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Diese Bäume sind älter als das Christentum

Wie waren die Umwelt- und Klimabedingungen am Ende der letzten Eiszeit? Darüber können die Jahrringe uralter Hölzer präzise Infos liefern. So wie die 2100 Jahre alten Baumstämme, die in Engi zum Vorschein kamen.

18.08.17 - 05:00 Uhr
Leben & Freizeit
Über 2100 Jahre alt: Beim Bau eines Schutzwalls bei der Altstafelrunse in Engi kommen 2015 diese Baumstämme zum Vorschein.
Über 2100 Jahre alt: Beim Bau eines Schutzwalls bei der Altstafelrunse in Engi kommen 2015 diese Baumstämme zum Vorschein.
PRESSEBILD

Forscher suchen derzeit nach Holz, das seit dem Ende der letzten Eiszeit im Boden lagert, konserviert unter meterdicken Erdschichten. Über einen Fund aus dem Glarnerland konnten sich die Mitarbeiter der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) vor etwa zwei Jahren freuen. Und nun hoffen sie auf noch mehr solcher Schätze.

Damals wurden rund 50 alte Bäume in der Nähe von Engi geborgen. Mit Unterstützung einer lokalen Baufirma, die gerade dabei war einen Hochwasserschutzwall zu errichten. Die Baumstämme wurden vermutlich durch einen Murgang etwa fünf bis sieben Meter tief verschüttet und im Lehm konserviert. Später stellte sich heraus, dass sie etwa 2100 Jahre alt sind.

«Die Bäume lagen in einer siltig-tonigen Ablagerung. Sie wurden vermutlich durch eine grosse Hangmure verlagert und anschliessend mit Bachschutt überdeckt. Es muss sich um ein sehr grosses Ereignis gehandelt haben», so WSL-Doktorand Frederick Reinig.

Durch die Datierung der Hölzer wollen die Zürcher Forscher die Klimaveränderungen in den letzten Jahrtausenden erforschen. Jeder Jahrring kann Informationen über Temperatur und Niederschlag zum Zeitpunkt seiner Entstehung enthalten. «Jeder Baum zählt», betont Reinig. Denn derzeit fehlen den Forschern noch einige Daten, um die Chronologie endgültig zu komplettieren. Selbst kleine Holzfunde könnten Gold wert sein, wenn sie Lücken zwischen bestehenden Messungen schliessen. «Wird altes Holz aus Baustellen oder Kiesgruben gemeldet, werden im Labor dessen Jahrringbreiten gemessen und im besten Fall sogar jahrtausendealte DNA extrahiert», so Reinig.

Glarner Umweltarchiv aufbessern

Dort, wo es viel geomorphologische Aktivitäten gibt, also an instabilen Hängen, Erdrutschgebieten, Kies- oder Lehmgruben, Mooren, Seen oder Gletschervorfeldern, vermuten die Forscher noch weitere, bisher luftdicht eingeschlossene Hölzer.

Statt alte Baumstämme und Hölzer in den Kehricht zu werfen oder in eine Verbrennungsanlage zu bringen, bitten sie auch die Glarner Bevölkerung darum, allfällige Funde zu melden. Nur so könne das einzigartige Umweltarchiv in unseren Böden erweitert werden. Dies unter Telefon 044 739 23 39 oder via Mail an holz@wsl.ch. Wichtig: Die Untersuchung des Holzes erfolgt abseits des Fundortes. Bauherren müssen also keinen zusätzlichen Zeitaufwand befürchten.

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