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Der Drohnenfänger von Chur

Mit 27 Jahren hat Tom Lardelli bereits seine eigene Firma gegründet und fast 100 Drohnen vom Himmel geholt. Das hat einen Zusammenhang.

Corinne
Raguth Tscharner
Freitag, 20. April 2018, 04:30 Uhr Jungunternehmer
Tom Lardelli präsentiert den Dropster, eine Netzpistole, mit der gefährliche Drohnen vom Himmel geholt werden können.
MARCO HARTMANN

Kisten gefüllt mit feinen Kabeln und bunten Anschlüssen und grosse Maschinen, welche sägen, schneiden und schleifen – sie prägen das Bild des Untergeschosses der Polycontact AG, einem Technologieunternehmen an der Rossbodenstrasse in Chur. Und mittendrin ein Raum mit Bürotischen, Akten und Computern, umgeben von Fenstern. «Hier ist mein Hauptarbeitsplatz», sagt Tom Lardelli von der Droptec AG, einer Tochterfirma der Polycontact. Er muss lauter als gewohnt sprechen, da die Schleifgeräusche einer Maschine seiner Stimme Konkurrenz machen. «Der Lärm stört mich nicht bei der Arbeit. Sowieso ist es nicht immer so laut», meint der 29-jährige Churer, der bei Droptec für den Verkauf und das Marketing zuständig ist.

Vor eineinhalb Jahren gründete der Churer mit zwei Kollegen die Firma und entwickelte mit ihnen das Drohnenabwehrsystem Dropster. Ei-ne Weltneuheit in Pistolenform, die aus kurzer Distanz fliegende Drohnen mit einem Netz auf die Erde zurückholt (Ausgabe vom 8. Februar).

Keine Frage des Alters ...

Lardelli hat trotz seines jungen Alters mit gutem Gewissen in das Projekt investiert. Beim Unterzeichnen des Vertrags sei die Vorfreude riesig gewesen. «Ich habe gemerkt, dass es jetzt ernst gilt. Jetzt habe ich meine eigene Firma, bin mein eigener Chef, muss jetzt aber auch etwas dafür tun», so Lardelli.

Sein Leben sei seither auf den Kopf gestellt worden. Lardelli ist gelernter Tourismuskaufmann und hat an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur Betriebswirtschaft studiert. «Jetzt bin ich ein bisschen ein Workaholic und arbeite früher und länger», sagt er. Das mache er aber gerne und mit viel Herzblut.

Und das nimmt man ihm auch ab. Er trägt Sneakers, Jeans und Kapuzenpulli und wirkt trotzdem wie ein Geschäftsmann. Das ist wahrscheinlich seinem engagierten Auftreten und den kompetenten Worten geschuldet. «Das junge Alter kann ein Nachteil sein, weil man halt ein bisschen belächelt wird», meint Lardelli. «Oft macht man sich da aber zu viele Gedanken. Meistens kann ich mit allen in der Branche auf demselben Level diskutieren.»

... aber eine Frage der Moral

Lardelli ist Profi, lobt den Dropster in höchsten Tönen und schwärmt von seiner Arbeit. Die Netzpistole ist aber als Schusswaffe eingestuft und könnte in den Händen der falschen Leute eine Gefahr darstellen. Bei der Frage, ob er den Verkauf des Dropsters jemals hinterfrage, stockt Lardelli kurz. «Ich hoffe, dass die Waffe in den Händen von Leuten landet, die damit Schlimmes verhindern und Drohnen einfangen wollen. Und nicht, dass sie missbraucht wird, um Leuten zu schaden.» Deshalb erfülle man strenge Auflagen und prüfe mögliche Käufer und den geplanten Verwendungszweck auf Herz und Nieren. «Das ist mir persönlich ein Anliegen.»

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