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Ein Ort, wo der Tod kein Tabu ist

In der Bündner Herrschaft entsteht das erste Sterbehospiz Graubündens. Für Todkranke eine Alternative zu den Palliativabteilungen der Spitäler.

Pierina
Hassler
Donnerstag, 26. April 2018, 04:30 Uhr Alternative zu den Palliativabteilungen
Leben und Tod: Im Senesca Alterszentrum in Maienfeld wird nächstes Jahr das erste Sterbehospiz im Kanton Graubünden eröffnet.

Hospize haben die Aufgabe, unheilbar Kranke auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Hospize machen Sterbe- und Trauerbegleitung. In Hospizen stehen die Todkranken und ihre Angehörigen im Zentrum. Kurz gesagt: Palliativ Care vor Medical Cure. Auf Deutsch: Schmerzfreiheit vor Heilung.
Und eben ein solches Hospiz entsteht jetzt in Maienfeld im Senesca Alterszentrum. Es ist das erste Hospiz im Kanton.

Grünes Licht für Pilotprojekt

Urs Hardegger ist Leiter des Senesca Alterszentrums in Maienfeld. Zur Zeitung «Prättigauer und Herrschäftler» sagte er: Die Idee eines Sterbehospizes beschäftige ihn seit drei Jahren. Im Kanton gebe es kein solches Angebot, obwohl der Bedarf insbesondere im stark bevölkerten Churer Rheintal respektive Nordbünden offensichtlich sei.
Hardegger kann seine Idee endlich umsetzen. Der Kanton hat nämlich grünes Licht für das Pilotprojekt Hospiz gegeben. Mehr noch: In der Zeit zwischen 2019 und 2021 unterstützt der Kanton das Projekt mit jährlich 400 000 Franken.

Für den Kanton lohnt sich der finanzielle Beitrag ans Hospiz. Aktuell sterben in Graubünden rund die Hälfte aller todkranken Patienten in einem Spital. Laut Hardegger kostet dies den Kanton letztlich mehr als eine Hospizlösung. «Ein Tag im Pflegeheim ist schlicht günstiger als ein Tag im Spital», so Hardegger. Und weil das so sei, liege es auf der Hand, dass auch die Regierung am Pilotprojekt interessiert sei.

Entwicklung der Palliative Care

Der Kanton hat den Stiftungsrat Alterszentrum Bündner Herrschaft damit beauftragt, das Hospiz im Senesca Alterszentrum einzurichten. Dies in Zusammenarbeit mit dem Verein palliativcare.gr, dem Kantonsspital Graubünden und der Menzi-Jenny- Gertrud-Stiftung. Letztere unterstützt in der Aufbauphase das Projekt finanziell. Die Menzi-Jenny-Gertrud-Stiftung hat eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Palliativ Care in Graubünden gespielt. Mit ihrem Vermögen bezweckt die Stiftung, kranken, alten Menschen ein humanes und individuelles Sterben zu ermöglichen.

Zwei Hospizwohnungen

Im Senesca Alterszentrum Maienfeld werden vorläufig zwei von vier Wohnungen als Hospiz eingerichtet. «Mit der Integration in die bestehende Institution können wir Synergien nutzen und damit auch Kosten optimieren», sagt Projektleiter Hardegger. Aufgenommen werden jüngere, schwerkranke Patienten, die einerseits keine ärztliche Betreuung im Spital mehr brauchen, für die aber andererseits ein Aufenthalt daheim nicht mehr möglich ist.

Apropos Kosten: Alle schwer kranken und sterbenden Menschen in der Schweiz erhalten eine ihrer Situation angepasste Palliative Care. Unabhängig von Alter, Herkunft und finanziellen Möglichkeiten. Sei es im Spital, daheim oder in einem Hospiz. Die Sicherstellung der Versorgung ist Sache des Kantons. Grundsätzlich muss die Krankenkasse die Kosten der grundversicherten Patienten in einer Palliativstation gemäss Krankenversicherungsgesetz übernehmen.

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Das Angebot eines Hospizes wird fragwürdig auf einen Schlagzeile reduziert: "Schmerzfreiheit vor Heilung". Aus dem Englischen wird übersetzt, dass Palliative Care vor Medical Cure kommt. Das bedeutet eigentlich dass palliative Pflege vor medizinischer Behandlung zur Heilung von Krankheit kommt. Die Hospiz Idee auf "Schmerzfreiheit" zu reduzieren finde ich fahrlässig.

Ehrlicher sind die Aussagen zur Motivation des ersten Hospizes in Graubünden. Der ganze Artikel ist voller Aussagen über das liebe Geld. "Für den Kanton lohnt es sich"; "Ein Tag im Pflegeheim ist schlicht günstiger als ein Tag im Spital" (was nichts über ein Hospiz aussagt); "Mit der Integration in die bestehende Institution können wir Synergien nutzen und damit auch Kosten optimieren". Damit all diese finanziellen Vorteile möglich sind, unterstützt der Kanton das Alterszentrum Senesca mit zusätzlichen CHF 400'000 pro Jahr. Auch die Menzi-Jenny-Gertrud-Stiftung unterstützt das Projekt finanziell. Und es wird auch darauf hingewiesen, dass grundsätzlich die "Krankenkasse die Kosten der grundversicherten Patienten in einer Palliativstation gemäss Krankenversicherungsgesetz übernehmen". Denn, alle Menschen in der Schweiz erhalten angepasste Palliative Care. Schön wär's!