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Schmerkner kennt zukünftigen Präsidenten Liberias

Felix Walz aus Schmerikon hat humanitäres Engagement in Liberia zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Mit Ex-Fussballprofi George Weah hat das Land einen neuen Präsidenten gewählt. Walz und Weah kennen sich.

Milena
Caderas
Samstag, 13. Januar 2018, 04:30 Uhr Who knows who
Der gewählte Präsident George Weah mit Felix Walz.
ZVG

«Ich habe meine Aufgabe gefunden», sagt Felix Walz. Der ehemalige Polizist hat in seiner beruflichen Laufbahn verschiedene Stationen durchlaufen. So war er unter anderem Leiter des Polizeistützpunkts Schmerikon, Sicherheitschef an der ETH Zürich und später Chef Stabsabteilung bei der Flughafenpolizei Zürich. Von 2007 bis 2012 beauftragte ihn das Bundesamt für Zivilluftfahrt mit einem Mandat in der Europäischen Zivilluftfahrt-Konferenz. Als Experte für Flughafensicherheit engagierte er sich national und international in den Fachbereichen Passagier- und Gepäckkontrolle sowie für eine effiziente Führung des Sicherheitspersonals auf internationalen Flughäfen der ganzen Welt.

Vor fünf Jahren dann kam vom Eidgenössischen Aussendepartement eine Anfrage an die Kantonspolizei Zürich, die sein Leben verändern sollte. Gesucht wurde ein Sicherheitsexperte für humanitäre und friedensfördernde Einsätze in Westafrika. Zwischen 2013 und 2016 unterstützte Walz die Mission der Vereinten Nationen in Liberia. Danach liess er sich mit 63 frühpensionieren und gründete zusammen mit dem Schmerkner Bauunternehmer und CEO der JMS-Gruppe, Beat Jud, sowie dem Rapperswiler Rechtsanwalt Linus Hofmann die Bowier Trust Foundation Switzerland.

Seit letztem Herbst ist er Präsident und Geschäftsführer der Stiftung, die sich für die ärmste Bevölkerung einsetzt, namentlich für Kinder und Frauen. Ziel ist unter anderem, die schulische Infrastruktur in Liberia zu verbessern. Der Fokus liegt auf Wasserversorgung, Hygiene und Sicherheit. In Schulen hat Walz das Epizentrum vieler Probleme lokalisiert. «Schulen sind entscheidend für die Zukunft des Landes», sagt Walz. Und im liberianischen Bildungsbereich lassen sich viele Defizite ausmachen. Die Analphabetenrate etwa liegt nach offiziellen Angaben bei 70 Prozent. Walz schätzt, dass sie noch höher ist.

Als Stiftungspräsident möchte er in der Heimat auf Schwierigkeiten aufmerksam machen, mit denen der westafrikanische Staat zu kämpfen hat. Mittlerweile kann der Stiftungsrat auf rund zehn Mitarbeiter vor Ort zählen.

Ein Land im Chaos

Das kriegszerstörte Liberia zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Ein Polizist zum Beispiel verdient im Durchschnitt 150 Dollar pro Monat. Der Bürgerkrieg hat grosse Narben hinterlassen. Viele Junge sind ohne Halt und Sicherheit im Bürgerkrieg aufgewachsen. «Ganze Generationen sind perspektivenlos, viele ehemalige Kindersoldaten fristen ihr Dasein als kriminelle ‘Motorcyclists’.» Und die Folgen der schweren Ebola-Epidemie zwischen 2014 und 2015 belasten die Anstrengungen, das Land wirtschaftlich und sicherheitsmässig voranzubringen.

Er engagiere sich aus zwei Gründen, betont Walz. Zum einen wolle er auf die katastrophalen Lebensbedingungen in Liberia aufmerksam machen. Darüber hinaus legt der Schmerkner den Fokus auf die Flüchtlingssituation. Damit es nicht zu neuen Migrationsströmen Richtung Europa kommt, braucht es gemäss Walz stabile Verhältnisse in Liberia. Wenn sich die Situation in den afrikanischen Herkunftsländern verbessert, lässt sich die Fluchtbewegung eindämmen. Aber die Hilfe muss vor Ort erfolgen.

Date mit dem Präsidenten

An Herausforderungen – auch für Liberias Politik – fehlt es also nicht. Viele Erwartungen ruhen nun auf dem frisch gewählten Präsidenten George Weah, einem ehemaligen Fussball-Star. Er lud Walz vergangenen November zu einem Treffen ein. Grund dafür waren die guten Verbindungen der Stiftung zur Administration der Regierung, wie Walz erzählt. Weiterführende Kontakte zur Schweiz würden von den neuen Amtsträgern begrüsst, weil die Schweiz für Qualität, Zuverlässigkeit und Know-how in Liberia einen ausgezeichneten Ruf hat. Derzeit bestellt Weah seine Regierung und wird sein Amt offiziell am 22. Januar für sechs Jahre antreten.

Für den Schweizer Polizei-Experten ist es wichtig, die lokale Bevölkerung in Projekte einzubeziehen. «Es funktioniert nur, wenn die einheimischen Führer hinter einem Projekt stehen, nur so kann das System ‘Hilfe zur Selbsthilfe’ gelingen.»

Schule als Pilotprojekt

Als Pilotprojekt auserkoren wurde die Immanuel Christian Academy in Paynesville, 45 Minuten Fahrzeit von der Hauptstadt Monrovia entfernt. Es handelt sich um eine christliche Privatschule mit rund 320 Schülern. Sie sind zwischen 5 und 14 Jahre alt.

Die sanitären Anlagen sind in einem desolaten Zustand. Im Moment gibt es bloss zwei Toiletten, die nicht funktionieren. Und eine winzige Wasserleitung muss für den gesamten Gebäudekomplex reichen. Entsprechend bedenklich sind die hygienischen Verhältnisse für die Schüler und 25 Lehrpersonen. In einer ersten Phase soll die Wasserversorgung geregelt werden.

Bei aller Hoffnungslosigkeit bringt Walz’ Engagement auch immer wieder schöne Momente. Wenn Walz von der Weihnachtsfeier an der Schule erzählt, kommt er ins Schwärmen. «Diese Kinder haben nun zum ersten Mal in ihrem Leben ein Weihnachtsgeschenk erhalten», gibt er zu bedenken und zeigt auf seinem Laptop Bilder von leuchtenden Kinderaugen.

Alle zwei Monate reist Walz in der Regel nach Afrika. Sein Hauptwohnsitz ist Schmerikon. Er ist sehr gerne im Linthgebiet. «Ich würde Schmerikon nie verlassen», stellt der pensionierte Polizeioffizier der Kantonspolizei Zürich klar. In Schmerikon lebt auch seine Familie, der er wegen grosser Toleranz für sein humanitäres Engagement zu Dank verpflichtet sei, hält er fest. Unterstützt wird seine Stiftungsarbeit in Liberia von Rotary-Clubs aus dem Linthgebiet.

Gerne macht Walz Öffentlichkeitsarbeit für die Stiftung. Am Donnerstag, 18. Januar, zum Beispiel wird er vor dem Arbeitgeberverband See-Gaster einen Vortrag über deren Aktivitäten halten. Ende Monat will Walz auch schon wieder nach Liberia reisen.

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