Habt Ihr Eure Kundendaten im Griff?
Im Mai 2018 wird die Datenschutzverordnung der EU wirksam. Wer dagegen verstösst, dem drohen Bussen von bis zu 20 Millionen Euro. Dass dies auch für hiesige Unternehmen etwa im Tourismus gilt, ist erst wenigen klar.
Im Mai 2018 wird die Datenschutzverordnung der EU wirksam. Wer dagegen verstösst, dem drohen Bussen von bis zu 20 Millionen Euro. Dass dies auch für hiesige Unternehmen etwa im Tourismus gilt, ist erst wenigen klar.
Es geschieht ständig. Ob bei der Buchung des Hotelzimmers, bei der Teilnahme an einem Wettbewerb aus der Marketingabteilung oder bei der Beanspruchung von Extradienstleistungen: Gerade im digitalen Bereich fallen bei jeder Interaktion mit umworbenen oder schon gewonnenen Gästen Informationen an. Informationen, die im Nu ihren Weg in die Datensammlung finden. Was bisher vielerorts nur als riesige Chance wahrgenommen wurde, könnte gerade für touristische KMU zur Hypothek werden. Grund ist die neue Datenschutzverordnung, die ab 25. Mai 2018 wirksam wird. Unbedacht Daten von EU-Bürgern zu sammeln, kann Unternehmen dann sehr teuer zu stehen kommen. Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes sind vorgesehen.
«Eine Firma muss erst einmal wissen, welche Daten gesammelt wurden.»
Datensammeln wird gefährlich
Ein Thema, das gerade den Bündner Tourismus mit seinen zahlreichen Gästen aus der EU betrifft, wie Jon Erni sagt. Der Initiant von Mia Engiadina sieht grossen Handlungsbedarf. «Bisher wurden anfallende Daten von Kunden beliebig gesammelt und gespeichert. Die Datenkultur müssen Unternehmen nun grundsätzlich neu ausrichten.» So müssen Kunden künftig über gesammelte Daten informiert und diese auf Anfrage auch gelöscht werden, wie er sagt. «Dazu muss eine Firma aber erst einmal wissen, welche Daten überhaupt gesammelt wurden.»
Bei Bündner Tourismusvertretern ist das Thema derweil noch nicht präsent, wie sich zeigte. Das dürfte sich nun ändern, oder besser: sollte. Denn viel Zeit bleibt nicht mehr.
Auch dies war eine Botschaft der Bundespräsidentin Doris Leuthard am Digitaltag: Man dürfe nebst den Chancen die Risiken der Digitalisierung nicht übersehen. Eines der Risiken, das Sammeln privater Daten, hat die EU mit der Datenschutzverordnung adressiert. Das Gesetz, mit dem die EU der Sammelwut von Datenkraken wie Facebook und Co. beikommen will, betrifft Bündner Unternehmen, wie Jon Erni sagt. «Es betrifft jedes Unternehmen, das Kunden aus der EU hat.»
Neue Pflichten der Unternehmen
Und die Anforderungen des neuen Gesetzes haben es in sich. «Jedes Unternehmen muss auf Anfrage darüber Auskunft geben, welche Daten eines Kunden gespeichert sind», sagt Erni, der das Pilotprojekt Mia Engiadina initiiert hat und noch bis März bei Microsoft als Leiter Public Sector tätig ist. Zudem hat künftig der Kunde auf Wunsch Anspruch auf Sichtung und Löschung seiner Daten. Wenn jemand ohne Berechtigung Zugang zu diesen Daten gewinnt, muss das Unternehmen den Kunden aktiv informieren. «Und die Verordnung ist mit einem strikten Konzept rechtlicher Folgen ausgestattet», wie Erni es ausdrückt. Bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes können an Bussen verhängt werden.
«Jede Firma muss Auskunft geben können, welche Daten eines Kunden gespeichert sind.»
Was heisst das nun für hiesige Unternehmen? «Erst einmal muss man wissen, wo und wann überall Daten gesammelt und wo diese abgespeichert werden.» Erni rät, sämtliche Arbeitsprozesse der Unternehmung daraufhin zu prüfen und vor allem unnötige Datenerfassung zu vermeiden. Wichtig sei es, auch die Mitarbeiter über die neue Rechtslage aufzuklären, um etwa bei entsprechenden Anfragen von Kunden richtig zu reagieren. Anforderungen, die gerade für kleinere Unternehmen zur Herausforderung werden können, wie Erni einräumt. KMU ohne interne Rechtsabteilung rät er, das Thema mit einem Treuhänder oder einem juristischen Berater anzusprechen.
Die Daten gehören dem Kunden
«Wichtig ist nun, dass die Unternehmen überhaupt merken, dass sich da etwas grundlegend ändert», sagt Erni, der offenbar noch Sensibilisierungsbedarf ortet. Tatsächlich scheint das Thema bisher nur wenige umzutreiben. Bei der Marketingorganisation Graubünden Ferien etwa hört man zum ersten Mal von der neuen Datenschutzverordnung, ebenso bei Hotelleriesuisse Graubünden. Beiderorts will man sich nun aber darum kümmern.
Die neue Verordnung folgt dem Grundsatz: Die Daten gehören dem Kunden. Die einzig sinnvolle Stossrichtung, ist Erni überzeugt. «Unternehmen, die durch das Sammeln von persönlichen Daten immer mehr Macht gewinnen – wenn ich das weiterdenke, lande ich in einer Welt, in der ich persönlich nicht leben möchte.»
Gion-Mattias Durband wuchs in Graubünden auf, studierte in Bern und Toulouse Politikwissenschaften und etwas Volkswirtschaft und noch weniger Recht. Mit Unterbruch schreibt er seit 2010 für die «Südostschweiz» und freut sich an jeder Anregung. Mehr Infos
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