Die treue Seele des Näfelser Fussballs schaut nun vom Himmel aus zu
Am Samstag ist Franz Hauser aus Näfels friedlich für immer eingeschlafen. Über 70 Jahre war er Platzwart beim FC Näfels, der später zum FC Linth 04 wurde. Die Liebe zum Verein und zum Fussball machen ihn hierzulande unvergesslich.
Am Samstag ist Franz Hauser aus Näfels friedlich für immer eingeschlafen. Über 70 Jahre war er Platzwart beim FC Näfels, der später zum FC Linth 04 wurde. Die Liebe zum Verein und zum Fussball machen ihn hierzulande unvergesslich.
Jeder, der in den letzten 70 Jahren im Glarnerland Fussball gespielt hat, kannte ihn: Franz Hauser. Nun ist der Näfelser mit 92 Jahren friedlich im Altersheim Letz in Näfels eingeschlafen. Franz Hauser hat den grössten Teil des Lebens seinem geliebten FC Näfels und dem aus der Fusion mit dem FC Niederurnen entstandenen FC Linth 04 gewidmet. Er war nicht nur dem Fussballklub ein Leben lang treu, sondern auch seinem Arbeitgeber als Pinselmacher.
Seine grösste Leidenschaft als Platzwart war die Zubereitung des Pausentees. Diesen kochte er mit einem speziell ausgetüftelten Zucker- und Zitronenzusatz jeweils zu Hause und schleppte ihn dann auf den Fussballplatz. Und so gut wie alle – auch die gegnerischen Teams – waren sich einig: Keiner hat einen so guten Pausentee gemacht wie Franz Hauser.
Den Pausentee durfte ich als Juniorenspieler kennenlernen – und damit auch Franz Hauser. «Willst du noch einen Becher? Der Tee tut dir gut», fragte er jeden fürsorglich. Franz hatte immer Freude an den jungen Fussballern, gab ihnen Tipps oder freute sich mit ihnen, wenn sie gewonnen haben. Oder tröstete sie, wenns nicht klappte.
Viele kamen und gingen – Franz blieb Näfels treu
Vor allem, wenn es kalt und nass war, sorgte der Tee für einen wärmenden Sonnenstrahl. Bei den Älteren hat er in der kalten Jahreszeit gerne einen Schuss «Güggs» reingetan, wie er jeweils mit einem Augenzwinkern sagte. Vielleicht entsprach es nicht der Wahrheit, so genau wusste man es nicht. Und seine Spezialität zeigte er nur zu gerne vor, den Pirouetten-Absatzkick. «Habt ihr gesehen, wie es geht?», fragte er die Kicker jeweils mit einem schelmischen Lachen im Gesicht.
Franz hat von 1944 an zehn Jahre selber aktiv Fussball gespielt. In der 2. und der 4. Liga – natürlich für den FC Näfels. Er bestach nicht durch filigrane Technik, aber er verfügte über ein verrücktes Kopfballspiel und beeindruckte durch seine berühmten Absatztricks. Dies, obwohl seine Mutter Anna es ihm verboten hatte. Er würde dem Alkohol verfallen, befürchtete sie. «Im Fussballverein sind nur Gottlose und Süffel.» Franz Hauser fand nie gefallen am Alkohol. Einmal, in der Rekrutenschule, habe er eine Zigarette geraucht – und prompt erbrechen müssen. Auch im Nichtrauchen sah er einen Grund für seine gute Gesundheit. Nach seiner Zeit als Spieler war er noch als Schiedsrichter tätig.
Franz Hauser wurde vom Glarner Fussballverband und dem Ostschweizer Fussballverband für seine Dienste mit den höchsten Ehren ausgezeichnet. Der Schweizerische Fussballverband SFV erfüllte ihm 1994 den Wunsch, an die Fussball-Weltmeisterschaften in die USA zu reisen. Ein Highlight in seinem Leben.
Für den Fussballverein hat er alles gemacht
Rund zehn Jahre spielte ich selber aktiv Fussball für Näfels und Linth. Spieler wechselten, Trainer kamen und gingen, Präsidenten und Vorstandsmitglieder wurden ausgetauscht. Nur einer war immer da: Franz Hauser. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf den Fussballplätzen – aus Liebe zum Verein und zum Sport. «Soll ich meine Fussballschuhe holen?», fragte er einst einen Trainer. Bei der Besammlung hatten sich nur zehn Spieler für die bevorstehende Partie eingefunden. Franz war wild entschlossen auszuhelfen. Der Trainer lehnte aber dankend ab, Franz war damals über 60 Jahre alt.
