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«Mitfahren zu dürfen ist ein Highlight für einen Bündner»

«Mitfahren zu dürfen ist ein Highlight für einen Bündner»

Heute Abend und bis am Sonntag geht im Schanfigg das diesjährige Arosa Classic Car über die Bühne. Im Motorradfeld mit dabei ist auch der Flimser Stefan Gartmann mit seiner 88 Jahre alten Motosacoche C35.

Jano Felice
Pajarola
vor 2 Jahren in
Aus dem Leben
«Das wird Gut» Stefan Gartmann freut sich auf die Fahrt am Arosa Classic Car.
JANO FELICE PAJAROLA

Motosacoche. Die Tasche mit Motor. Auf den ersten Blick ein seltsamer Name für einen Motorradhersteller. Doch natürlich hat er seinen Grund. Ein Fahrrad-Hilfsmotor, wie eine Tasche in das Rahmendreieck eines Velos einsetzbar, so hat 1899 alles angefangen bei den Brüdern Henri und Armand Dufaux in Genf – doch aus der Idee, Fahrräder zu motorisieren, wurde bald mehr. Eines der Fabrikate von Motosacoche steht in Flims Waldhaus, im Garagen- und Carrosseriebetrieb von Stefan Gartmann. Und es ist bestens in Schuss, frisch ab Motorfahrzeugkontrolle, bereit für das Arosa Classic Car, das heute um 18 Uhr beginnt (siehe Kasten): eine Motosacoche C35, Baujahr 1930, Hubraum 500 Kubikzentimeter, Leistung 30 PS.

Lange um die Einladung bemüht

Genau elf Motorradfahrer haben heuer einen Platz bekommen im Starterfeld von Arosa. «Und ich habe mich lange bemüht um diese Einladung», erzählt Gartmann. «Dort mitfahren zu dürfen ist ein Highlight für einen Bündner» – und er ist notabene der einzige Einheimische, der es dieses Jahr in der Kategorie der Oldtimer-Töffs geschafft hat. Aber er stammt ja auch aus einer Familie, die das Benzin – oder im Fall der Motosacoche das Ethanol E85 – im Blut hat: Der Vater hatte unter anderem ein Transportgeschäft in Flims, Sohn Simon sorgte als Eisspeedway-Fahrer für Furore und Meistertitel. Mit Vater Stefan als Mechaniker, notabene.

«Angefangen hat es bei mir selbst als 16-Jähriger mit Töffli», erinnert sich Gartmann. «Ich habe lieber an denen herumgeschraubt, als in die Schule zu gehen», er schmunzelt. Ein Puch wars, das grosse Ziel: von Flims nach Saint-Tropez, und sie schafften es, er und ein paar Kollegen aus Flims. «In drei Tagen waren wir unten.» Ein identisches Mofa steht übrigens heute wieder bei ihm in der Garage. Es ist nicht mehr das Puch von damals, aber er hat sich dasselbe Modell vor ein paar Jahren wieder gekauft. Alte Liebe rostet nicht – vorausgesetzt, man pflegt sie.

«Richtige alte Mechanik»

Pflegen, putzen, kontrollieren, ob alles in Ordnung ist: Diesen Aufwand macht sich Gartmann natürlich erst recht mit der Motosacoche. «Das ist noch richtige alte Mechanik», schwärmt er. Allerdings: Mit den Ersatzteilen ist es nicht so einfach, denn das Unternehmen aus Genf gibt es längst nicht mehr, die Motorradproduktion lief 1956 aus. Findet man die Stücke auf dem Oldtimer-Teilemarkt nicht, muss man sie nachbauen oder Passendes von anderen alten Töffmodellen zusammensuchen. Wer – wie der Flimser – gut in der Szene Fuss gefasst hat, hats dabei leichter.

Auch Gartmanns Motosacoche entspricht nicht mehr dem Urzustand von 1930. «Rahmen, Tank, Gabel und Räder sind noch original», erklärt er. Der Motor war schon umgebaut, als Gartmann die Maschine vor ein paar Jahren kaufen konnte; der Antrieb hatte einst nur halb so viele Pferdestärken. Die Höchstgeschwindigkeit schätzt er heute auf sicher 120 Stundenkilometer – schätzen deshalb, weil die C35 keinen Tachometer hat.

Die Arbeit setzt Grenzen

Sechs bis acht Rennen fährt Gartmann im Jahr, darunter Klassiker wie am Kerenzerberg, am Klausen oder nun eben in Arosa, manchmal reist er mit seinen Maschinen – er hat noch eine Motosacoche 414 – auch an Anlässe in Italien, Deutschland oder Frankreich. «Einfach so oft, wie es die Arbeit zulässt», sagt er. Die Carrosseriespenglerei, die er 1990 mit seiner Frau Sybille in Flims Dorf eröffnet hat, ist zur Autogarage gewachsen, seit über 25 Jahren erledigt Gartmann ausserdem den regionalen Pannen- und Abschleppdienst, seit 2006 von Waldhaus aus, dort, wo einst schon der Vater das Geschäft hatte. Und auch wenn sich Gartmann Mühe gibt, seine Oldtimer-Motorräder nach den Einsätzen nur gepflegt und geputzt wieder zu verladen, bleibt doch auch zu Hause noch einiges an den beiden Maschinen zu tun.

Apropos Rennen: Da schätzt Gartmann vor allem die Gleichmässigkeitsfahrten, bei denen es nicht auf reine Schnelligkeit ankommt. Sondern darauf, zwei oder mehr Läufe in möglichst identischer Zeit zu fahren. «Das bietet allen die gleichen Chancen», ob Motosacoche oder Technikbolide. Letzteres würde Gartmann notabene nicht mal fahren wollen. «Ein moderner Renntöff? So etwas war für mich nie ein Thema. Da habe ich zu viel Respekt vor dem Tempo.» Er freut sich stattdessen lieber auf die Fahrt in Arosa. Denn er ist sicher: «Das wird gut.»

Genau elf Motorradfahrer haben heuer Platz bekommen im Startfeld von Arosa.

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