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«Es erinnert mich an Australien»

Toni Liso arbeitete über 30 Jahre in Australien und gründete dort mehrere Modeunternehmen. In ihrem Rapperswiler Modegeschäft stellt sie ihr persönliches Schmuckstück vor.

Jérôme
Stern
21.04.18 - 23:07 Uhr
Aus dem Leben
Die Heimweh-Australierin und der Wal: Für Toni Liso ist ihr Schmuckstück eine Verbindung zu schönen Erinnerungen. Jérôme Stern
Die Heimweh-Australierin und der Wal: Für Toni Liso ist ihr Schmuckstück eine Verbindung zu schönen Erinnerungen.
JEROME STERN

 Vor sechs Jahren übernahm Toni Liso in der Rapperswiler Altstadt ein Spezialgeschäft für australische Kleider und Accessoires. Um das Fernweh mach Australien zu lindern, hat Toni Liso ein ganz besonderes Schmuckstück im Geschäft.

Toni Liso, von wem stammt dieses Schmuckstück?

Es wurde von einem Künstler namens Footloose geschaffen. Er arbeitete lange Zeit auf Hamilton, einer Insel vor Australien. Für das Werk verwendete er Inselgestein. Viele Touristen kommen nach Hamilton, um die Wale vor der Inselküste zu beobachten.

Erinnern Sie sich noch an den Kaufpreis?

Nein, das ist schon zu lange her. Ich frage nie nach dem Preis. Wenn ich etwas will, dann kaufe ich es. Wer nach dem Preis fragen muss, kann es sich nicht leisten.

Bei welcher Gelegenheit haben Sie das Werk erstanden?

Ich kaufte es vor etwa 30 Jahren auf Hamilton. Mein Mann nahm dort an einem Jachtrennen teil. Viele Rennjachten aus Australien treffen sich für das Rennen bei der Insel, dabei wird auch kräftig gefeiert.

Sie waren Mitglied der Schiffscrew?

Nein. Das wäre zu gefährlich gewesen. Nur Profis können da mitsegeln. Auf den 18-Fuss langen Rennbooten segelt eine 24-Mann starke Crew. Manche dieser Boote nehmen auch am berühmten America’s Cup teil.

Das klingt nach einem Anlass für reiche Segler.

Ja. Der Segelsport in Australien ist eine sehr teure Sache und viele Geschäftsleute aus der Modebranche sind damit verbunden. Sie finanzieren die Jachten und werben auf den Segeln für ihre Marken.

Ihr Geschäft für australische Kleider in der Rapperswiler Altstadt ist unter Australien-Fans wohlbekannt ...

Für mich ist es der letzte australische Aussenposten. Mein Shop strahlt australische Atmosphäre aus. Ein 70-jähriger Farmer aus Australien, der jetzt in der Schweiz lebt, fühlte sich bei mir wie in seiner alten Heimat.

Was ist speziell an Ihrem Geschäft?

Ich verkaufe keine Mode, sondern praktische und robuste Kleider für den Outdoorgebrauch. Es sind Kleider für die Arbeit – Kleider, die man in Australien täglich trägt.

Sie waren in Australien in der Modebranche tätig. Führen Sie hier Kleider, die Sie selber entworfen haben?

Ich habe einen Hersteller beim Entwurf einer Reise-Ledertasche beraten. Als ich seine neuen Modelle sah, kontaktierte ich den Verkaufsmanager und sagte zu ihm: ‘Die Taschen sind viel zu schwer, ihr müsst leichteres Leder verwenden.‘ Ich gab ihnen Ratschläge mit meinem Fachwissen.

Hatten Sie in Australien mit Ledertaschen zu tun?

Ja, ich besass eine Fabrik für Ledertaschen in Sidney. In den 1970er-Jahren konnte man in Australien allerdings kein passendes dünnes Leder für Handtaschen kaufen, also mussten wir es selber entwickeln.

Von Bari über Australien in die Rosenstadt
Toni Liso wurde 1949 in der süditalienischen Stadt Andria geboren. Die Familie zügelte nach Frankreich, als Liso drei war. In Paris studierte sie Rechts- und Wirtschaftswissenschaft. 1969 zog sie mit ihrem Ehemann nach Australien. Dort gründete sie mehrere Modeunternehmen, die sie später wieder verkaufte. Nachdem Liso sich von ihrem Mann getrennt hatte, kam sie 2001 nach Zürich. 2010 entdeckte sie in der Rapperswiler Altstadt das Geschäft Mullum Australia, welches sie zwei Jahre später übernahm. Liso hat zwei Kinder und wohnt mit ihrem Lebenspartner in Rapperswil-Jona.

Jedes Wochenende stellen hier mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten aus der Region ihren Lieblingsgegenstand – sozusagen ihr Schmuckstück – vor.

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