«Wir können Franz Hauser für seinen Einsatz nicht genug danken und vermissen ihn sehr.»
Erich Fischli, Präsident FC Linth 04
Für seinen FC Näfels hat er alles getan. «Hätte ich für jede Stunde, die ich für den Verein aufwendete, einen Franken verrechnet, wäre ich jetzt Millionär», sagte er 2010 in einem Interview mit dem Journalisten Walter Hauser. Alles, was Franz für den Verein machte, war ehrenamtlich. Er wollte es nicht anders. Ehrungen oder Dankesreden waren ihm stets unangenehm – auch wenn sie keiner mehr verdient hätte. «Wir werden ihn am Samstag ehren, indem unsere Spieler beim Freundschaftsspiel mit Trauerflor auflaufen», sagt Marc Fischli, Sportchef des FC Linth 04.
Franz hatte ein besonderes Verhältnis zum Spielgerät
Wie viele Bälle Franz Hauser während seiner Zeit als Platzwart aus der Linth gefischt hat, kann niemand so genau sagen. Es dürften Hunderte sein. Zum Spielgerät hatte Franz ein besonderes Verhältnis. Er konnte es nicht haben, wenn ein Spieler beim Schusstraining das Tor verfehlte und den Ball nicht umgehend suchen ging. «Habt ihr alle Bälle?», war stets die erste Frage, sobald das Training fertig war.
Als der Fussballplatz in Näfels noch auf dem heutigen Areal der Netstal Maschinen AG war, drosch ein Spieler 1971 nach der Partie wutentbrannt den Ball in die Linth. Franz Hauser stieg sofort aufs Velo und verfolgte den Ball – ohne Erfolg. Oder er radelte am nächsten Tag bis an den Walensee, in der Hoffnung, einen verlorenen Ball am Ufer oder bei einem Rechen zu finden. Oft war er erfolgreich, nur ungern gab er einen Ball verloren.
Mit zunehmendem Alter konnte Franz nicht mehr alle Arbeiten selber erledigen. Beim Platzzeichnen bekam er Hilfe – dies behagte ihm zu Beginn gar nicht. Den Eintritt zog er mit seinem Kollegen Jules Fischli an den Heimspielen des FC Linth 04 noch bis vor zwei Jahren ein. Und verteilte das Matchprogramm: «Ein gutes Spiel wünsche ich», pflegte er jeweils zu sagen.
Franz Hauser hinterlässt seine Lebenspartnerin Elisabeth Perucchi und unzählige Fussballfreunde. «Wir können Franz für seinen langjährigen Einsatz nicht genug danken – und wir vermissen ihn sehr. Er war einzigartig», so Erich Fischli, Präsident des FC Linth 04. Franz Hauser war ein Original, mit Ecken und Kanten, aber liebenswürdig und mit einem Herzen für die Menschen und vor allem für seine grosse Liebe, den Fussball. Der FC Linth 04 hat seinen Fan aber nicht verloren, er schaut von jetzt an einfach vom Himmel aus zu.
Paul Hösli ist Leiter Sport bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda. Er ist seit 1997 bei der «Südostschweiz», im Jahr 2013 wechselte er intern von der Druckvorstufe in die Redaktion. Zuerst in einem 40-Prozent-Pensum und seit 2016 zu 100 Prozent. Mehr Infos
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Bravo an Paul Hösli: möchte…
Bravo an Paul Hösli: möchte Euch mitteilen mit meinem Kollege Franz Hauser
besuchten wir viele Länderspiele in aller Welt , alle Ausscheidungsspiele zur
WM im Jahr 1994 und dabei Life in Amerika, Europameisterschaft in England
im Jahr 1996 diverse weitere Ländersspiele in Europa, sowie Uefa,da ich als
" Schiri " mit dem Fussballverband kontakt hatte,war es für uns einfach dabei zu sein " Franz genoss es sehr, konnte er doch mit verschiedenen
Nationalspielern und Funktionären Kontakt knüpfen . Zeitzeugen sind verschiedene Fotos vorhanden.Während 50 Jahren habe ich Franz als ein
würdiger lieber Kammerad, wunderschöne Zeiten erlebt. Lieber Franz Du
wirst in meinem Herzen Platz haben und denke immer an Dich, nun Ruhe
in Frieden.
Fussball Kollege Jules Näfels