Womit die Frage noch nicht vom Tisch ist, weshalb die Zivilschützer kein Aufgebot erhalten haben. «Das weiss ich auch nicht», sagt Weidmann. «Wir wissen nur, dass wir die Aufgebote ausgedruckt haben. Das konnten wir in unserem Personal-Informations-System (Pisa) eruieren.» Nach dem Drucker verliert sich jedoch die Spur. Die Aufgebote bleiben bis heute verschollen.

Alles halb so schlimm: Dafür haben in diesem Jahr abgediente Glarner Zivilschützer ein WK-Aufgebot erhalten, obwohl sie keinen Dienst mehr leisten müssen – ausgleichende Ungerechtigkeit?

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