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Wenn das Christkind zum Flug lädt

Wenn das Christkind zum Flug lädt

Schöne Bescherung: Das «Südostschweiz»-Christkind erfüllt auch in diesem Jahr wieder Herzenswünsche.

Martin
Meier
vor 3 Jahren in
Aus dem Leben

Da könnte man glauben, dass der liebe Gott das Schicksal mitunter schon nicht ganz gerecht verteilt hat. Wenigstens im Fall von Kurt Schiesser. Nicht genug, dass der 73-Jährige an Multipler Sklerose leidet. Es kommt auch noch ein Krebs dazu. Das Lachen ist dem Glarner trotzdem nie vergangen.

Gelacht hat am Überraschungstag auch die Sonne. Schiesser glaubt ans Christkind, oder besser daran, an dessen Weihnachtsmarkt zu fahren: ins Klosterdorf Einsiedeln, wo die wundertätige schwarze Madonna über die 140 festlich dekorierten Verkaufsstände wacht und die Besucher-Augen zum Leuchten bringt.

Das «Wunder» passiert allerdings in Netstal (Glarus): Süsser die Glocken da nicht klingen. Ruth Schiesser, die das Ganze eingefädelt hat, öffnet die Haustür. «Ist Ihr Mann da?», fragen die Reporter. Kurt ist da, völlig überrascht, obwohl er noch nichts davon weiss, dass er bald erst richtig überrascht wird.

«Nichts ist unmöglich»

«Nur einmal mit einem Lastwagen fahren.» Das wäre Kurt Schiessers Herzenswunsch, den er den Reportern anvertraut. Das sei für ihn allerdings unmöglich. «Nichts ist unmöglich», meinen die Reporter. «Doch», meint Schiesser. Sein zweiter Wunsch. «Ich sehe sie direkt über unser Haus fliegen. Einmal in einem Heli zu sitzen, wäre schon was. Aber eben.» Eben?

Für Schiesser heisst es jetzt erst einmal warm anziehen. Und ab auf die Strasse. «Was habt ihr mit mir vor», fragt er. Die Antwort darauf fährt vor, um die Strassenecke. Am Steuer sitzt LKW-Fahrlehrer Fritz Mühlemann, der Kurt Schiesser bittet, einzusteigen. Und dieser lässt sich nicht zweimal bitten.

Vergessen sind die Schwierigkeiten beim Gehen. Dank Teamwork schafft er es in die hoch gelegene Fahrerkabine. Seine Augen strahlen, obwohl er noch nicht weiss, dass es mit ihm noch höher hinausgeht. Die LKW-Fahrt endet nämlich auf dem Flugplatz Mollis. Dort wartet auf Schiesser das Eichhörnchen, ein rot-weisser Ecureuil der Heli Linth, einen solchen, wie er oft über sein Haus schweben sieht.

«Was für ein Wahnsinn»

Pilot Reto Rüesch bittet: «Helm auf.» Dann startet er den Rotor. Und dann, dann verliert Schiesser den Boden unter den Füssen. Rasanter als im Lift gehts aufwärts, erst die Wiggiswand, dann das Vrenelisgärtli, später den Tödi vor Augen. «Was für ein Wahnsinn», strahlt da Schiesser.

Tiefblau wie der weit unten liegende Muttsee öffnet sich weit oben auch der Himmel. Und zwischendrin: Da fliegt Schiesser, frei wie ein Adler im Wind. «Was für ein Wahnsinn.» Er, der nicht wie andere gehen kann, darf für einmal vogelfrei sein, losgelöst von allem, in einer für ihn neuen, der dritten Dimension. «Das ist Wahnsinn!»

Und der Wahnsinn geht weiter: Das unbeschreiblich Schöne, das nicht nur dem Flugpassagier die Freudentränen ins Gesicht treibt, sondern auch denjenigen, die unten auf dem Boden warten. Auf dem schmalen Weg, wo der Heli sanft auf- und den Überraschungsgast absetzt – direkt vor Schiessers Haustür. Was der Überraschte nach der Landung gesagt hat? Raten Sie mal!

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