Im Herbst läuft die «Grasteeri» in Kaltbrunn auf Hochtouren
Wenn die Sonnenstrahlen an Kraft verlieren und die Herstellung von Dürrfutter nur noch erschwert möglich ist, schlägt die Stunde der «Grasteeri» in Kaltbrunn. Zuständig für den Trocknungsbetrieb ist der Benkner Junglandwirt Fredi Kamer.
Wenn die Sonnenstrahlen an Kraft verlieren und die Herstellung von Dürrfutter nur noch erschwert möglich ist, schlägt die Stunde der «Grasteeri» in Kaltbrunn. Zuständig für den Trocknungsbetrieb ist der Benkner Junglandwirt Fredi Kamer.
Von Barbara Schirmer
Vor der Grastrocknungsanlage Blöchlinger Agro in Kaltbrunn herrscht Betrieb. Traktoren mit Anhängern im Schlepptau, gefüllt mit Gras, zirkeln auf dem grossen Platz aneinander vorbei und entladen ihre wertvolle Fracht. Es dampft aus dem grossen Kamin, die «Grasteeri» läuft auf Hochtouren.
Auch Fredi Kamer aus Benken ist gefordert. Der gelernte Landwirt ist seit 2014 für den Trocknungsbetrieb verantwortlich. Er koordiniert die Abläufe, stellt Temperatur und Trocknungszeit am Ofen ein und überwacht den ganzen Trocknungsprozess. Das nasse Gras wird ausserhalb des Gebäudes auf ein Dosiergerät gekippt. Von da transportiert ein Förderband das Material zum eigentlichen Herzstück der «Grasteeri» – dem Ofen. Eine Trommel, die während des Trocknungsvorgangs unermüdlich dreht, sorgt für ein regelmässiges Verflüchtigen der Feuchtigkeit. Dadurch entsteht Dampf und dieser entweicht durch den Kamin. Anhand dieses Dampfes erkennen Spaziergänger und Passanten, dass im Inneren des Gebäudes die Maschinen am Wirken sind.
Es wird aussortiert, was nicht ins Futter gehört – von der Eisenstange bis zum Hundespielzeug.
Müll macht vor der «Grasteeri» nicht halt
Am Ende der rotierenden Tonne wird all das aussortiert, was nicht ins Futter gehört. Von der Eisenstange bis zum Hundespielzeug, es gibt kaum etwas, was darin nicht schon angetroffen worden ist. Littering macht auch vor der «Grasteeri» nicht halt. Ist all der Müll aussortiert, geht die Reise des nun zu Trockengras veredelten Futters weiter. Es folgt die Abkühlung, bevor der kostbare Kuh-Gaumenschmaus, durch Matrizen gepresst, zu Würfeln wird.
Von jedem Futterdurchlauf wird eine Handvoll Würfel aufbehalten. Säuberlich verpackt und beschriftet wandern diese als Probe in den Schrank. «Das ist Vorschrift und dient der Rückverfolgbarkeit», erklärt Fredi Kamer. Es könnte ja sein, dass Probleme mit krankmachenden Mykotoxinen auftauchen. Das sei aber in Kaltbrunn, soweit er sich erinnere, noch nie vorgekommen.
Schnell ist grosser Schaden entstanden
Seit vielen Jahren steht die Grastrocknungsanlage in Kaltbrunn, ebenso viele Jahre stehen die Maschinen im Einsatz. Da kommt es vor, dass immer mal wieder etwas holpert oder klemmt. Dann ist der Trocknungsverantwortliche in Aktion.
Schaden an der Mechanik oder am Futter soll unbedingt vermieden werden.
Gar schnell ist grosser Schaden angerichtet, sei es an der Mechanik oder am Futter. Das soll unbedingt vermieden werden. Es könne schon mal rauchen und man werde mit Garantie staubig bei diesem Job. Das ist mit ein Grund, weshalb gute Leute bei der Trocknungsanlage rar sind. Hinzu kommen die Arbeitszeiten, welche alles andere als Regelmässigkeit bedeuten. Trifft die Mais- auf die Grasernte, wird fast rund um die Uhr getrocknet. Kürzlich hätten sie in 18 Stunden 52 Tonnen Graswürfel hergestellt, erzählt Fredi Kamer.
Kraftfutter kann ersetzt werden
Er und seine Helfer sind eigentlich alle zu 100 Prozent einer anderen Anstellung verpflichtet. Kamer arbeitet nebst dem Landwirtschaftsbetrieb zu Hause noch bei der Baugenossenschaft. In der strengsten Trocknungszeit hat der Arbeitgeber glücklicherweise Verständnis und lässt der «Grasteeri» den Vorrang. «Trotzdem gibt es lange Tage», versichert Fredi Kamer. Wenn dann ein Landwirt ungeduldig wird, weil sein Gras oder Mais nicht vorgezogen wird, dann fehlt es ihm schon an Verständnis. Das komme immer mal wieder vor.
Die meisten aber würden erkennen, dass er und sein Team alles geben, damit eine einwandfreie Futterqualität an den Auftraggeber zurückgegeben werden kann. Das ist wichtig. Denn Gras trocknen ist aufwendig und teuer. Es lohnt sich nur, wenn eine gute Grasqualität getrocknet wird. Im Herbst, wenn die Gräser vor Eiweiss nur so strotzen, sind die Bedingungen daher optimal. Kamer gibt zu bedenken: «Gute Graswürfel können Kraftfutter ersetzen.»
Trend steigert Attraktivität der «Grasteeri»
Aktuell liegt die Fütterung ohne Soja und Co. im Trend. Das steigert die Attraktivität der Trocknungsanlagen. Vor allem bei jenen Landwirten, welche den Rohstoff Milch schliesslich an eine Käserei verkaufen. Denn für sie gilt das Silofütterungsverbot.
Eine neue Nische entdeckt – dieses Jahr ist ein Versuch mit getrocknetem Getreide gelungen.
So werden die alten Maschinen auch diesen Herbst wieder unermüdlich ihre Arbeit leisten und auf diese Weise ein Stück Sommer konservieren. Fredi Kamer und seinem Team stehen noch einige anstrengende Tage bevor, bis der letzte Grashalm verarbeitet ist und alles zu Würfeln wird.
In der «Grasteeri», der Grastrocknungsanlage Kaltbrunn, entstehen jährlich zirka 500 Tonnen Gras- sowie etwa 450 Tonnen Maiswürfel. Und dieses Jahr gelang dem Trocknungsteam gar ein Versuch mit getrocknetem Getreide. Eine Nische, die künftig ebenfalls genutzt werden könnte.
September
Die Arbeit der Landwirte in der Region ist oft stark mit der jeweiligen Jahreszeit verbunden. Einmal im Monat gewährt die «Südostschweiz» Einblick in einen Landwirtschaftsbetrieb, der sich spezifisch mit einer saisonal bedingten Arbeit beschäftigt. So hat der Benkner Jungbauer Fredi Kamer als Verantwortlicher für die Grastrocknungsanlage Blöchlinger Agro in Kaltbrunn besonders im Herbst viel zu tun. Denn in dieser Zeit bringen viele Bauern ihr geschnittenes Gras in die «Grasteeri», weil die Sonne es nicht mehr zu trocknen vermag.
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