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Riesengrosse kleine Flieger

Die Modellfluggruppe Glarnerland hat sich zum 80. Geburtstag einen Tag Schaufliegen mit den besten Piloten der Schweiz gegönnt. Mehrere Hundert Zuschauer haben das Spektakel gestern auf dem Flugplatz mitverfolgt.

Daniel
Fischli
Montag, 13. August 2018, 04:30 Uhr Schaufliegen zum 80. Jubiläum
Mitsamt Rauchfahne: Der Starfighter im Massstab 1:4 von Martin Sannwald braust im Tiefflug an seinem Piloten (zweiter von rechts) vorbei.
DANIEL FISCHLI

Wer sich unter einem Modellflugzeug eine handliche Holzkiste mit einem Schnapsmotörli vorstellt, liegt hier falsch. Was am Sonntag in Mollis abgehoben hat, fliegt in einer anderen Kategorie: Die Flugzeuge sind mehrere Meter lang, verbrennen auch einmal richtiges Kerosin in richtigen Düsentriebwerken und kosten soviel wie ein Auto. Die Modellfluggruppe Glarnerland hat ihr 80-Jahr-Jubiläum gefeiert und dazu 20 der besten Piloten aus der Schweiz eingeladen, ihre Schätze vorzuführen.

Martin Sannwald aus dem Toggenburg ist einer von ihnen und gleich mit sechs Flugzeugen auf dem Platz. Er sagt: «Modellflug ist wie ein Virus. Wenn man einmal befallen ist, kommt man nicht mehr davon los.» Es ist ein teurer Virus. Sannwald schätzt, dass er für die sechs Flugzeuge gut und gerne 100 000 Franken ausgegeben hat. Und darin sind die Arbeitsstunden noch nicht eingerechnet. Rund 300 Stunden habe er zum Beispiel an seinem Modell einer zweistrahligen russischen Suchoi Su-27 – «ein herrlicher Flieger» – gearbeitet, sagt Sannwald.

Inklusive lebensechter Puppe

Die grössten der etwa drei Dutzend Modelle in Mollis sind im Massstab 1:5 oder sogar 1:4 nachgebaut. Sie bestehen aus Kunststoffschalen, die als Bausatz gekauft werden können. Mit Turbinen, Fahrwerk und Elektronik kommt ein solches Flugzeug auch einmal auf 25 000 Franken zu stehen.

Sannwalds Modelle sind mit allen denkbaren Schikanen ausgerüstet: Am Rumpf und an den Tragflächen blinken Positionslichter, im Flug ziehen sie Rauchspuren, und ihre Fahrwerke werden bei der Landung pneumatisch gebremst. Selbstredend ist die Gestaltung bis ins kleinste Detail dem Original nachempfunden, inklusive Cockpit-Ausstattung und Pilotenpuppe.

In Martin Sannwalds Leben scheint es überhaupt nur die Fliegerei zu geben. Ausser den Modellflugzeugen fliegt er auch richtige, er verkauft Modellflugzeug-Baukästen und er arbeitet in einer Glarner Firma, die Flugzeugkomponenten herstellt. Mit der ferngesteuerten Fliegerei habe er mit 13 angefangen, jetzt ist er 55-jährig.

Absturz und Totalschaden

In der Modellfluggruppe Glarnerland hat Sannwald den Jet-Flug unter sich, und er hat das Programm des Schaufliegens vom Sonntag zusammengestellt. Darin sind neben den jetgetriebenen Kampfflugzeugen auch Kunstflugvorführungen mit Propeller- und Segelfliegern und Helikoptern zu sehen. Besonders laut ist ein Jet mit einem sogenannten Pulsstrahltriebwerk, der 400 Kilometer in der Stunde erreicht und von nicht weniger als drei Mann «Besatzung» gesteuert werden muss.

Etwas zu schaffen macht den Piloten am Sonntag in Mollis der nach dem Mittag aufkommende Wind aus Nordost. Da kommt es dann schon einmal vor, dass ein Starfighter bei der Landung mit der linken Tragflächenspitze die Piste streift. «Nur ein Lackschaden», beruhigt der Pilot. Weniger Glück hat ein anderer, dessen Flugzeug mitten im Flug plötzlich senkrecht in die Wiese stürzt: Totalschaden. Zum Glück hat dieses Modell «nur» einen vierstelligen Betrag gekostet.

Die Flugschau zum Geburtstag der Modellfluggruppe war eine Premiere. Gerne würde man ihr weitere Ausgaben folgen lassen. «Sicher zum 85. Geburtstag», meint Sannwald.

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