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Ein Leben mit Bergen, Bytes und Bücherschreiben

Bergschriftsteller tönt nach Wanderführer und Alpenkitsch, ist bei Emil Zopfi aber viel weiter gefasst. Am Donnerstag feiert der Obstaldner Zopfi seinen 75. Geburtstag.

Südostschweiz
30.12.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Bergler und Schriftsteller: Emil Zopfi feiert nächste Woche seinen 75. Geburtstag.
Bergler und Schriftsteller: Emil Zopfi feiert nächste Woche seinen 75. Geburtstag.
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Von Irene Widmer

Emil Zopfi wurde am 4. Januar 1943 in Wald im Zürcher Oberland geboren. Als Sohn eines aus dem Glarnerland eingewanderten Textilarbeiters habe er damals kaum gewusst, was ein Gymnasium sei, geschweige denn ein Schriftsteller, sagte Zopfi einmal in einem Interview.

Zum Schreiben fand er durchs Klettern. Schon mit 17 Jahren beherrschte er Kletterrouten der damals höchsten Schwierigkeitsstufe 6, «extrem». Im Winter, wenn er nicht Klettern konnte, schrieb er seine Sommertouren auf und veröffentlichte die Artikel in Alpinisten-Zeitschriften. Was zunächst nach Wanderführer oder Alpenkitsch tönt, ist bei Zopfi aber viel mehr. Als er den King-Albert-Mountain-Award erhielt, hiess es zur Begründung, er sei «DER deutschsprachige Bergschriftsteller der Gegenwart».

Seine ersten literarischen Publikationen «Jede Minute kostet 33 Franken» (1977) und «Computer für 1001 Nacht» (1980) waren aber einer anderen Leidenschaft geschuldet: dem Rechner. Sein Roman «Londons letzter Gast» (1999), welcher das Ausgeliefertsein an die Computertechnik mit der Geschichte von Jack the Ripper verband, war eines der besten Bücher, die damals zum Problem des Millennium-Bugs erschienen.

Zopfi kannte die Materie: Er hatte nach einer Lehre als Fernmelde- und Elektronikapparatemonteur am Technikum in Winterthur Elektrotechnik studiert und als Programmierer und Systemingenieur an der ETH Zürich, bei IBM und Siemens gearbeitet. Ausserdem unterrichtete er Informatik für Erwachsene.

Von 1989 bis 2009 führte Zopfi zusammen mit seiner Frau Christa Schreibwerkstatt-Kurse in seinem Haus in Obstalden durch. Eine seiner Schülerinnen war Rosmarie Buri (1930-1994), deren Lebensgeschichte «Dumm und dick» mit einer Auflage von 300 000 Exemplaren eines der erfolgreichsten Schweizer Bücher des 20. Jahrhunderts war.

Vielfach ausgezeichnet

Selber veröffentlichte Zopfi über 30 Romane, Hörspiele, Kinder- und Jugendbücher sowie Bergmonografien. Nach seinen von der Computer-Thematik geprägten Anfängen überwogen in den letzten Jahren alpine Themen, beispielsweise mit der Bergkrimi-Trilogie «Steinschlag» (2005 mit Mathias Gnädinger verfilmt), «Spurlos» und «Finale», aber auch mit der Literaturgeschichte «Dichter am Berg. Alpine Literatur aus der Schweiz» (2009).

Ausgezeichnet wurde Zopfi unter anderem mit den Kulturpreisen des Kantons Glarus und des Schweizer Alpenclubs, Ehrengaben von Stadt und Kanton Zürich, Preisen der Schillerstiftung und mit dem Schweizer Jugendbuchpreis. Zuletzt erhielt er 2010 für seine Verdienste im Bereich der Bergliteratur die Ehrenmedaille der King Albert I Memorial Foundation.

Selber veröffentlichte Zopfi über 30 Romane, Hörspiele, Kinder- und Jugendbücher sowie Bergmonografien.

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